Leben

Lebenssinn: So führt Sie Ihr innerer Kompass glücklich durch 2019

von
Dr. Kai Kaufmann

Unser innerer Kompass ist mehr als ein Bauchgefühl, wissen Psychologen und Neurobiologen. Wie wir unseren Lebenssinn finden und Potenziale entfalten.

Eine Frau steht auf einem Berg und streckt lächelnd die Arme aus.
Forscher haben herausgefunden: Lebenssinn ist ein wichtiger Faktor für die Gesundheit. Foto: Shutterstock / everst

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie unser innerer Kompass mehr Lebenssinn schaffen kann
  • Welche Werte aus Sicht von Neurobiologen besonders wichtig sind
  • Was die Säulen unserer Identität und Zufriedenheit sind

Wollen wir auf dem besten Weg von A nach B kommen, nutzen wir wie selbstverständlich das elektronische Navi des Autos oder Smartphones. Man will ja keine Zeit verlieren, nichts verpassen oder gar komplett die falsche Richtung einschlagen.

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So wichtig uns die Orientierung unterwegs in der eigenen Stadt oder auf Reisen ist: Durch das eigene Leben gehen wir oft ziemlich orientierungslos. Manchmal jahrelang. Dabei entwickelt jeder Mensch im Laufe seines Lebens ein inneres Navigationssystem mit persönlichen Werten und anderen Koordinaten.

Salutogenese: Lebenssinn stärkt die Gesundheit

Dieser persönliche Kompass bietet Menschen Orientierung in einer immer komplexeren und temporeicheren Welt. Er entscheidet wesentlich darüber, wie wir Krisen meistern, ob wir gute oder schlechte Entscheidungen treffen und innere Potenziale entfalten. Er entscheidet sogar, ob wir unser Leben als "gelingend" beschreiben und einen Lebenssinn finden können.

Dass Lebenssinn kein Luxus oder "nice-to-have" ist, erkannte schon Mitte des letzten Jahrhunderts Anton Antonovsky, ein Pionier der sogenannten Salutogenese. In diesem wissenschaftlichen Feld wird erforscht, wie Gesundheit entsteht. Ein "Gefühl von Sinnhaftigkeit" im Leben ist aus Sicht des Medizin-Soziologen sogar der wichtigste Faktor für seelische und auch körperliche Gesundheit.

Eine junge Frau mit Brille schreibt in ein Notizbuch und schaut dabei aus dem Fenster.
Erst Rückblick, dann Neustart: Gerade der Jahreswechsel ist eine gute Gelegenheit, das eigene Wertesystem zu überprüfen. Foto: Shutterstock / nelen

Die fünf Dimensionen von Lebenssinn

Was macht unseren inneren Kompass aus? Wie entstehen Sinn und Zufriedenheit im Leben? Was hat wirklich Wert? Die Psychologin Dr. Tatjana Schnell leitet an der Universität Innsbruck die Arbeitsgruppe Empirische Sinnforschung, um Antworten auf diese Fragen zu finden.

Es ist wichtig, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Sonst ist es so, als hätten wir gar keine Sinnquellen.

Prof. Tatjana Schnell, Universität Innsbruck

Schnells Modell der fünf Sinndimensionen und dazugehörigen Lebensbedeutungen gilt als zentrales Instrument, um Sinn und Zufriedenheit im eigenen Leben zu messen.

  1. Orientierung an einem jenseitigen größeren Ganzen: Religiosität, Spiritualität
  2. Orientierung an einem diesseitigen größeren Ganzen: Soziales Engagement, Fitness, Erschaffung bleibender Werte
  3. Wir-Gefühl: Freunde, Liebe, Familie, Fürsorge, Harmonie
  4. Selbstverwirklichung: Bewältigung von Herausforderungen, eigene Potenziale entfalten, gestalten, Ziele erreichen, Freiheit, Fähigkeiten entwickeln
  5. Ordnung: Tradition, Bodenständigkeit, Moral, persönliche Werte

