Elektromobilität

Lithium-Vorkommen: England will alte Minen wieder öffnen

von Carola Franzke

Ein Minenschacht in Cornwall ist mit einem Stahlgitter abgedeckt.
Wieder attraktiv: alter Minenschacht in Cornwall, England. Foto: Shutterstock / Paul J Martin

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum das Elektroauto lange geschlossene Minen wieder attraktiv macht
  • Wie wichtig Lithium für E-Autos und Smartphone ist
  • Wie sich die Preise für Lithium entwickelt haben

Hat Bergbau wieder eine Zukunft? In den stillgelegten Minen von Cornwall und Devon lagert der wichtigste Rohstoff für den Bau von Elektroautos.

Alte Minen mit Lithium-Vorkommen

Die Zinnminen in den Bergbaugebieten von Cornwall und Devon schienen Relikte aus einer vergangenen Zeit: Ende der 1990er-Jahre wurden sie geschlossen, als weltweit die Metallpreise und die Nachfrage ins Bodenlose fielen. Doch jetzt überlegen die Engländer, die alten Minen wieder zu öffnen. In den alten Schächten wurden Metalle nachgewiesen, deren Abbau sich heute lohnen würde: Immer noch Zinn, aber daneben Wolfram, Kupfer und Lithium-Vorkommen.

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Der Trend zur Elektromobilität ist es, was die Minen besonders attraktiv macht. Die britische Regierung hat ein Budget von über 1,3 Millionen Euro bereit gestellt, um Bodenproben zu analysieren und die früheren Bergbaugebiete neu zu bewerten.

Erste Unternehmen sind bereits aktiv: In Devon wird Wolfram und Zinn abgebaut, in Cornwall ist mindestens eine weitere Mine kurz vor der Öffnung.

Unverzichtbar für den Akku im Elektroauto

Lithium ist nicht nur unverzichtbar für Akkus in Elektroautos, sondern auch für Smartphones, Laptops oder Geräte wie schnurlose Staubsauger. Laut dem Portal Scienceblogs enthält der Akku eines Elektroautos pro 1 kWh Kapazität rund 150 Gramm Lithium. Bei einem Tesla Model S 100D mit einer 100-kWh-Batterie wären das also 15 Kilogramm Lithium.

Die meisten dieser Akkus werden allerdings in Fernost gefertigt, so dass die wiederentdeckten Vorkommen in Großbritannien vor allem für die Produktion von Akkus für Elektroautos „Made in Britain“ interessant sind. In Großbritannien produzieren unter anderem Jaguar Land Rover, Nissan, Peugeot und Toyota.

Die britische Regierung will mit den großzügigen Fördermitteln wohl auch die mutmaßlichen Folgen des Brexits abmildern, denn der Ausstieg aus der Euro-Handelszone wird am britischen Außenhandel und der Wirtschaft nicht spurlos vorübergehen.

Es ist, als wären wir auf die Füße gefallen. Was wir in unserem eigenen Garten haben, ist bemerkenswert.

Der britische Bergbau-Spezialist Darry Qualye gegenüber der Agentur "Reuters"

Da kommt ein emotionales Thema wie die Wiederbelebung des Bergbaus zur richtigen Zeit: Das traditionsreiche Gewerbe ist tief mit der britischen Gesellschaft verbunden und weckt bei vielen Briten ähnliche „Wir“-Gefühle wie ein Fußball-Match gegen Deutschland.

Metalle lukrativer als Gold schürfen

Das Rückbesinnen auf eigene Ressourcen soll außerdem die Abhängigkeit von teuren Importen verhindern: Seit die letzte britische Zinnmine 1998 geschlossen wurde, hat sich die Nachfrage um 75 Prozent gesteigert, und die Preise haben sich vervierfacht.

Die Preisentwicklung bei den anderen Metallen sieht ähnlich aus – Kupfer kostet mehr als dreimal so viel wie 1998, Wolfram hat sich in den letzten zehn Jahren im Preis verdoppelt, Lithium hat seinen Wert seit 2004 mehr als verdreifacht.

Die Renditen bei den sogenannten Industriemetallen und Lithium sind so gut, dass der Abbau lukrativer ist als Goldschürfen: Klondike goes Cornwall.

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