Elektromobilität

Elektroauto-Ladesäulen: So steht es um den Ausbau in Deutschland

von
Alexander Cohrs

Elektroauto schön und gut. Aber wo kann ich es laden? Die Infrastruktur wächst, zum Teil schneller als man denkt.

Ein Parkplatz ist mit einem gelben Symbol auf dem Boden für Elektroautos reserviert.
Genug freie Ladesäulen: Ein Bericht der Bundesregierung verrät, wie viele Ladestationen für Elektroautos es in Deutschland gibt. Wir haben die Zahlen ins Verhältnis gesetzt und erkannt: Ganz schön viele! Foto: picture alliance/KEYSTONE

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie viele Einwohner in Deutschland auf eine Ladestation kommen
  • Wie viele Elektroautos sich eine Ladesäule teilen
  • Welche Steckertypen am meisten verbreitet sind

Deutschland ist nicht nur immer noch weit davon entfernt, bis 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen zu haben. Um die Elektromobilität hierzulande entscheidend voranzubringen, bedarf es eben auch einer entsprechenden Ladeinfrastruktur. Eine Förderung für den Bau soll die ermöglichen.

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Doch in erster Linie sind Drittanbieter gefragt. Unternehmen wie NewMotion, Tesla und Ionity tragen einen entscheidenden Teil zur Verbreitung von E-Ladesäulen bei. Der Ausbau geht dabei schneller, als mancher Nutzer wahrnimmt.

Waydo: Bedarf an Ladesäulen in Deutschland

Einen Blick in die Zukunft wagt das Unternehmen Waydo. Die Tochter des Versorgungsunternehmens EWE zeigt auf ihrer Seite, wie groß der Bedarf an Ladesäulen im kommenden Jahr sein dürfte. Dafür nutzt die Firma laut eigener Aussage einen Algorithmus, der ständig dazulernt. Unternehmer können somit ermitteln, wo und in welchem Umfang sich die Entstehung von neuen Ladepunkten lohnt. Waydo selbst betreibt 1000 davon.

In der Stadt Hamburg rechnet Waydo 2020 etwa mit 921 Ladevorgängen pro Tag. Der Bedarf an Ladepunkten läge damit bei 230 Stück. Aktuell ist die Hansestadt mit 834 Ladepunkten also gut gerüstet. In Berlin soll der Bedarf hingegen bei 267 liegen – bei geschätzten 1069 Ladevorgängen pro Tag. Die Hauptstadt zählt heute schon 779 Ladepunkte.

Ladefoxx: Stromtankstellen zum kleinen Preis

Die Firma Westaflex aus Gütersloh will zur Verbesserung der Ladeinfrastruktur in Deutschland beitragen. Dafür präsentierte das Unternehmen unter der Marke Ladefoxx eine bezahlbare Lösung. Die Ladestation ist kaum mehr als eine graue Box an einer Stange aus Metall. Auch die verbaute Technik beschränkt sich größtenteils auf das Nötigste.

Eine Innovation gibt es bei der Ladefoxx-Box aber doch: ein Countdown-System. Damit lässt sich ein fester Ladezeitraum voreinstellen. Ist der abgelaufen, kommt es zu einer automatischen Freigabe für den nächsten Nutzer. So verhindert das Unternehmen, dass Kunden den Anschluss viel länger als nötig besetzen.

Zum Paket gehört bei den Ladesäulen auch ein Abrechnungssystem. Das lässt sich individuell anpassen. Die Betreiber wählen also Zahlungsarten, Preise, maximale Ladedauer und Freigabeart selbst. Letztere ist etwa per Zeitschaltuhr oder Schlüsselschalter möglich. Hohe Flexibilität und geringe Anschaffungspreise sollen die Ladesäulen besonders attraktiv für mittelständische Unternehmen machen – und so für eine Vielzahl neuer Ladepunkte im ganzen Land sorgen.

