Elektromobilität

Reparaturkosten beim Elektroauto: Bericht aus der Praxis

von Gertrud Teusen

Elektroautos und Verbrenner unterscheiden sich nicht nur bei Preis und Reichweite. Ein Taxiunternehmer berichtet über die Reparatur- und Inspektionskosten.

Ein Auto mit Verbrennungsmotor steht in der Werkstatt über einer Auffangvorrichtung für Betriebsflüssigkeiten
Der Austausch von Betriebsflüssigkeiten beim Verbrenner macht die Inspektion teurer. Foto: Shutterstock / cgdeaw

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sich die Reparaturkosten von Elektroautos und Verbrennern unterscheiden
  • Was bei Inspektionen von Elektroautos gemacht wird
  • Was man sich bei E-Auto sparen kann – und was richtig teuer wird

Der Kaufpreis, die Reichweite, die Infrastruktur – wenn es um den Vergleich zwischen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und Elektroautos geht, stehen zuerst diese drei Faktoren im Mittelpunkt. Seltener betrachtet werden die Betriebskosten – und fast nie die Werkstattkosten.

Der neue Audi e-tron

Der erste rein elektrische SUV von Audi.

Zur Reservierung

Deshalb hat aio recherchiert, wie sich die Reparaturkosten und die Inspektionskosten zwischen Elektroautos und Pkw mit Verbrennungsmotoren unterscheiden. In diesem Fall am Beispiel des Elektroautos Nissan Leaf gegen den Nissan Qashqai als 1,6 dCi – also einem Diesel. Aus der Praxis berichtet hingegen ein Taxiunternehmer aus München.

Taxiunternehmer verrät: So teuer sind Reparaturen wirklich

Auf der Elektromobilitäts-Messe eMove360 gibt es nicht nur neue Technologien zu sehen, sondern auch interessante Vorträge. Einen davon gab Peter Köhl, Chef des Taxicenters Ostbahnhof (TCO) in München. Seine Flotte besteht bereits seit rund fünf Jahren aus Elektroautos und Hybriden. Im Rahmen seiner Rede zog er eine erste Bilanz.

Positive Erfahrungen machte Köhl schon bei den Betriebskosten, die 51 Toyota Prius+ des Unternehmers sparen im Vergleich zu Diesel-Modellen 1,44 Euro pro einhundert Kilometer und Auto. Das Model-S-Taxi sei sogar um die Hälfte günstiger als ein Diesel.

Noch besser schlagen sich die Fahrzeuge bei den Reparaturkosten. Durch die Bremswirkung der Rekuperation seien nach 225.000 gefahrenen Kilometern noch keine neuen Bremsen fällig. Köhl spart somit pro Auto fast 3000 Euro. Nach zusammen 21 Millionen Kilometern fielen außerdem keine Kosten für neue Anlasser, Lichtmaschinen, Getriebe, Injektoren, Keilriemen, AGR-Systeme und vielem mehr an.

Inspektionskosten: Was wann gemacht wird

Ein entscheidender Vorteil des Elektroautos gegenüber dem Pkw mit Verbrennungsmotor ist, dass regelmäßige Inspektionen zwar wichtig, aber weniger aufwändig und dadurch kostengünstiger sind. Denn immer dann, wenn Flüssigkeiten ausgetauscht und Filter gewechselt werden müssen, fallen (zumindest) Materialkosten an. Das lässt die Inspektionskosten steigen.

Der Nissan Leaf beispielsweise sollte ebenso wie der Qashqai einmal im Jahr (oder alle 30.000 km) zur Wartung. Wie beim Verbrenner gibt es dabei kleine und große Inspektionen, die zwischen 100 und 200 Euro kosten.

Im Vergleich dazu kostet die erste bzw. die zweite Inspektion beim Quashqai definitiv mehr: Allein der alle 30.000 Kilometer fällige Motorölwechsel ist bei einem angenommenen Stundensatz von 100 Euro für den Qashqai 1,6 dCi mit 230,35 Euro brutto anzusetzen. Alle 60.000 Kilometer kommen der Austausch des Kraftstofffilters (130,56 Euro brutto) und des Luftfilters (51,15 Euro brutto) hinzu.

Beim Nissan Leaf werden (bei den ersten beiden Wartungen lt. Handbuch) sechs elektroautospezifische Komponenten geprüft.

  • Ladegeräte
  • Ladeanschluss
  • Untersetzungsgetriebe
  • Kühleinheit bzw. Heizfunktion
  • Nutzungsbericht der Fahrzeugbatterie
  • Computerdiagnose

Hier fallen also keine Kosten für Betriebsflüssigkeiten an und damit insgesamt niedrigere Inspektionskosten.

