Leben

Kostenloser Strom gegen Nutzerdaten: Erste Anbieter erproben das Konzept

von
Marten Zabel

Erste Stromanbieter wollen mit "kostenlosem" Strom zu bestimmten Uhrzeiten experimentieren. Bezahlen sollen die Kunden dafür mit persönlichen Nutzungsdaten.

Ein modernes Haus.
Kostenloser Strom? Einige Anbieter wollen das Konzept Strom gegen Daten bald ausprobieren. Foto: Shutterstock / korisbo

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Energieanbieter "kostenlosen" Strom im Austausch gegen gläserne Verbraucher testen
  • Wie smarte Stromzähler helfen sollen, Werbung auf Kunden zuzuschneiden
  • Wie Smart-Home-Gerätschaften helfen könnten, den Verbrauch zu nivellieren

Einige Energieversorger überlegen, ihren Nutzern zu bestimmten Tageszeiten Strom kostenlos zur Verfügung zu stellen. Ganz gratis gibt es die Energie dabei allerdings selbstverständlich nicht. Die Firmen überlegen, auf die gleiche Art Geld zu verdienen, wie es Google, Facebook und Co. tun: mit den persönlichen Daten der Nutzer, die sich an Werbetreiber verkaufen lassen. Das hat offensichtliche Nachteile. Aber auch Vorteile – besonders in Hinblick auf das Energiemanagement.

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Personalisierte Werbung war und ist das Geschäftsmodell der großen Internetkonzerne. Der Nutzer zahlt kein Geld für einen Dienst wie etwa E-Mail, Social Media oder Suchmaschine, sondern gibt mehr oder weniger wissentlich seine Daten ab. Die Konzerne nutzen diese, um möglichst persönliche und passende Werbung an ihn auszuspielen – in der Hoffnung, dass diese dann zu mehr Umsatz führt, als wenn sie einfach nur an irgendwen gehen würde.

Kostenloser Strom hat seinen Preis

Für die Stromanbieter ließen sich dank smartem Stromzähler und Smart-Home-Gerätschaften noch einmal deutlich mehr und persönlichere Daten sammeln, als es bei den Netzkonzernen der Fall ist.

  • Wer eine energiehungrigere Waschmaschine verwendet, könnte dann schon bald Werbung für ein effizienteres Modell erhalten.
  • Wer gerne den Abend vor dem Fernseher verbringt, ist vielleicht ein gutes Werbeziel für Streaming-Dienste.

Smarte Stromzähler als Werbespione

Lernfähige Algorithmen könnten das noch weiter vertiefen und Zusammenhänge feststellen, die noch deutlich weniger offensichtlich sind.

Das Ganze wäre ein großer Einschnitt in die Privatsphäre des Kunden. Bereits jetzt gibt es Beschwerden und Bedenken wegen der Möglichkeit, Menschen per smartem Stromzähler zu überwachen. Allerdings geben Nutzer von Smart-Home-Geräten schon jetzt freiwillig extrem viel aus ihrem Leben daheim preis.

Im Falle einiger Staubsaugeroboter etwa sogar Informationen zum genauen Aufbau ihrer Wohnung. Die Unternehmen dahinter versprechen zwar Anonymisierung – wie gut das klappt bleibt aber geheim. Und erhobene Daten können immer auch unbefugten Dritten in die Hände fallen.

Smart-Home-Geräte für die Nebenzeit

Neben dem Datenhandel haben Stromversorger mit diesem Modell allerdings noch einen weiteren Vorteil. Sie können den Stromverbrauch indirekt steuern, indem sie die Zeiten mit kostenlosem Strom einschränken. Das würde es ihnen ermöglichen, den Kunden bestimmte Uhrzeiten zu suggerieren, zu denen es sich mehr lohnt, etwa die Waschmaschine oder den Trockner laufen zu lassen.

Dadurch ließen sich diese Stromfresser dann abseits der Spitzenlastzeiten fahren. Denn solange ein großer Teil der Elektrizität im Netz nicht aus Speichern kommt, sondern direkt produziert wird, wird Strom zu den meisten Tageszeiten überproduziert. Vor allem klassische Kraftwerke lassen sich nicht einfach schnell rauf- und runterfahren. Aber auch Solar- oder Windenergie lassen sich nicht planen – und sind eben dann da, wenn sie da sind.

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Erste Energieversorger wollen nun tatsächlich mit Stromtarifen experimentieren, bei denen die Energieversorgung zu bestimmten Uhrzeiten nur mit Nutzerdaten, nicht aber mit Geld bezahlt wird. So etwa der britische Erdgas- und Erdölkonzern Centrica, oder das Joint Venture zwischen Exelon und General Electric.

Das könnte auch Besitzer eines Elektroautos freuen. Dieses lässt sich dann nämlich gratis aufladen – noch einmal ein Vorteil gegenüber dem Benziner. Ob das Konzept aber für die Stromproduzenten lohnt, muss sich ebenso zeigen, wie der Umgang der Endverbraucher mit den eigenen Sorgen in Sachen Privatsphäre.

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