Technik

Löst das Smartphone den Autoschlüssel ab?

von Ji-Hun Kim

Der gute alte Autoschlüssel wird immer mehr vom Smartphone verdrängt – der analoge Schlüssel passt nicht mehr in unser modernes, vernetztes Leben.

Löst das Smartphone den Autoschlüssel ab?
Auf Knopfdruck: Zum Start des Motors ist der Autoschlüssel heute schon in vielen Autos nicht mehr nötig. Foto: Shutterstock / baitong333

Das erfahren Sie gleich:

  • Immer mehr Autofunktionen lassen sich bereits durch Apps steuern
  • Das Smartphone könnte sogar den Autoschlüssel überflüssig machen
  • Die neuen Funktionen bieten den Nutzern ganz neue Möglichkeiten

Das Smartphone treibt den Fortschritt an

Serien- und Autofans der 80er und 90er Jahre kennen die amerikanische Fernsehserie „Knight Rider“ mit David Hasselhoff in der Hauptrolle. Eigentlicher Hauptdarsteller: der schwarze Pontiac Firebird Trans Am mit dem Namen K.I.T.T., der unter anderem auf Kommando seine Türen öffnete und den Motor startete, ohne dass der Protagonist auch nur einmal einen Autoschlüssel in der Hand halten musste. Heute, über 30 Jahre später, sind zahlreiche dieser damaligen Wunderfunktionen zum Alltag geworden. Antreiber des Fortschritts ist allerdings ein Produkt, das in Entstehung und Entwicklung mit Autos zunächst gar nichts zu tun hatte: das Smartphone.

Das iPhone hat die Welt verändert

Als Steve Jobs am 9. Januar 2007 auf der Konferenz MacWorld in San Francisco das erste iPhone der Welt präsentierte, waren Publikum und Presse vor Begeisterung außer sich. „So, we’re gonna reinvent the phone“, erklärte der damalige Apple-CEO. Und in der Tat – ein Leben ohne iPhone oder ein anderes Smartphone ist für die allermeisten heutzutage unvorstellbar. Dabei sind zehn Jahre eigentlich keine lange Zeit. Überlegt man, dass das vielzitierte deutsche Fußball-Sommermärchen noch vor der ersten iPhone-Präsentation im Sommer 2006 stattfand.

Aber im Verlauf der vergangenen Dekade ist gerade bei dem Thema Smartphone eine Menge passiert. In Deutschland schätzt man mittlerweile über 55 Millionen Smartphone-User, was 68,8 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Zum Vergleich: 2017 sind geschätzt 45,8 Millionen Autos angemeldet. Es gibt heute also zehn Millionen mehr Smartphone-Nutzer als Autofahrer in Deutschland.

28 Prozent würden lieber auf Sex verzichten als auf ihr Smartphone.

Wieso die ganzen Zahlen? Auch um zu verdeutlichen, wie rasant die Bedeutung und Nutzung von Smartphones in unserem Alltag gewachsen ist. Stellen Sie sich vor, Sie würden heute all die Geräte mit sich herumtragen, die in einem Smartphone integriert sind: Taschenlampe, Radio, Videogerät, hochwertiger Fotoapparat, Videokamera, Walkman, PC mit Internetzugang, GPS-Navigationssystem, Gameboy – da wäre ein Umzugskarton in den 90ern schnell voll geworden. Eine Umfrage der Digitalagentur Syzygy von Anfang 2017 zeigt sogar, dass 28 Prozent der 19- bis 35-Jährigen lieber einen Monat auf Sex als auf ihr geliebtes Telefon verzichten würden.

Apps erobern das Auto

Android Auto und Co: Das digitale Leben im Auto
Smartphone im Mittelpunkt: Mit Diensten wie Apple Carplay oder Android Auto nimmt der Besitzer seine Datenzentrale mit ins Auto. Foto: Shutterstock / edgeplorer

Die Integration von Smartphones in ein zeitgemäßes automobiles Umfeld beschäftigt die allermeisten Autobauer. Heute kann ein Smartphone für vielerlei Funktionen im Fahrzeug genutzt werden. Durch Schnittstellen wie Android Auto und Apple CarPlay lässt sich die Lieblingsmusik vom Handy abspielen, die im Smartphone integrierte Navigation verwenden oder auch Sprachassistenten wie Siri oder Google Now nutzen. Das Smartphone übernimmt aber auch immer mehr Funktionen von einem der wichtigsten Zubehörteile eines Automobils überhaupt: dem Autoschlüssel selbst. Vom Öffnen der Zentralverriegelung, dem Einstellen der Klimaanlage oder dem Öffnen des Kofferraums – es gibt diverse Apps von Drittanbietern wie Car Chabi oder Autonet, die auch Besitzern von älteren Modellen ein relativ einfaches Update zum Smartphone-gesteuerten Auto versprechen.

Das eigene Auto verleihen - mit dem alten Autoschlüssel geht das nicht so einfach.

Aber auch von den meisten Autoherstellern gibt es Apps, die die Connectivity-Funktionen der Autos per Displaytouch ermöglichen. Wo wurde das Auto abgestellt, wie viel Benzin/Strom ist noch vorhanden? Hersteller wie Volvo und Tesla haben bereits Ansätze, via NFC oder Bluetooth LE gänzlich auf den Schlüssel zu verzichten und so alle wesentlichen Zugriffsrechte fürs Auto über das Smartphone zu steuern. Wer in der GroßstadtCarsharing-Services nutzt, dürfte das Öffnen und Starten eines Autos via Telefon ohnehin bereits kennen und weiß, dass man mit solch einem System beispielsweise Freunden und Bekannten das eigene Auto einfach verleihen kann, indem ein digitaler Schlüssel aufs jeweilige Smartphone gespielt wird.

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Verdrängt das Smartphone den Autoschlüssel?

Bleibt die Frage: Wird das Smartphone den Autoschlüssel für immer ablösen? Die Antwort dürfte lauten: Jein. So vielseitig die Vorzüge auf dem ersten Blick sind – der Smartphone-Schlüssel dürfte eine Übergangs- bzw. komplementäre Lösung sein. Wer nämlich vollständig auf den digitalen Autoschlüssel setzt, braucht zum einen in der Regel eine intakte und stabile Netzverbindung für die App und vor allem genug Strom auf dem Handy. Wer mit leerem Smartphone sein Auto auf dem Land geparkt hat, könnte mit der neuen Technik Probleme bekommen – und leere Telefon-Akkus gehören heute häufiger denn je zum Alltag. So ist im Januar dieses Jahres der Amerikaner Ryan Negri in seinem Tesla Model S in der Wüste bei Red Rock Canyon in der Nähe von Las Vegas gestrandet, da die Netzabdeckung nicht mehr reichte, um mit der Auto-App das Fahrzeug zu steuern.

Vor allem aber ist fraglich, ob in zehn, wenn nicht sogar fünf Jahren Smartphones, so wie wir sie heute kennen, überhaupt noch eine so eminente Rolle spielen werden. In der Tech-Branche geht man davon aus, dass ohnehin in naher Zukunft Wearables – sprich tragbare Mikro-Computer – an Stelle von Handys rücken werden. Es ist also gut möglich, dass man bald sein Fahrzeug per Sprachbefehl über die eigene Smartwatch rufen kann. Womit wir wieder bei der TV-Serie Knight Rider wären. Auch hier hat Michael Knight mit seinem Auto K.I.T.T über seine Armbanduhr kommuniziert. Science-Fiction von damals ist heute also schon definitiv denkbar – und alles andere als eine Spinnerei.

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