Ionity: Neue Ladesäulen für Deutschland – jede Woche

Seit dem Start von Ionity im Jahr 2017 erfolgte in erster Linie der Aufbau der eigenen Firmenstruktur. So zählt das Unternehmen heute bereits 50 Mitarbeiter. Die Zahl der Ladestationen liegt bisher noch weit darunter. Erst 56 Ladeparks mit je bis zu sechs Ladepunkten für Elektroautos stehen in Europa.

Immerhin 46 neue Ladestationen entstehen gerade in Europa, einige davon in Deutschland. Auch das ist noch ein kleiner Teil der angepeilten 400 Stromtankstellen. Doch Ionity-Chef Michael Hajesch bestätigte kürzlich, dass seine Firma jetzt richtig Fahrt aufnimmt. Künftig sollen die Eröffnung von fünf bis sieben neuen Stationen pro Woche erfolgen.

Damit will Ionity sein Netzwerk innerhalb kurzer Zeit stark ausbauen. Der Bedarf für die schnellen Lader mit CCS-Stecker ist gegeben: Tesla gab bekannt, dass das Model 3 mit diesem Anschluss nach Europa kommt. Auch der neue Audi e-tron bezieht Strom über den flotten Standard.

ChargePoint baut europäische Infrastruktur aus

Erst in diesem Jahr startete das Unternehmen ChargePoint aus den USA den Bau von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Europa. Bereits jetzt stehen auf dem gesamten Kontinent 1000 Stationen. Doch das soll nur ein winziger Teil davon sein, was die Firma in den kommenden Jahren plant.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters will ChargePoint die Gesamtzahl seiner Ladestationen von derzeit 60.000 auf satte 2,5 Millionen erhöhen. Interessant dabei ist, dass etwa die Hälfte davon – also rund 1,25 Millionen Ladestationen – in Europa entstehen sollen. Dafür hat das Unternehmen einen guten Grund, denn es erwartet dort eine schnellere Verbreitung von Elektroautos.

In den USA sei die etwa durch den Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag etwas gehemmt. Europa habe hingegen durch drohende Verkaufsverbote für Verbrenner einen zukunftsträchtigen Markt für Elektromobilität zu bieten.

Bundesregierung fördert Ausbau von Stromtankstellen

Die Bundesregierung hatte im März 2017 eine Förderungssumme von 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Bei einem ungefähren Preis von 30.000 Euro für eine Ladestation ließen sich so bis zu 10.000 davon aufstellen.

Um die Stromversorgung von einer Millionen Elektrofahrzeuge durch ein flächendeckendes E-Tankstellennetz gewährleisten zu können, seien mindestens 70.000 Normalladepunkte und 7000 Schnellladepunkte nötig, rechnete der Bundesverband Freier Tankstellen (bft) in einer aktualisierten Studie aus.

Die im April 2018 veröffentlichte Übersicht veranschaulicht, dass Deutschland im direkten Vergleich mit anderen europäischen Ländern beim Netzausbau von Lademöglichkeiten weiterhin hinterher hinkt. Während sich hier im Durchschnitt 11.800 Menschen eine Elektroauto-Ladestation teilen, sind es in Amsterdam 650 und in Oslo sogar nur 488 Einwohner.

Die Statistik zeigt, wie viele Einwohner auf eine Ladesäule kommen. Auf Platz 1 liegt Stuttgart mit 2.694 Einwohner pro Ladesäule.
Mit weitem Abstand bietet Stuttgart die höchste Dichte an Ladestationen gemessen an der Einwohnerzahl. Foto: Statista

Das missfällt auch der EU-Kommission. Anfang Juni 2018 rügte sie den vergleichsweise langsamen Ausbau alternativer Kraftstoffinfrastrukturen in Deutschland. "Die Mitgliedstaaten hätten diese Richtlinie bis spätestens 18. November 2016 umsetzen müssen", so die Begründung aus Brüssel.

Die Richtlinie 2014/94/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 sieht vor, dass Autos mit alternativen Antrieben problemlos in der EU aufgetankt oder aufgeladen werden können.

