Technik

Diese Konzepte für selbstfahrende Autos sind bereits jetzt in Planung

von
Peter Michaely

Autonome Autos sind noch viele Jahrzehnte von einer möglichen Serienreife entfernt – oder? Diese Konzepte sind bereits in der Entwicklung!

Selbstfahrendes Auto in einem Kreisverkehr in Großbritannien
Die Firma Wayve will selbstfahrende Autos auf die Straßen bringen. Doch das Unternehmen ist damit nicht allein. Bereits jetzt gibt es viele interessante Konzepte Foto: Wayve

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sich die Automobilbranche die Zukunft des autonomen Fahrens vorstellt
  • Welche Konzepte Hersteller für selbstfahrende Autos entwickeln
  • Welche Lebensbereiche das autonome Fahren in Zukunft verändert

Das Lernen ist schwer, das Können leicht, sagt ein Sprichwort. Das gilt auch für Roboterautos. Anders ausgedrückt: Der Weg zum hochautomatisierten Fahren ist noch weit. Das autonome Fahren so sicher wie möglich zu gestalten, ist daher vorrangiges Ziel der Automobilindustrie.

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Technologien für die Fahrzeuge von morgen

Ansätze für neue Technologien zur Beherrschbarkeit der Datenflut in Fahrzeugen gibt es bereits: Unternehmen wie das britische Start-up Wayve setzen beim autonomen Fahren zum Beispiel auf maschinelles Lernen. Auf diese Weise sollen sich autonome Autos das Fahren selbst beibringen.

Noch reagiert die Öffentlichkeit auf solche Vorstöße sensibel, zumal wenn autonome Autos in schwere Unfälle verwickelt sind. Erst im März überrollte ein Roboterauto des amerikanischen Unternehmens Uber im US-Bundesstaat Arizona eine Fußgängerin. Das weltweite Medienecho auf diesen Unfall war gewaltig. Auch Elektroauto-Pionier Tesla war mit seinen Fahrzeugen bereits in tödliche Unfälle verwickelt.

Das autonome Auto als Rückzugsraum

Wenn Roboterautos in ferner Zukunft auf unseren Straßen fahren sollen, stellt sich neben der Sicherheit noch eine andere Frage: Wie können Mitfahrer im autonomen Auto ihre Zeit sinnvoll nutzen? Die Ansätze für die Autos sind vielfältig: Audi hat mit dem Concept-Car Aicon ein Elektroauto vorgestellt, das vollständig autonom fahren kann.

In diesem autonomen Auto können die Passagiere arbeiten oder modernste Kommunikationstechnik zur Unterhaltung nutzen. Selbst Schlafpausen sind möglich. Solche Lösungen gehen weit über selbstfahrende Taxis, wie sie Daimler und Bosch für die nähere Zukunft planen, hinaus.

Audi plant Premium-Sharingpool

Zusätzliche Fahrzeugkonzepte, etwa für den urbanen Verkehr, befinden sich bei Audi bereits in Planung. Ziel ist die Schaffung eines Premium-Sharingpools mit maßgeschneiderten Angeboten für alle Lebenssituationen.

Das Modell: Kunden sollen die Wahl haben, ob sie ihr Fahrzeug nur temporär nutzen, bei Bedarf gegen ein anderes Auto tauschen wollen oder ob sie es dauerhaft erwerben.

Die Technik macht es möglich

Die Ideen der Automobilbranche für die richtige Technik sind demnach vielfältig. Mit seinem Konzeptauto 360c will Volvo in Zukunft sogar Flugzeugen auf der Kurzstrecke Konkurrenz machen.

Auch der 360c verfügt über Elektroantrieb. Dieses Auto soll auf kurzen Distanzen von wenigen hundert Kilometern schneller als ein Flugzeug sein. Rechnet zumindest Volvo vor, indem zum Beispiel der Zeitaufwand für die Anreise zum Flughafen in die Kalkulation fließt.

Die Zeit in diesem autonomen Auto lässt sich ganz unterschiedlich nutzen. Dafür sorgen vier verschiedene Konfigurationen für den Innenraum des Fahrzeugs: zum Schlafen, Arbeiten, Wohnen und zur Unterhaltung.

Das autonome Auto als digitales Erlebnis

Daimler zielt mit der Entwicklung des Forschungsautos F 015 bei autonomen E-Autos in eine ähnliche Richtung. Wie der Aicon von Audi kommuniziert der F 015 mit seinem Umfeld. Das Interieur definiert Daimler als "digitalen Erlebnisraum". Passagiere können über Gesten oder durch Berührung von hochauflösenden Bildschirmen mit dem vernetzten Auto interagieren.

Als Antrieb verfügt das autonome Auto über ein Elektro-Hybridsystem mit Akku und Brennstoffzelle. Der Smart Vision EQ fortwo wiederum ist die Vision eines Carsharing-Fahrzeugs für die Stadt von morgen. Ein Beispiel für die Technik in diesem Modell: Die Seitenfenster sind mit Spezialfolie überzogen, auf der ein Projektor von innen Informationen darstellt. Lenkrad und Pedale sucht man in diesem Auto vergeblich.

