Elektromobilität

Ladestation für Elektroautos: App und Ladekarte bald überflüssig

von Manuel Berkel

Ein weißes Elektroauto steht mit angeschlossenem Kabel an einer Ladestation
Elektroautos müssen sich an der Ladestation identifizieren. Foto: Shuterstock/Sopotnicki

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Ladestationen Elektroautos jetzt automatisch identifizieren
  • Warum das Anmelden per App oder RFID-Karte entfällt
  • Wieso die Technik so gut zum autonomen Fahren passt

Das Prinzip Plug & Play gibt es nun auch für Ladestationen. Neue Standards machen das Laden von Elektroautos komfortabler – und sparen den Fahrern Zeit.

Die Identifizierung an der Ladestation

Wo steckt bloß die Ladekarte fürs Elektroauto? Und wo auf dem Smartphone ist noch mal die Lade-App? Solches lästiges Suchen und Tippen wird an der Ladestation schon bald überflüssig. Erste Stromtankstellen und Automodelle ermöglichen es, dass sich die Fahrzeuge selbständig an den Stationen identifizieren und den Ladevorgang starten. Jahrelang hatte nur Tesla diese Möglichkeit geboten.

Neu angetrieben

Nachhaltigkeit bei Audi.

Mehr erfahren

Der niederländische Betreiber Fastned will nun in Deutschland an 25 Standorten Schnellladestationen bauen, die über die sogenannte Autocharge-Funktion verfügen. Zur automatischen Authentifizierung nutzen Fastned und der Säulenhersteller ABB die sogenannte MAC-Adresse der Fahrzeuge, womit sich sonst Rechner in Netzwerken identifizieren. Bei E-Autos wird die Kennung über das Ladekabel übertragen. Damit wird die Elektromobilität wieder ein Stück komfortabler.

Plug&Charge vor dem Durchbruch

Vorerst funktioniert das allerdings nur mit CCS-Kabeln, die das Aufladen per Wechsel- und Gleichstrom in einem Stecker bündeln. Andere Anbieter konzentrieren sich deshalb auf den internationaleren Standard Plug&Charge. Basis dafür ist die 2013 veröffentlichte Norm ISO 15118.

Allerdings muss sich Plug&Charge bei Autoherstellern und Ladesäulenbetreibern erst noch durchsetzen. Seit März bietet Daimler mit dem Smart EQ das erste Modell an, dass Ladekommunikation nach der ISO 15118 unterstützt.

Die Funktion Plug&Charge hatten die Stuttgarter zuvor mit dem Ladedienstleister Hubject erprobt, zu dessen Gesellschaftern auch Volkswagen und BMW gehören. Man kann also annehmen, dass auch die anderen großen deutschen Hersteller die automatische Identifizierung bei ihren neuen Modellen schon bald einführen werden.

Bis 2020 wird es in Deutschland eine gute Basisabdeckung mit Ladesäulen geben, die Plug&Charge unterstützen.

Hubject-Geschäftsführer Thomas Daiber

Laut Hubject ist die elektronische Kommunikation via Plug&Charge sicherer als andere Verfahren, weil beispielsweise die Daten verschlüsselt übertragen werden. Das Berliner Unternehmen sucht nun nach Ladesäulenbetreibern, die ihre Ladestationen mit der nötigen Hardware ausstatten, einem sogenannten Green-Phy-Modul.

Erster Projektpartner ist die Firma ebee. Zu den Hubject-Gesellschaftern gehören allerdings auch die Stromriesen Innogy und EnBW, die bereits mehrere hundert Stationen betreiben.

Noch interessanter könnte das automatische Stromtanken in Verbindung mit dem autonomen Fahren und induktivem, also kabellosem Laden werden. Mit Plug&Charge könnten die Passagiere von autonomen E-Autos ihr Fahrzeug dann selbständig in ein Parkhaus fahren und dort laden lassen.

Die Blockchain an der Ladestation

Weitere Zusatzservices will der Zulieferer ZF Friedrichshafen mit seiner Lösung Car eWallet anbieten. Die automatische Identifikation läuft dabei über die Datenbank-Technologie Blockchain.

Die in den Fahrzeugen eingebaute elektronische Geldbörse rechnet nicht nur den Ladestrom ab, sondern kann beispielsweise auch Mautgebühren bezahlen oder Gutschriften für Carsharing entgegennehmen, wenn der Halter sein E-Auto mit anderen Nutzern teilt.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Auch interessant