Wie viele Ladestationen es in Deutschland gibt

"Wenn ich jetzt auf Elektromobilität umsteige – finde ich dann auch immer eine Ladestation für mein Elektroauto?" So oder so ähnlich fragen Freunde und Bekannte, wenn sie darüber nachdenken, ein Elektrofahrzeug zu kaufen. Viele haben nämlich erkannt: Die Reichweite eines Elektroautos hängt nicht allein von der Größe der Batterie ab – sondern mindestens genauso stark von der Verfügbarkeit von E-Auto-Ladestationen.

Ladesäule oder Ladestation sind synonym und meinen beide eine Stromtankstelle. Wie bei normalen Zapfsäulen kann auch eine einzelne Stromtankstelle mehrere Ladepunkte (vergleichbar mit einem einzelnen Zapfventil) bereithalten, meistens zwei.

Gibt es genug Ladestationen in Deutschland? Im September 2018 hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) aktuelle Zahlen vorlegt. Insgesamt zählt der Ladesäulenregister derzeit rund 16.100 öffentliche Ladepunkte verteilt auf 7000 Ladesäulen in Deutschland – Tendenz steigend, denn auch immer mehr Einzelhandelsketten versehen ihre Filialen mit Lademöglichkeiten für E-Autos.

Eine Deutschlandkarte, die öffentlich zugängliche Ladepunkte in den Bundesländern aufzählt.
Über 13.000 öffentliche Ladepunkte gibt es mittlerweile in Deutschland – Tendenz steigend. Foto: bdew

„Die Energiewirtschaft schafft die Infrastruktur für die Verkehrswende: Allein innerhalb der letzten sechs Monate gab es einen Zuwachs von 20 Prozent auf über 16.100 Ladepunkte. In München ist es in der Zeit sogar gelungen, die Anzahl der Ladepunkte um 78% zu steigern. Die meisten Energieversorger sind schon mit Ladesäulen, Dienstleistungen oder sogar ganzheitlichen Mobilitätskonzepten in der Elektromobilität aktiv oder planen den Einstieg. Sie investieren in die Zukunft und leisten einen entscheidenden Beitrag, damit der Umstieg auf klimaschonende Fahrzeuge endlich vorankommt“, so Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Allerdings lässt sich aus der Erhebung des BDEW auch eine Kehrseite ableiten: Denn manchen Ladestationen fänden teilweise nicht einmal drei Ladevorgänge pro Tag statt.

Wo die meisten Stromtankstellen stehen

Der Ladesäulenregister zeigt auch, wo es die meisten Stromtankstellen für Elektroautos gibt und wo die wenigsten. Konkret teilen sich die Ladepunkte so auf:

Öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur in Deutschland

  • Bundesland
  • Ladepunkte
  • Bayern
  • 2715
  • Nordrhein-Westfalen
  • 2345
  • Baden-Württemberg
  • 2205
  • Hessen
  • 1179
  • Niedersachsen
  • 1172
  • Hamburg
  • 785
  • Berlin
  • 743
  • Sachsen
  • 512
  • Rheinland-Pfalz
  • 509
  • Thüringen
  • 398
  • Schleswig-Holstein
  • 368
  • Sachsen-Anhalt
  • 172
  • Brandenburg
  • 124
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • 100
  • Bremen
  • 91
  • Saarland
  • 58

Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (Stand: September 2018)

Rasanter Wachstum auf internationaler Ebene

Der jährlich erscheinende Global EV Outlook der International Energy Agency (IEA) dient als Seismograf der E-Mobilität. Der Bericht fasst unter anderem die Entwicklung des weltweiten Ladenetzes für Elektroautos zusammen.

So hat sich die Abdeckung öffentlicher Ladepunkte rund um den Globus in den vergangenen zehn Jahren vertausendfacht. Zählte der Global EV Outlook 2007 noch 707 Ladestationen weltweit, waren es 2017 bereits 748.279. Von diesen knapp 750.000 sind etwas mehr als 400.000 normale Ladepunkte, die übrigen können den Akku innerhalb von 20 Minuten Strom im Gegenwert von bis zu 300 Kilometer Reichweite aufladen.

