Elektromobilität

Lucid Motors schnappt Tesla Milliardendeal mit Saudi-Arabien weg

von Paul Bandelin

Das US-amerikanische Automobilunternehmen Lucid Motors hat seinem Konkurrenten Tesla offenbar einen Deal mit Saudi-Arabien vor der Nase weggeschnappt.

Ein Blick auf Riad, die Hauptstadt Saudi-Arabiens.
In Saudi-Arabien geht es längst nicht mehr nur um Öl, sondern auch um die Zukunft der Mobilität. Foto: Shutterstock / Fedor Selivanov

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Saudi-Arabien nicht mehr auf seine Ölvorkommen setzen will – sondern auf E-Mobilität
  • Weshalb das Land eine Milliarde US-Dollar in Lucid Motors investieren könnte
  • Wie der Königssohn Mohammed bin Salman die Wirtschaft so breiter aufstellen will

Auch wenn die saudischen Ölvorkommen noch lange nicht zur Neige gehen, machen sich die Scheichs mittlerweile auch dort Gedanken um die Zukunft – und die ist elektrisch.

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Der Saudi-Arabische Staatsfond PIF umfasst ein Gesamtvolumen von rund zwei Billionen US-Dollar. Dort prüft man gerade eine Investition von rund einer Milliarde Dollar in das US-amerikanische Automobilunternehmen Lucid Motors. Erste Gespräche zwischen den beiden Parteien gab es bereits, aus denen ein loser Kooperationsentwurf resultierte.

Investiert Saudi-Arabien eine Milliarde Dollar in Lucid Motors?

Sollte die Zusammenarbeit zustande kommen, entspräche der Betrag einer Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen. Das dürfte beim E-Auto-Konkurrenten Tesla sicherlich auf ein negatives Echo stoßen: Schließlich sind gleich vier hochrangige Mitglieder der Führungsriege bei Lucid Motors ehemalige Tesla-Mitarbeiter.

Im ersten Kooperationsentwurf von PIF und Lucid Motors sind die wichtigsten Rahmenbedingungen festgehalten. Diese umfassen zunächst eine Anfangszahlung von 500 Millionen US-Dollar zu Beginn der Partnerschaft. Den Rest will PIF später in Tranchen entrichten, wenn die US-Amerikaner bestimmte Produktionsmeilensteine erreicht haben. Eine offizielle Stellungnahme gab es bis Ende August 2018 noch von keiner der Parteien.

Der erste Prototyp des Lucid Air soll bereits Ende 2018 präsentiert werden, 2019 soll dann der Verkaufsstart der Sportlimousine von Lucid Motors sein. Mit einem Verkaufswert von 100.000 US-Dollar und Fahrzeugdate wie 480 bzw. 640 Kilometer Reichweite sowie einer Höchstgeschwindigkeit von 370 km/h ist der Lucid Air definitiv ein Tesla-Konkurrent.

Ein herber Schlag für Tesla?

Für Tesla muss der mögliche Deal ein Schlag ins Gesicht sein, hatte das Unternehmen um Elon Musk doch erst vor Wochen mit Saudi-Arabien über einen ähnlichen Deal verhandelt. Da Tesla einen Börsenrückzug erwägt, hatte man auf eine saudische Finanzierung des Ausstiegs in Höhe von fünf Prozent gehofft.

Den ersten Gesprächen folgten allerdings keine verwertbaren Ergebnisse. Als Reaktion auf die aufsehenerregende Ankündigung des dauergestressten Elon Musk, Tesla möglicherweise teilzuprivatisieren, hat die Börsenaufsicht erwogen, den Vorstand zum Rapport zu bitten. Im Raum steht der Vorwurf der Verletzung der Informationspflicht durch das Unternehmen.

Mohammed bin Salman will Wirtschaft breiter aufstellen

Wann die Ölvorräte Saudi-Arabiens zu Ende gehen, darüber herrscht selbst unter Experten keine Einigkeit. Von zu vielen schwer vorhersehbaren Faktoren ist die Entwicklung abhängig. Um sich nicht zu spät vom Öl abzunabeln, hat Saudi-Arabien deshalb im Jahr 2016 die Saudi Vision 2030 geplant und offiziell verkündet. Der Königssohn Mohammed bin Salman will das Land damit unabhängiger vom Öl machen.

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Ein Lucid Air, im Hintergrund das Meer und die untergehende Sonne.
Lucid Motors hat Tesla den Deal mit Saudi-Arabien abspenstig gemacht. Foto: Lucid Motors

Das Investment in Lucid Motors ist ein erster Schritt in diese Richtung und trägt zudem zur Diversifizierung der eigenen Wirtschaft bei. Der zwei Billionen US-Dollar starke Staatsfond Saudi-Arabiens soll etwa zur Hälfte in ausländischen Firmen und außerhalb der Ölbranche angelegt werden.

Die daraus resultierenden Einnahmen sollen in Zukunft die wichtigste Einnahmequelle des Staates werden. Eine weitere große Unternehmung ist der Bau eines gigantischen Industriekomplexes, in dem Rohöl zu Chemikalien verarbeitet wird. Die größte derartige Anlage der Welt soll 30.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

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