Leben

Lebensmittel-Lieferung: Der moderne Tante-Emma-Laden fährt vor

von
Marten Zabel

Der Tante-Emma-Laden der Zukunft bringt Lebensmittel vor die Haustür. Dabei müssen Kunden nicht auf das Shopping-Erlebnis und eigene Auswahl verzichten.

Luftaufnahme einer grünen, hügeligen Landschaft, in der ein abgelegener Bauernhof steht.
Unendliche Weiten: In entlegenden Gebieten könnte der Tante-Emma-Laden künftig wieder zu den Menschen kommen. Foto: Shutterstock / marchello74

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie autonome Fahrzeuge den Tante-Emma-Laden wiederbeleben
  • Welche Supermärkte an der fahrerlosen Lieferung ihrer Waren arbeiten
  • Warum solche Konzepte besonders für Menschen in ländlichen Gebieten wichtig sind

Die Auslieferung von Lebensmitteln wird von immer mehr Supermärkten angeboten. Die Kosten sind dabei allerdings ein Problem, das eine weitere Ausbreitung der Dienste derzeit noch verhindert. Außerdem wollen viele Menschen Gemüse und Obst lieber selbst auswählen, als sich auf die Abpackung durch Angestellte zu verlassen.

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Für beide Probleme gibt es technische Lösungen, die Elektromobilität und autonomes Fahren verbinden – und den Tante-Emma-Laden direkt vor die Haustüren der Kunden bringen.

Kroger startet die fahrerlose Lieferung

Für die Lieferungen an Kunden hat der US-Supermarktbetreiber Kroger mit seinen vielen eigenen Ketten und insgesamt rund 2800 Supermärkten kürzlich eine Kooperation mit dem Start-Up Nuro beschlossen. Dieses stellt elektrisch fahrende, autonome Lieferwagen her. Diese haben zwar keinen Platz für Fahrgäste, dafür aber für Warenlieferungen.

Vorteil gegenüber Lieferrobotern, wie sie etwa Pizzadienste aktuell testen: Die Nuro-Fahrzeuge können sich auf der Straße bewegen und sind so groß wie ein Kleinwagen. Touren damit könnten also mehrere Kunden mit bestellten Waren beliefern — und das bei geringen Stromkosten und ohne einen Fahrer.

Die Roboter können derzeit rund 40 Kilometer pro Stunde fahren, was die Entwickler mittelfristig aber auf bis zu 55 Kilometer pro Stunde steigern wollen. Sie bewegen sich abseits von Autobahnen autonom durch die Straßen und würden per App vom Kunden geöffnet werden, wenn sie vor deren Haus halten.

Zur Beladung der Fahrzeuge soll ebenfalls autonome Technik zum Einsatz kommen: Im März hatte Kroger mit einer Investition in das britische Unternehmen Ocado Zugang zu deren automatisierte Lagerinfrastruktur-Technologie bekommen. In den kommenden drei Jahren sollen 20 vollautomatische Logistikzentren entstehen. Die ersten fahrerlosen Lieferungen sollen noch 2018 stattfinden.

Autonome Tante-Emma-Läden rollen herbei

Einen Schritt weiter geht die Entwicklung bei Robomart: Das Startup arbeitet an einem selbstfahrenden Auto, dessen Inneres quasi komplett Lebensmitteltheke ist. So kommt das Geschäft zum Kunden, dieser kann aber gleichzeitig trotzdem Waren begutachten, sich eine besonders saftige Tomate aussuchen oder auf die Idee kommen, vielleicht doch mit diesen leckeren Süßkartoffeln zu kochen.

Das System, das Robomarts Machern vorschwebt, soll den rollenden Supermarkt auf Anfrage vor das Haus der Kundschaft bringen: Diese rufen per App den nächsten Robomart zu sich und können dann einkaufen und ebenfalls per App bezahlen. Wie bei Amazon Go braucht dieser Markt also keine Kasse. Zum Auffüllen der Waren und zum kabellosen Laden des Fahrzeugs kehrt der Robomart zwischendurch in ein Depot zurück, während andere Fahrzeuge sein Areal abdecken.

Mobile Geschäfte sparen Miete

In Shanghai will Wheelys ebenfalls autonom fahrende mobile Supermärkte etablieren. Im Gegensatz zu Robomart sind diese allerdings groß wie ein Bus und somit für die Kunden begehbar. Das ist bei schlechtem Wetter ein Vorteil und erlaubt zudem eine größere Auslage an Waren.

Ein großer Motivator ist in diesem Fall, dass die Mieten in teuren Ballungszentren für Ladengeschäfte einen erheblichen Teil der laufenden Kosten ausmachen. Dieses Problem wäre gelöst, wenn lediglich ein Parkplatz vonnöten ist, um den Verkauf zu betreiben.

Die größten Kosten für ein Geschäft sind die Miete in der Innenstadt – sie sind sehr hoch. Und das Personal ist auch sehr teuer. Wir lassen beides weg.

Wheelys Mitgründer Tomas Mazetti

Wheelys plant nicht nur den Warenverkauf aus der Auslage, sondern auch die Auslieferung von Sonderwünschen, die sich Kunden im Supermarktfahrzeug am nächsten Tag abholen oder davon am Ende der Tour vor die Haustür liefern lassen können. Ebenfalls geplant ist eine in das Dach des Fahrzeugs integrierte Drohnenstation, die im kleineren Umkreis Warenlieferungen übernehmen könnte.

Die Rückkehr der Geschäfte

Weltweit ist der Lebensmittelhandel laut Schätzungen ein Geschäftsfeld mit einem Umsatz von knapp einer Billionen Dollar. Nur rund fünf Prozent davon laufen derzeit online ab.

Das liegt neben den Kosten für Lieferungen auch daran, dass Kunden die Ware sehen und anfassen wollen, bevor sie diese kaufen. Außerdem inspiriert der klassische Supermarkt noch immer zu Käufen, die ein Kunde eigentlich gar nicht vorhatte.

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Bereits jetzt gibt es einzelne Unternehmer, die mit rollenden Lebensmittelläden in Gebiete fahren, die vom Einzelhandel längst aufgegeben wurden. Die Ausdünnung von Geschäften ist vor allem im ländlichen Raum ein echtes Problem für all diejenigen, die nicht mehr weite Strecken Auto fahren können oder wollen.

Mit einer zunehmenden Elektrifizierung und der Einsparung menschlicher Fahrer wird dieser Bereich nach und nach günstiger werden. Dann könnte künftig mit etwas Glück jeder Hof zeitweise Besuch durch einen Supermarkt erhalten – und das ohne zusätzliche Kosten.

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