Reparaturkosten durch Abnutzung

Aufwändige Ölwechsel, der Ersatz von Auspuffanlagen und Kupplung sind bei Elektroautos nicht nötig. Auch die Bremsen werden nicht so stark beansprucht und müssen deshalb weniger oft erneuert werden.

Allerdings hat die geringe Nutzung auch einen kleinen Haken: Da die Bremsen von Elektroautos weniger genutzt werden, können sie entsprechend häufiger rosten und müssen auch dann eben ab und an doch ausgetauscht werden.

Die Wartungs- und Reparaturkosten für Elektrofahrzeuge liegen um rund 35 Prozent unter denen eines vergleichbaren Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor.

Institut für Automobilwirtschaft (IFA)

Der neue Leaf verfügt noch dazu über ein e-Pedal, mit dem das Fahrzeug bis zum Stillstand abgebremst werden kann. Nissan erklärt: „Bei entsprechendem Einsatz dieses technischen Features kann von einer weniger starken Abnutzung der Bremsklötze ausgegangen werden.“ Werden die Bremsklötze vorn und hinten erneuert, fallen dafür im Raum München beispielsweise für den Qashqai 1,6 dCi circa 312,02 Euro brutto an.

Der individuelle Fahrstil trägt stark zur Abnutzung davon abhängiger Verschleißteile ab. Ein Beispiel: Bei einem handgeschalteter Qashqai 1,6 dCi können die Reparaturkosten erheblich höher ausfallen als beispielsweise beim neuen Leaf: Für den Austausch der Kupplung sind rund 1778,43 Euro brutto einzuplanen. Bei dem serienmäßig mit CVT-Getriebe ausgestatteten Leaf gibt es dieses Bauteil nicht.

Nahaufnahme er Batterie ohne Ummantelung, an der ein Arbeiter etwas prüft.
Die Batterie verliert beim Elektroauto über die Laufzeit an Leistung. Foto: Shutterstock / Romaset

Kostenkiller: Die Batterie beim Elektroauto

Die Achillesferse des Elektroautos ist die Batterie: Natürlich werden diese immer besser und stärker, aber über ein langes E-Auto-Leben eben auch schwächer. Das zeigte unter anderem ein Langzeittest des ADAC mit dem Nissan Leaf, der über die Jahre merklich an Batterie-Kraft einbüßte und so die Reichweite drosselte.

Wer besonders gut mit der Batterie umgehen möchte, sollte allzu häufige Tiefentladungen vermeiden; optimal ist es, sich hauptsächlich im Ladungsbereich zwischen 20 und 80 Prozent zu bewegen und die Batterie nicht fortlaufend an der Schnellladesäule mit Gleichstrom, sondern vornehmlich über Wechselstrom an der Haushaltssteckdose oder der Wallbox aufzuladen.

„Aber auch die komplette Missachtung dieser Empfehlungen wird nicht zu einem im Alltagsgebrauch dramatischen Leistungsverlust führen“, so Nissan.

Reparaturkosten beim Maderbiss

Maderbisse am Auto können richtig teuer werden, das hängt aber natürlich auch davon ab, woran sich das Tier bedient hat – und das gilt für Elektroauto und Fahrzeug mit Verbrennungsmotor gleichermaßen.

Dennoch gibt es auch hier Unterschiede zwischen Elektroauto und Verbrenner: Im Internet kursieren Kosten für die Reparatur solcher Schäden, die bei Elektroautos etwa dreimal höher sind als bei einem Schaden beim Verbrennungsmotor.

Fazit: Geringere Kosten beim E-Auto

Unser Übersicht zeigt: Bei den Reparaturkosten liegt normalerweise das Elektroauto vorne. Das passt auch zu anderen Untersuchungen zu dem Thema: „Die Wartungs- und Reparaturkosten für Elektrofahrzeuge liegen um rund 35 Prozent unter denen eines vergleichbaren Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor“, lautete das Ergebnis einer Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Im Acht-Jahres-Überblick der Studie errechneten die Forscher, dass ein Benzin- oder Dieselfahrzeug in dieser Zeit mit Wartungs- und Reparaturkosten von rund 3650 Euro zu Buche schlägt, beim Elektroauto sind es rund 2350 Euro.

Klar ist damit auch: Die Ersparnis von 1300 Euro über acht Jahre deckt nicht die höheren Anschaffungskosten eines Elektroautos ab. Bei der Abwägung der Vorteile und der Nachteile eines Elektroautos sollte der geringere Verschleiß aber zumindest berücksichtigt werden.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen