Technik

Lkw-Maut ab 2019: Das müssen Halter jetzt wissen

von Sabrina Lieb

Ab Januar 2019 werden die Mautsätze für Lkw erhöht. aio erklärt, wen die Maut betrifft, wer davon befreit ist und wie sich Unternehmen einbuchen können.

Ein Lkw in einer Autobahn-Ausfahrt.
Seit 2015 gibt es die Lkw-Maut in Deutschland. Jetzt wird sie teurer – und berücksichtigt unter anderem auch die Lärmbelastung von Lkw. Foto: Shutterstock / vladdon

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Änderungen es bei der Lkw-Maut ab 2019 gibt
  • Warum gerade Handwerksbetriebe von der Maut überrascht werden können
  • Welche Strafen Mautsündern drohen

Es wird noch mal teurer für Halter von Lkw auf Deutschlands Straßen: Nach dem Beschluss des Bundestags werden die Sätze für die Lkw-Maut ab Januar 2019 erhöht.

2015 wurde erstmals die Lkw-Maut auf Autobahnen und einzelnen Bundesstraßen in Deutschland eingeführt. Seit Mitte 2018 gilt sie auf allen Bundesstraßen, womit rund 40.000 Kilometer mautpflichtiger Straßen hinzugekommen sind.

Die Mautpflicht gilt für Lastkraftwagen ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, womit nicht nur Transport- und Logistikunternehmen, sondern auch viele Handwerksbetriebe mit größeren Lkw oder Lkw mit Anhängern von der Straßenbenutzungsgebühr betroffen sind.

Ab 2019 sollen nun erstmals die Kosten der Lärmbelästigung durch Lastwagen in die Berechnungen mit einbezogen werden. Darüber hinaus soll stärker nach leichteren und schwereren Transportern unterschieden werden.

Mit der neuen Maut-Regelung will der Bund jährlich rund 2,5 Milliarden Euro mehr in die Staatskasse bringen. Dabei will die Bundesregierung vor allem auch das Verursacherprinzip mehr stärken. Wer viel Lärm verursacht und schmutzige Fahrzeuge einsetzt, zahlt mehr. Weniger oder gar nichts zahlen jene, die leise und saubere Lkw nutzen. So sind Elektro-Lkw beispielsweise von der Maut befreit.

Was passiert mit dem Geld aus der Maut?

Die Benutzungsgebühr für Land- und Wasserstraßen, Brücken oder Hafenanlagen ist keine Idee aus der heutigen Zeit. Schon vor Jahrhunderten mussten Reisende "Wegegeld" entrichten. Insbesondere das Mittelalter wurde mit dem frühen Maut-Gedanken in Verbindung gebracht.

Heute zielt die Bundesregierung mit der erhobenen Maut auf die verbesserte Finanzierung der Bundesfernstraßen ab, um eine moderne und sichere Verkehrsinfrastruktur in Deutschland zu gewährleisten.

Ziel der neuen Gesetzgebung ist es nun, die Mautsätze auf Basis des Wegekostengutachtens 2018 bis 2022 zu aktualisieren und eine Rechtsgrundlage für die Umlage der Lärmbelastungskosten zu schaffen.

Wer ist von der Lkw-Maut betroffen?

Unter die Mautpflicht fallen alle Fahrzeuge oder Fahrzeugkombinationen (also auch Zugmaschinen mit Anhänger) mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mindestens 7,5 Tonnen, die für den Güterverkehr bestimmt sind oder entsprechend verwendet werden.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei der Fahrt um eine private Strecke handelt oder tatsächlich ein Gut befördert wird. Darüber hinaus spielt auch der Zweck der Güterbeförderung keine Rolle. Welches zulässige Gesamtgewicht ein Fahrzeug hat, steht in den Fahrzeugpapieren. Bei EU-Fahrzeugpapieren stehen diese Informationen unter F.2, bei alten deutschen Fahrzeugscheinen unter Ziffer 15.

Wer ist von der Mautpflicht befreit?

Nach dem Bundesfernstraßen-Mautgesetz sind bestimmte Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen von der Mautpflicht befreit, darunter...

  • land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen
  • Feuerwehr- und Polizeifahrzeuge
  • Fahrzeuge des Schausteller- und Zirkusgewerbes
  • Fahrzeuge im Straßenunterhaltungs- und Betriebsdienst
  • Selbstfahrende Arbeitsmaschinen, die nur zur Verrichtung von Arbeiten und nicht für Gütertransporte im gewerblichen Güterkraftverkehr oder Werkverkehr eingesetzt werden
  • Elektro-Lkw sowie gasbetriebene Fahrzeuge.

Welche Mauttarife auf Spediteure jetzt zukommen

Die Mauttarife sind im Bundesfernstraßenmautgesetz niedergeschrieben. Die Abrechnung erfolgt jeweils nach Kilometern, die ein Fahrzeug auf einer mautpflichtigen Strecke zurückgelegt hat. Die Maut setzt sich dabei aus zwei Teilbeträgen zusammen:

  • Der erste Maut-Teilsatz steht für die Infrastrukturkosten. Er richtet sich nach der Anzahl der Achsen eines Fahrzeugs oder deren Fahrzeugkombination.
  • Der zweite Maut-Teilsatz wird für die Kosten der verursachten Luftverschmutzung berechnet und richtet sich nach der Emissionsklasse des Fahrzeugs.

Für den zweiten Teilsatz wird jedes Kfz aufgrund seiner Schadstoffklasse einer der sechs Kategorien A, B, C, D, E und F zugeordnet. Für moderne Lastkraftwagen der Schadstoffklasse 6 (Kategorie A) werden keine Teilkosten für das Verursachen von Luftverschmutzung berechnet. Hier fallen lediglich die Gebühren zur Finanzierung der Infrastruktur an.

Derzeit liegen die Kosten zwischen 8 und 21 Cent pro gefahrenem Kilometer. Im Schnitt fallen 14 Cent Lkw-Maut je Kilometer an. Die aktuellen Tarife für die Mautgebühren sind auf der Internetseite von Toll Collect aufgelistet.

Welche Straßen sind von der Maut betroffen?

Das Mautsystem gilt in Deutschland auf Autobahnen einschließlich Tank- und Rastanlagen sowie auf allen Bundesstraßen. Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat alle amtlich mautpflichtigen Straßen aufgelistet.

Wie wird die Maut kontrolliert?

Bisher wird auf mautpflichtigen Bundesstraßen mit der mobilen Kontrolle die Einhaltung der Mautpflicht überprüft. An Bundesstraßen wachen zudem vier Meter hohe, blau-grüne stationäre Kontrolleinrichtungen über die Einhaltung der Mautpflicht. Die Daten dieser rund 600 Stationen werden laut Toll Collect nur dann an die Kontrollzentrale weitergeleitet, wenn der Verdacht besteht, dass die Maut nicht oder nicht korrekt bezahlt wurde.

Maut-Kontrollsäule an einer Bundesstraße.
Blauer Blitzer: Diese Säulen messen nicht etwa die Geschwindigkeit, sondern kontrollieren an Bundesstraßen die Mautpflicht. Foto: Toll Collect

Keine Maut bezahlt – welche Strafe droht?

Für den Fall, dass ein Lkw-Halter seine Maut nicht ordnungsgemäß bezahlt hat, muss er mit zwei Verfahren rechnen: So wird zum einen die nichtentrichtete Maut nachträglich erhoben, zum anderen droht ein Bußgeld. Bei geringfügigen Ordnungswidrigkeiten kann es auch sein, dass anstelle des Bußgeldbescheides nur eine Verwarnung fällig wird. Diese kostet bis zu 40 Euro, die Bußgelder hingegen 120 bis 480 Euro.

Wie melden sich Lkw-Besitzer für die Maut an?

Für Lkw-Halter gibt es drei Möglichkeiten, sich für die Maut anzumelden:

1. Automatisches Einbuchen via On-Board-Unit

Mit einer On-Board-Unit, also einer elektronischen, meist computerbasierten Fahrzeugeinrichtung, muss der Fahrer des Lkws nicht selbst einbuchen. Er braucht lediglich die Angaben zu Achszahl, Gewicht und Schadstoffklasse zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen.

Der jeweilige Betrieb muss hierfür bei Toll Collect registriert sein. Im dortigen Kundenbereich können dann die einzelnen Fahrzeuge angemeldet und die entsprechenden Fahrzeugdaten erfasst werden. Zwar zahlt Toll Collect die Kosten für das Gerät, der Einbau in einer Werkstatt muss jedoch von den Haltern selbst übernehmen. Etwa 300 bis 400 Euro kostet der Einbau, die Einbauzeit beträgt dabei ca. vier Stunden.

Bei Neufahrzeugen kann diese Zeitspanne kürzer ausfallen. Nämlich dann, wenn der Wegen bereits am Werk mit einer Antenne und einem entsprechenden Kabelsatz für den Einbau der On-Board-Unit ausgerüstet ist.

2. Manuelles Einbuchen online oder via App

Halter von Lkw haben auch die Möglichkeit, sich über Computer sowie über mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets für die Maut einzubuchen. Im Gegensatz zum automatischen Einbuchen müssen die Unternehmen hierbei nicht bei Toll Collect registriert sein. Hierzu genügt es, die geplante Fahrstrecke bis zu 24 Stunden im Voraus online auf der Webseite von Toll Collect einzubuchen und bei Bedarf zu stornieren.

3. Einbuchen an Raststätten und Tankstellen via Maut-Terminals

Für jene Betriebe, die mit ihren Lkw nur selten auf mautpflichtigen Strecken unterwegs sind, können die Maut-Einbuchungen auch ganz einfach an Maut-Terminals vorgenommen werden. Diese stehen in der Nähe von Anschlussstellen, beispielsweise auf Autohöfen, Rastplätzen oder an Tankstellen. Eine Übersicht zu den Standorten für Mautstellen-Terminals gibt es bei Toll Collect.

Fazit: Vorsicht vor der Maut-Falle

Klar, die meisten Spediteure kennen die Mautgesetze sowieso ganz genau. Aber Handwerker, die nicht regelmäßig mit ihren Lkw auf Autobahnen oder Bundesstraßen unterwegs sind, können von der Mautpflicht böse überrascht werden. Informieren Sie sich deshalb vor Fahrtantritt über die Bestimmungen – alle wichtigen Informationen und Links finden Sie in diesem Artikel.

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