Elektromobilität

Ladestationen für Elektroautos: Shell eröffnet erste Schnelllader

von Paul Bandelin

Ölkonzerne arbeiten an einer Verbreitung von Ladestationen für Elektroautos. An ersten Tankstellen von Shell klappt das Laden mit bis zu 350 kW.

An einer Straße stehen Elektroautos verschiedener Hersteller und laden an zwei Ladesäulen.
Moderne Zapfstationen: Mineralölkonzerne treiben die Ladeinfrastruktur mit voran. Foto: Shutterstock / Scharfsinn

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum BP seine Tankstellen mit Ladestationen für Elektroautos ausrüstet
  • Was Shell ein Deal mit dem Ladestations-Joint-Venture Ionity bringt
  • Wieso es schlau ist, dass sich die Ölkonzerne für die Elektromobilität öffnen

Mit dem Ausbau des Elektroauto-Angebots der Automobilhersteller wächst der Druck auf große Mineralölkonzerne. Steigen sie nicht ins Geschäft mit elektrischer Energie ein, verpassen sie vielleicht den Anschluss. Ein junger und wachsender Markt wäre später wohl nur noch schwer erreichbar.

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Deshalb legen die Unternehmen schon jetzt den Grundstein für ein breites Angebot an Ladestationen für Elektroautos. Dazu gehören Total, BP und Shell – die durch Kooperationen und Übernahmen das Thema Elektromobilität vorantreiben.

Shell baut mit Ionity Ladeinfrastruktur auf

Der weltweit größte Mineralöl- und Erdgas-Konzern Shell ist in den Poker um die Ladestationen eingestiegen. Ende 2017 hat er eine Zusammenarbeit mit dem Joint Venture Ionity und der damit verbundene Aufbau einer Ladeinfrastruktur bekannt gegeben. Shell und Ionity handelten aus, dass an 80 der größten Autobahntankstellen in zehn europäischen Ländern Ladestationen realisiert werden.

Ein weiterer Schritt von Shell in Richtung Elektromobilität war die Übernahme der niederländischen Firma NewMotion Ende 2017. Damit betreibt der Konzern eines der größten bestehenden Ladenetze in Europa.

Erste Highspeed-Ladesäulen von Shell stehen

Die ersten Schnellladestationen der Kooperation zwischen Shell und Ionity ging kürzlich an Autobahntankstellen außerhalb der französischen Hauptstadt Paris und bei Hohenems in Österreich ans Netz. Die Ladesäulen versorgen Fahrzeuge mit satten 350 kW Strom. In nur fünf Minuten soll so frische Energie für 150 Kilometer Reichweite ins Elektroauto gelangen. Eine vollständige Aufladung ist so für viele aktuelle Modelle in nur zehn Minuten möglich.

Ein bequemes Netz günstig gelegener, zuverlässiger und leistungsstarker Ladepunkte zu errichten, ist entscheidend für die zügige weitere Verbreitung der E-Mobilität.

David Bunch, Chef des Shell Tankstellengeschäfts in Europa

Wie schnell das ist, zeigt ein Vergleich zu den in Deutschland am weitesten verbreiteten Ladesäulen. Die laden Fahrzeuge mit maximal 22 kW, wodurch eine vollständige Aufladung mehr als zwei Stunden dauert. Die Schnelllader von Ionity sind sogar schneller als die Supercharger von Tesla (135 kW).

Einen Haken hat die Sache dennoch: Der praktische Nutzen ist für einen sehr großen Teil der Autofahrer bisher noch nicht gegeben. Grund dafür ist die maximale Ladeleistung der Fahrzeuge. Kaum ein Auto ist aktuell in der Lage, so viel Energie in kurzer Zeit aufzunehmen. In der Praxis dauern die Ladevorgänge wohl also auch an den neuen Säulen etwas länger.

Total: Per Übernahme zur elektrischen Infrastruktur

Das französische Mineralölunternehmen Total bemüht sich bereits seit einiger Zeit um ein erweitertes Angebot an Alternativen zu Diesel und Benzin. Durch den Einstieg bei Pitpoint im Jahr 2017 schöpft das Unternehmen etwa aus dem Vertrieb von Autogas Geld.

Kürzlich teilte Total mit, die ebenfalls französische Firma G2Mobility übernommen zu haben. Damit gehören dem Mineralölunternehmen auf einen Schlag rund 10.000 Ladestationen. Zuvor ermöglichte Total seinen Kunden durch eine Partnerschaft mit NewMotion bereits Zugang zu 50.000 Ladestationen in 25 europäischen Ländern.

Zur Weiterentwicklung des Stromtankstellen-Netzes kooperiert Total zudem mit dem Kabelhersteller Nexans. Die Unternehmenstochter “Saft” kümmert sich hingegen um die Erforschung neuer Batterietechnik für Elektrofahrzeuge. Die Franzosen stecken also viel Geld und Zeit in das Thema Elektromobilität.

BP: Mehr Ladestationen für Elektroautos

Das Ziel von BP ist es, an seinen rund 1200 Tankstellen im Königreich schnelleres Laden für Elektrofahrzeuge anzubieten beziehungsweise sie erst einmal überhaupt mit Ladestationen auszustatten. Darüber hinaus will sich der Konzern laut Geschäftsführer Tufan Erginbilgic als „führender Anbieter von Energie für Niedrig-Emissions-Fahrzeuge auf der Straße oder zu Hause positionieren.“

Dass es die Briten mit Hauptsitz in London durchaus ernst meinen, zeigt eine Investition Mitte des Jahres 2018: BP verkündete, das israelische Startup Dotstore mit rund 20 Millionen US-Dollar subventionieren zu wollen. Auch die Daimler AG und Samsung haben bereits Kapital in die Israelis investiert.

Wir bei BP glauben, dass schnelles und bequemes Laden entscheidend für die erfolgreiche Einführung von Elektrofahrzeugen ist.

Tufan Erginbilgic, Geschäftsführer von BP Downstream

Deren Alleinstellungsmerkmal ist die Entwicklung einer Lithium-Ionen-Akkutechnik mit chemisch synthetisierten organischen Molekülen nicht-biologischen Ursprungs. Diese ermöglicht eine hohe Energiedichte sowie eine schnelle Aufladung. Laut den Machern ist gar eine vollständige Ladung in fünf Minuten bei einer Reichweite von 480 Kilometern möglich.

Wie lange reichen die Ölreserven?

Mit einem jährlichen Gesamtumsatz von kumulierten 500 Milliarden US-Dollar gehören BP und Shell zweifellos zu den Global Playern der Mineralölindustrie. Was sie aber in erneuerbare Energien investieren, ist vergleichsweise bescheiden.

Updates

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Derzeit steht noch nicht unbestritten fest, wann das aktuelle Ölzeitalter endet und das neue Energiezeitalter wirklich beginnt. Jede unüberlegte Entscheidung könnte enorme Verluste nach sich ziehen und die Marktmacht aufs Spiel setzen.

Selbst die Schätzungen der größten Experten gehen dabei weit auseinander. Während es von der einen Seite heißt, dass die Ölreserven bereits Mitte der 2020er-Jahre zur Neige gehen, meinen andere Forscher, dass es erst Mitte des Jahrhunderts so weit ist. Auf jeden Fall ist es aber schlau, dass sich die Ölkonzerne frühzeitig darauf vorbereiten – und schon jetzt im Markt der Elektromobilität mitmischen.

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