Technik

Künstliche Intelligenz liest jetzt besser als Menschen

von Marten Zabel

Textverständnis ist eine der großen Hürden für künstliche Intelligenz, um natürliche Gespräche zu führen. Zwei KI-Systeme konnten sich jetzt beweisen.

Künstliche Intelligenz liest jetzt besser als Menschen
Kein Buch mit sieben Siegeln mehr: Künstliche Intelligenz hat den Menschen im KI-Test jetzt zwei Mal beim Lesen geschlagen. Foto: Unsplash/Brandi Redd

Das erfahren Sie gleich:

  • Im Stanford-Test hat künstliche Intelligenz gleich zwei Mal bessere Lesefähigkeiten als Menschen demonstriert
  • Auch ohne direktes Verständnis ist es ein weiterer Sieg für Computer im Wettbewerb Mensch gegen Maschine
  • Der bestandene KI-Test macht Algorithmen fit für neue Aufgabenfelder wie die medizinische Beratung

Künstliche Intelligenz lernt lesen

Künstliche Intelligenz hat in diesem Jahr gleich zwei Mal den Stanford-Lesetest besser abgeschlossen, als es Menschen üblicherweise können. War es im Wettstreit Mensch gegen Maschine bislang so, dass Computer besser rechnen und Menschen besser mit Worten umgehen konnten, scheint die KI mit diesem Test eine weitere Domäne zu erobern.

Die künstliche Intelligenz beider Systeme, die den Test innerhalb von einer Woche bestanden haben, wurden von Privatunternehmen zu ganz unterschiedlichen Zwecken entwickelt: Microsoft arbeitet am maschinellen Textverständnis, um seine Cloud und die damit zusammenhängende Kundenzufriedenheit zu verbessern. Der chinesische Alibaba-Konzern, weltweit nach Amazon die Nummer Zwei im Online-Handel, will lernfähige Maschinen vor allem im Kunden-Support einsetzen. Beide Firmen forschen in diversen Projekten an künstlicher Intelligenz.

Der Wettkampf Mensch gegen Maschine

Wirklich verstehen, was sie lesen, können beide Computersysteme natürlich nicht. Dass sie die Aufgabenstellung dennoch lösen können, ist beeindruckend: Für den Stanford-Test bekommt der Teilnehmer oder die getestete KI eine zufällige Zusammenstellung aus mehreren hundert Wikipedia-Artikeln. Dann müssen rund 100.000 Fragen beantwortet werden. Egal, ob Mensch oder Maschine, der Testteilnehmer muss also natürliche Sprache im Zusammenhang deuten und Informationen daraus abrufen können.

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Ein weiterer KI-Test ist bestanden

Eine Frage wie etwa „Wie entsteht Regen?“ korrekt zu beantworten, war bislang für Maschinen äußerst schwierig. Menschen bestanden den Stanford-Test im Bestfall mit 82,304 Punkten. Die KI von Alibaba hat es auf 82,440 gebracht, und Microsofts Algorithmus kam sogar auf 82,650 Punkte. Es ist das erste Mal, dass eine künstliche Intelligenz diesen Test gegen einen Menschen gewonnen hat. Der Stanford-Lesetest gilt als eine der großen Hürden für Computer, die menschenähnlich wirken sollen. Daneben gibt es noch den Turing-Test, bei dem ein menschlicher Proband per Texteingabe menschliche und maschinelle Gesprächspartner voneinander unterscheiden muss.

Ein Computer kann Handbücher, Fachliteratur und Wikipedia lesen, um sich das für die Antworten auf Nutzerfragen nötige Wissen anzueignen.

Mit der entwickelten KI-Technologie will Alibaba nicht nur den Kundendienst verbessern, sondern auch in ganz neue Felder einsteigen: Museumsführungen könnten künftig zum Beispiel ebenfalls von Computern übernommen werden. Auch die Beantwortung medizinischer Fragen sehen die Entwickler der KI als mögliches Einsatzgebiet. So könnte medizinische Beratung per Internet angeboten werden. Langfristig werden menschliche Eingaben, die eine KI mit Informationen füttern, überflüssig: Ein Computer kann dann Handbücher, Fachliteratur und Wikipedia lesen, um sich das für die Antworten auf Nutzerfragen nötige Wissen anzueignen.

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