Elektromobilität

Londons Doppeldeckerbusse fahren mit Kaffeesatz

von Leonie Butz

Biodiesel aus Kaffeesatz: Um die Ökobilanz der Doppeldeckerbusse zu verbessern, entwickelte ein Unternehmen jetzt einen neuen, grüneren Kraftstoff.

Londons Doppeldeckerbusse fahren mit Kaffeesatz
Nichts für die Tonne: Aus Kaffeesatz könnte zukünftig der Kraftstoff für Busse entstehen. Foto: Unsplash/Rick Forgo

Das erfahren Sie gleich:

  • Biodiesel aus Kaffeesatz soll Londons Doppeldeckerbusse grüner machen
  • Aus Kaffeeresten wird ein Kraftstoff, den die Busse tanken können, ohne vorher umgebaut werden zu müssen
  • Auch für Deutschland – einem Land der Kaffeeliebhaber – ist diese Lösung denkbar

Kaffeesatz für Doppeldeckerbusse

Von Kaffee angetrieben – #Poweredbycoffee. Das ist das Motto des Unternehmens, das aus Kaffee einen Kraftstoff für die Londoner Doppeldeckerbusse entwickelt hat. Genau genommen ist der Kaffeesatz die spezielle Zutat, die aus dem herkömmlichen Diesel Biodiesel machen. Wonderfuel nennen sie das – Wundertreibstoff. Dass der Kaffeesatz eigentlich alles andere als ein Abfallprodukt ist, das beweisen diverse Anwendungen. Gestank im Hausmüll etwa kann das Wundermittel beseitigen oder Pflanzen von Schädlingen befreien. Jetzt entsteht eben auch ein umweltfreundlicherer Kraftstoff daraus.

20 Prozent Kaffeeöl im herkömmlichen Diesel-Kraftstoff, so entsteht das B20 Biodiesel.

Zugegeben, Biodiesel aus Kaffeesatz riecht noch immer nach Diesel – und nicht nach frisch geröstetem Kaffee. Aber die Idee, aus Kaffeesatz, also eigentlich einem biologischen Abfallprodukt, Biodiesel (B20) zu gewinnen, ist wirklich genial. Gemeinsam mit Shell entwickelte das Biodiesel-Unternehmen bio-bean den Treibstoff. Bisher diente der Kaffeebrennstoff der Firma als nachhaltiges Heizmaterial, jetzt soll der Reststoff auch in die Tanks der Doppeldeckerbusse. Im Schnitt produzieren die Londoner 200.000 Tonnen Kaffeesatz pro Jahr. In großen Kaffeeketten sammelten bio-bean die Kaffeereste ein und produzierten bisher 6.000 Liter Kaffeeöl. Zu 20 Prozent unter herkömmlichen Diesel-Kraftstoff gemischt, entsteht so der B20 Biodiesel.

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Auch wenn viele Länder bereits über langfristige Elektromobilisierung von Bussen sprechen: Der Biodiesel aus problemlos zugänglichen Reststoffen wäre sofort verfügbar.

Kaffeesatz für Doppeldeckerbusse
Londons roter Doppeldeckerbus ist fast so kultig wie der Big Ben selbst. Mit Kraftstoff aus Kaffeesatz könnte er jetzt sogar umweltfreundlich werden. Foto: Unsplash/Aron Van de Pol

Auch für Deutschland ein geeigneter Kraftstoff

Das Beste an dem Biodiesel mit nachhaltiger Grundlage ist aber die Tatsache, dass ein Umbau der Doppeldeckerbusse nicht nötig ist. Denn die Busse können das B20 genauso verbrennen wie ganz regulären Kraftstoff. Deshalb fahren bereits die ersten Busse in London mit dem neuen Biodiesel. Und auch für Deutschland bietet der Kraftstoff großes Potential. Denn die Deutschen trinken rund 61 Milliarden Tassen Kaffee pro Jahr, heißt es bei Shell. Also sehr viel Kaffeesatz, den bio-bean in nachhaltigen Biodiesel umwandeln könnte. „Wenn wir unseren Umgang mit Reststoffen ändern, können wir in Zukunft nachhaltigere Städte schaffen.“, so der bio-bean-Gründer Arthur Kay in der Shell-Pressemeldung.

Die Abgase riechen dann leider trotzdem nicht nach frisch geröstetem Kaffee. Aber der neue Kraftstoff würde weniger Emissionen und mehr nachhaltige Quellen für den Sprit der Zukunft bedeuten. Auch wenn viele Länder bereits über langfristige Elektromobilisierung von Bussen sprechen, der Biodiesel aus problemlos zugänglichen Reststoffen wäre sofort verfügbar – und nicht erst mit dem offiziellen ÖPNV-Elektroumstieg vieler Länder zwischen 2020 und 2040.

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