Elektromobilität

Ladestationen für Elektroautos: Gibt es genug Stromtankstellen?

von Alexander Cohrs

Elektroauto schön und gut. Aber wo kann ich es laden? Wir sagen, wie viele Ladestationen es in welchem Bundesland gibt – und ob das wirklich ausreicht.

Ein Parkplatz ist mit einem gelben Symbol auf dem Boden für Elektroautos reserviert.
Genug freie Ladesäulen: Ein Bericht der Bundesregierung verrät, wie viele Ladestationen für Elektroautos es in Deutschland gibt. Wir haben die Zahlen ins Verhältnis gesetzt und erkannt: Ganz schön viele! Foto: picture alliance/KEYSTONE

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie viele Einwohner in Deutschland auf eine Ladestation kommen
  • Wie viele Elektroautos sich eine Ladesäule teilen
  • Welche Steckertypen am meisten verbreitet sind

Ladeinfrastruktur in deutschen Städten

Deutschland ist nicht nur immer noch weit davon entfernt, bis 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen zu haben. Um die Elektromobilitäthierzulande entscheidend voranzubringen, bedarf es eben auch einer entsprechenden Ladeinfrastruktur. Dafür hatte die Bundesregierung im März 2017 eine Förderungssumme von 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Bei einem ungefähren Preis von 30.000 Euro für eine Ladestation ließen sich so bis zu 10.000 davon aufstellen.

Um die Stromversorgung von einer Millionen Elektrofahrzeuge durch ein flächendeckendes E-Tankstellennetz gewährleisten zu können, seien mindestens 70.000 Normalladepunkte und 7000 Schnellladepunkte nötig, rechnete der Bundesverband Freier Tankstellen (bft) in einer aktualisierten Studie aus.

Die im April 2018 veröffentlichte Übersicht veranschaulicht, dass Deutschland im direkten Vergleich mit anderen europäischen Ländern beim Netzausbau von Lademöglichkeiten weiterhin hinterher hinkt. Während sich hier im Durchschnitt 11.800 Menschen eine Elektroauto-Ladestation teilen, sind es in Amsterdam 650 und in Oslo sogar nur 488 Einwohner.

Die Statistik zeigt, wie viele Einwohner auf eine Ladesäule kommen. Auf Platz 1 liegt Stuttgart mit 2.694 Einwohner pro Ladesäule.
Mit weitem Abstand bietet Stuttgart die höchste Dichte an Ladestationen gemessen an der Einwohnerzahl. Foto: Statista

Das missfällt auch der EU-Kommission. Anfang Juni rügte sie den vergleichsweise langsamen Ausbau alternativer Kraftstoffinfrastrukturen in Deutschland. "Die Mitgliedstaaten hätten diese Richtlinie bis spätestens 18. November 2016 umsetzen müssen", so die Begründung aus Brüssel. Nun haben neben Deutschland auch Luxemburg und Belgien zwei Monate Zeit, das Versäumnis auszuholen.

Die Richtlinie 2014/94/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 sieht vor, dass Autos mit alternativen Antrieben problemlos in der EU aufgetankt oder aufgeladen werden können.

Wie viele Ladestationen es in Deutschland gibt

"Wenn ich jetzt auf Elektromobilität umsteige – finde ich dann auch immer eine Ladestation für mein Elektroauto?" So oder so ähnlich fragen Freunde und Bekannte, wenn sie darüber nachdenken, ein Elektrofahrzeug zu kaufen. Viele haben nämlich erkannt: Die Reichweite eines Elektroautos hängt nicht allein von der Größe der Batterie ab – sondern mindestens genauso stark von der Verfügbarkeit von E-Auto-Ladestationen.

Gibt es genug Ladestationen in Deutschland? Diese Frage beantwortet jetzt die Bundesregierung – als eine Reaktion auf eine kleine Anfrage der Grünen. Demnach gab es in Deutschland (Stand: April 2018) 10.700 Ladesäulen an 4730 öffentlich zugänglichen Ladestationen. Mit anderen Worten: Jede Stromtankstelle verfügt im Schnitt über zwei Ladesäulen.

Rasanter Wachstum auf internationaler Ebene

Der jährlich erscheinende Global EV Outlook der International Energy Agency (IEA) dient als Seismograf der E-Mobilität. Der Bericht fasst unter anderem die Entwicklung des weltweiten Ladenetzes für Elektroautos zusammen.

So hat sich die Abdeckung öffentlicher Ladepunkte rund um den Globus in den vergangenen zehn Jahren vertausendfacht. Zählte der Global EV Outlook 2007 noch 707 Ladestationen weltweit, waren es 2017 bereits 748.279. Von diesen knapp 750.000 sind etwas mehr als 400.000 normale Ladepunkte, die übrigen können den Akku innerhalb von 20 Minuten Strom im Gegenwert von bis zu 300 Kilometer Reichweite aufladen.