Eine Statistik zum Wachstum des Ladenetzes für Elektroautos. Zu sehen ist die steigende Anzahl öffentlicher Ladepunkte seit 2007.
Die Statistik zeigt, dass sich die Anzahl öffentlicher Ladepunkte weltweit vertausendfacht hat – in nur zehn Jahren. Foto: Statista

Wie viele Elektroautos es pro Ladesäule gibt

Weil aber die reine Zahl der Stromtankstellen wenig aussagt, haben wir von aio sie ins Verhältnis gesetzt. Dazu lohnt sich ein Vergleich mit den Tankstellen für Autos mit Benzin- oder Dieselmotor. Laut ADAC gab es 2017 genau 14.152 Tankstellen.

Nehmen wir an, jede Tankstelle hat durchschnittlich sechs Säulen für Pkw, wären das 84.912 Zapfsäulen. Gleichzeitig gibt es laut Kraftfahrt-Bundesamt aktuell einen Bestand von 45.684.525 (45,7 Millionen) Pkw mit Benzin- oder Dieselmotor. Das heißt: 538 Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor teilen sich jeweils eine Zapfsäule.

Klar ist, dass das Tanken eines Autos sehr viel schneller geht als das Laden eines Elektroautos; Tankstellen haben deshalb eine höhere Kapazität. Aber es zeigt trotzdem: So schlecht ist es um die Lade-Infrastruktur in Deutschland nun auch wieder nicht bestellt.

Bei Elektroautos steuern 89.923 rein batterieelektrische Pkw und 75.861 Plug-in-Hybride (also Autos mit Verbrennungsmotor plus Elektromotor, der an der Steckdose geladen werden kann) die 16.100 verfügbaren Ladepunkte an. Zusammen genommen bedeutet das: Nur zehn Elektrofahrzeuge teilen sich einen einzelnen Ladepunkt. Das Verhältnis ist also viel besser als bei Benzinern oder Dieseln.

Selbst wenn man die Gesamtzahl der E-Autos, also 165.784, in Relation zu den 7000 Ladesäulen setzt, sind es im Schnitt immer noch nur 24 E-Autos pro Ladesäule (eine Ladesäule = mehrere Ladepunkte).

Die Plattform Zukunft Mobilität empfiehlt mit Blick auf das Ziel der Bundesregierung 80.000 Ladestationen zu errichten – also 12,5 Elektroautos pro Ladestation bei einer Millionen E-Fahrzeuge.

"Rein rechnerisch betrachtet könnten die bereits installierten Ladestationen also knapp dreimal so viele E-Autos versorgen, wie in Deutschland bereits angemeldet sind", sagt Victoria Ossadnik, Vorsitzende der Geschäftsführung von Eon Energie Deutschland.

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Eine Statistik zum Wachstum des Ladenetzes für Elektroautos. Zu sehen ist die steigende Anzahl öffentlicher Ladepunkte seit 2007.
Die Statistik zeigt, dass sich die Anzahl öffentlicher Ladepunkte weltweit vertausendfacht hat – in nur zehn Jahren. Foto: Statista

Welche Steckertypen am meisten verbreitet sind

Die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfragen der Grünen zeigt auch, welche Anschlusstypen bzw. welche Stecker fürs Elektroauto bei den öffentlichen Stromtankstellen am meisten verbreitet sind:

  • AC Typ 2 Steckdose 79,2 Prozent
  • AC Schuko 22,25
  • AC Typ 2 Kupplung 7,88
  • DC Kupplung Combo (CCS) 7,73
  • DC CHAdeMO 6,75
  • CEE (3- und 5-polig) 0,34

Fazit: Gibt es genug Ladestationen in Deutschland? Die Zahlen zeigen: Ja, grundsätzlich schon. Das Ergebnis des BDEW ergibt aber auch, dass weniger als 14 Prozent davon Schnellladesäulen sind. Hier müssen die Anbieter schnell nachlegen, um die Elektromobilität auf nationaler Ebene weiter voran zu bringen.

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