In Ihren Vorträgen sagt Prof. Tatjana Schnell: „Die Ergebnisse unserer Studien zeigen, dass, wenn man sich nur in einem Bereich involviert, das Sinn-Erleben genauso gering ist, als ob man überhaupt keine Sinnquellen hat. Wichtig ist, dass man sich in verschiedenen dieser Dimensionen einbringt.“

Die richtigen Werte im Leben

Ein typisches Beispiel, wie es nicht funktioniert mit der Entwicklung von Sinn im Leben, ist das Diktat der Selbstverwirklichung im Job. Wer hier nach Einfluss oder gar Macht, Kreativität und Erfolg strebt, aber die anderen Bereiche aus dem Blick verliert, wird in der Entwicklung eines Gefühls von Sinn im Leben erfolglos bleiben.

Ein Mann springt über einen großen Graben, ein anderer Mann auf der anderen Seite streckt ihm die Hand entgegen.
Zusammen große Sprünge machen: Das "Wir-Gefühl" ist ein wichtiger Bestandteil von Lebenssinn. Foto: Shutterstock / Vitalii Vitleo

Ein weiterer häufiger Kollateralschaden der modernen beruflichen Selbstverwirklichung ist aus Sicht von Dr. Schnell ein fehlendes „Wir-Gefühl“. Doch gerade in den sozialen Werten liegt ein besonders mächtiges Potenzial für Sinnstiftung.

Next Steps für mehr Lebenssinn und Zufriedenheit

Stellen Sie sich die folgenden Fragen, um künftig Ihrem inneren Kompass besser folgen zu können. Es kann ihnen helfen, eigene Werte deutlicher zu erkennen. Wenn Sie dieser inneren Stimme von Werten, Bedeutungen und Sinnstiftern folgen, werden Sie ein stärkeres Gefühl von Sinn entwickeln.

  • Was ist mir am wichtigsten in den fünf Sinndimensionen und ihren Lebensbedeutungen?
  • Wie sehr kann ich diese Werte im Alltag leben?
  • Zählt in meinem Leben oft genug ein Wir-Gefühl oder ist es überwiegend von Individualismus geleitet?
  • Was wären für mich konkrete Schritte, um diese Säulen von Sinn zu stärken?

Schlüssel für inneren Kompass

Auch die Studien von Hirnforscher Prof. Gerald Hüther zeigen, dass soziale Aspekte besonders wichtig sind für unsere innere Orientierung im Leben. Entscheidend für die Entwicklung eines inneren Kompasses sei ein Gefühl von Würde. Um Würde zu entwickeln, brauchen Menschen ein soziales Feld.

Wer menschliche Würde empfindet, verfügt über einen inneren Kompass

Prof. Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe

„Wir entwickeln sie anhand unserer im Zusammenleben mit anderen gemachten positiven Erfahrungen“, erklärt Prof. Hüther anlässlich der Vorstellung seines Buches „Würde – was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft“ gegenüber dem Magazin „Buchszene“.

Potenziale lassen sich aus Sicht von Prof. Hüther nur entfalten, wenn man sich nicht als Objekt behandelt fühlt. „Solche Personen verfügen über einen inneren Kompass, der ihr Denken und Handeln leitet, und sie passen auf, dass er ihnen nicht abhanden kommt“, so der Experte.

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Menschliche Würde ist im Kernspintomograf sichtbar

Die Menschliche Würde kann man sogar sehen – zumindest im Kernspintomograf: Zeigt man Personen, die eine Würdevorstellung haben, über eine Videobrille Szenen mit würdelosem Verhalten, sind besondere Aktivierungsmuster im Gehirn sichtbar.

Doch genau hier liegt des Pudels Kern. Als Gesellschaft seien wir gerade dabei, unsere Würde zu verlieren, attestiert uns Hüther. Folgt man seiner Analyse, wäre dies eine Erklärung dafür, dass Menschen auch den Zeiger ihres inneren Kompasses immer wieder aus dem Blick verlieren.

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