Eine Statistik zum Wachstum des Ladenetzes für Elektroautos. Zu sehen ist die steigende Anzahl öffentlicher Ladepunkte seit 2007.
Die Statistik zeigt, dass sich die Anzahl öffentlicher Ladepunkte weltweit vertausendfacht hat – in nur zehn Jahren. Foto: Statista

Wie viele Elektroautos es pro Ladesäule gibt

Weil aber die reine Zahl der Stromtankstellen wenig aussagt, haben wir von aio sie ins Verhältnis gesetzt. Dazu lohnt sich ein Vergleich mit den Tankstellen für Autos mit Benzin- oder Dieselmotor. Laut ADAC gab es 2017 genau 14.152 Tankstellen.

Nehmen wir an, jede Tankstelle hat durchschnittlich sechs Säulen für Pkw, wären das 84.912 Zapfsäulen. Gleichzeitig gibt es laut Kraftfahrt-Bundesamt aktuell einen Bestand von 45.684.525 (45,7 Millionen) Pkw mit Benzin- oder Dieselmotor. Das heißt: 538 Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor teilen sich jeweils eine Zapfsäule.

Bei Elektroautos steuern 53.861 rein batterie-elektrische Pkw und 44.419 Plug-in-Hybride (also Autos mit Verbrennungsmotor plus Elektromotor, der an der Steckdose geladen werden kann) die 10.700 verfügbaren Ladesäulen an. Zusammen genommen bedeutet das: Hier teilen sich nur 10 Elektrofahrzeuge eine Ladesäule. Das Verhältnis ist also viel besser als bei Benzinern oder Dieseln.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der Stromanbieter Eon. In einer Pressemitteilung von August 2018 heißt es, den knapp 54.000 E-Autos stehen bundesweit 12.000 öffentliche Ladestationen zur Verfügung. Daraus ergibt sich ein Verhältnis von 4,5 Elektroautos pro Ladestation.

Die Nationale Plattform Elektromobilität (heißt ab Herbst "Plattform Zukunft Mobilität") empfiehlt mit Blick auf das Ziel der Bundesregierung 80.000 Ladestationen zu errichten – also 12,5 Elektroautos pro Ladestation.

"Rein rechnerisch betrachtet könnten die bereits installierten Ladestationen also knapp dreimal so viele E-Autos versorgen, wie in Deutschland bereits angemeldet sind", sagt Victoria Ossadnik, Vorsitzende der Geschäftsführung von Eon Energie Deutschland.

Klar ist, dass das Tanken eines Autos sehr viel schneller geht als das Laden eines Elektroautos; Tankstellen haben deshalb eine höhere Kapazität. Aber es zeigt trotzdem: So schlecht ist es um die Lade-Infrastruktur in Deutschland nun auch wieder nicht bestellt.

Nahaufnahme einer Ladestation mit drei verschiedenen Anschlüssen für Elektroautos.
Stecker-Kabinett: Die Bundesregierung hat nicht nur aufgeschlüsselt, wo es die meisten Ladestationen für Elektroautos gibt – sondern auch wie verbreitet welcher Steckertyp ist. Foto: picture alliance / Frank May

Wo die meisten Stromtankstellen stehen

Die Antwort der Bundesregierung zeigt auch, wo es die meisten Ladestationen für Elektroautos gibt und wo die wenigsten. Konkret teilen sich die Ladestationen so auf:

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Öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur in Deutschland

  • Bundesland
  • Ladestationen
  • Bayern
  • 1081
  • Nordrhein-Westfalen
  • 929
  • Baden-Württemberg
  • 754
  • Niedersachsen
  • 467
  • Hessen
  • 420
  • Hamburg
  • 385
  • Berlin
  • 329
  • Rheinland-Pfalz
  • 235
  • Schleswig-Holstein
  • 206
  • Thüringen
  • 187
  • Sachsen
  • 177
  • Sachsen-Anhalt
  • 81
  • Brandenburg
  • 76
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • 61
  • Bremen
  • 37
  • Saarland
  • 8

Quelle: Bundesnetzagentur (Stand: 9. August 2018)

Welche Steckertypen am meisten verbreitet sind

Die Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfragen der Grünen zeigt auch, welche Anschlusstypen bzw. welche Stecker fürs Elektroauto bei den öffentlichen Stromtankstellen am meisten verbreitet sind:

  • AC Typ 2 Steckdose 79,2 Prozent
  • AC Schuko 22,25
  • AC Typ 2 Kupplung 7,88
  • DC Kupplung Combo (CCS) 7,73
  • DC CHAdeMO 6,75
  • CEE (3- und 5-polig) 0,34

Fazit: Gibt es genug Ladestationen in Deutschland? Die Zahlen zeigen: Ja, grundsätzlich schon. Die Antwort der Bundesregierung ergibt aber auch, dass weniger als 14 Prozent davon Schnellladesäulen sind. Hier müssen die Anbieter schnell nachlegen, um die Elektromobilität weiter voran zu bringen und im internationalen Vergleich mitzuhalten, wie die Grafik veranschaulicht.

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