Renault EZ-GO: Geteilte Mobilität als Vision

Elektrisch, autonom, vernetzt - und geteilt: Mit diesen vier Schlagworten schickt Renault das Concept Car EZ-GO als Vision für selbstfahrende Autos ins Rennen. Das Credo: Selbstfahrende Autos müssen als Teil urbaner Ökosysteme auch im öffentlichen Nahverkehr funktionieren.

Autonom heißt in diesem Fall zusätzlich, dass Nutzer das City-Shuttle per Smartphone-App zu sich nach Hause oder an einen Ort ihrer Wahl bestellen können. Alternativ steigen sie an festen Stationen in der Innenstadt in das Fahrzeug. Mit dieser Idee stellt sich der französische Hersteller nicht nur als Anbieter von reinen E-Autos wie dem Renault Zoe, sondern auch als Mobilitätsdienstleister beim autonomen Fahren auf.

Neue Entwicklungen in der Automobilbranche

Dass die Automobilbranche bei Entwicklungen für selbstfahrende Autos neue Wege geht, zeigt auch das Beispiel VW. Der 2017 vorgestellte Sedric soll sich als Flotten- und Privatauto gleichermaßen nutzen lassen. Die Studie soll laut VW Brötchen und Besucher holen oder Kinder autonom zur Schule befördern können - kontrolliert per App, Sprachbefehl oder auf Knopfdruck.

Sogar Pflanzen könnten vor der Heckscheibe dieses E-Autos wachsen, um das Raumklima zu verbessern. Das Elektroauto soll autonom nach Level 5 (vollautomatisch ohne Fahrer) fahren.

Selbstfahrende Autos in naher Zukunft?

BMW will bis 2020 insgesamt 185 selbstfahrende Autos auf unseren Straßen testen. Mit im Netzwerk der Branche für diese Autos ohne Fahrer sind der Kameraexperte Mobileye, der Chipkonzern Intel sowie Zulieferer wie Magna, Delphi und Continental. Auch Hersteller wie Fiat-Chrysler sind im Boot. 2021 soll mit dem BMW iNext ein teilautonomes Auto serienreif sein.

2018 hat BMW bereits einen auf vollautonomes Fahren ohne Fahrer nach Level 5 umgerüsteten BMW i3 präsentiert. Die Münchener setzen vor allem auf radargesteuerte Sensoren und lernfähige Software. Die vollelektrische Vorab-Studie Vision iNext gibt bereits einen Ausblick auf das Innenraumkonzept. Gestik- und Sprachsteuerung sind ebenso vorgesehen wie digitale Angebote, welche die Passagiere ganz nach ihren individuellen Bedürfnissen nutzen können.

Tesla ist von der Spitze verdrängt

Der Verbrennungsmotor scheint jedenfalls out zu sein. Die Automobilbranche setzt bei autonomen Fahrzeugen voll auf Elektroautos. Das ist umso interessanter, als Elektroauto-Pioniere wie Tesla-Chef Elon Musk bei der Entwicklung autonomer E-Autos und der dazugehörigen Konzepte mittlerweile hinterherhinken.

So lautet das Ergebnis einer Studie des Marktforschungsunternehmens Navigant Research. Ihr zufolge steht General Motors an der Spitze der Entwicklung, gefolgt von der Google-Tochter Waymo und Daimler mit seinem Kooperationspartner Bosch.

Waymo kooperiert zum Beispiel mit Jaguar. So soll der I-Pace, Jaguars erstes vollelektrisches SUV, für fahrerlose Mobilitätsdienste fit gemacht werden. General Motors plant, schon 2019 Robotertaxis in Betrieb zu nehmen.

Die Automobilindustrie ist im Umbruch

Dass die Automobilbranche die Zukunft des autonomen Fahrens bei reinen Elektroautos sieht, zeichnet sich also ab. Das gilt auch für Nissan: Im Frühjahr testete die Marke in Japan einen Dienst mit Robotertaxis, den die Japaner zusammen mit DeNa, einem Experten für mobile Dienstleistungen, entwickelt haben.

Basis des "Easy Ride" genannten Dienstes ist das Elektroauto Nissan Leaf. Insassen können dank einer App über Text- oder Spracheingabe bestimmen, was sie mit dem Fahrzeug unternehmen wollen, nachdem sie eingestiegen sind. Toyota wiederum plant, 500 Millionen Dollar in Uber zu investieren und damit die gegenseitige Kooperation beim autonomen Fahren weiter zu vertiefen.

Elektroautos für alle Lebenslagen

Neben Toyota und Uber gehören auch Amazon, DiDi (Carsharing-Anbieter), Mazda und Pizza Hut zu den Mitbegründern der Mobilitätsplattform e-palette.

Der Name ist Programm: Ziel ist die Entwicklung eines autonomen Elektroautos, das für Ridesharing-Dienste, aber auch als rollendes Hotelzimmer, Büro, Lieferservice oder Werkstatt genutzt werden kann - eine ganze Palette an Technologien also.

Konzepte von Opel und der Deutschen Bahn

Der Autobauer Opel verfolgt beim Ampera-E nicht nur das Konzept des vollautonomen Fahrens, sondern auch des selbstständigen Stromtankens. Kabelloses, induktives Laden von Elektroautos soll dies möglich machen.

Die Deutsche Bahn sucht im Rahmen des autonomen Fahrens ebenfalls nach passenden Mobilitäts- und Logistikkonzepten für ihre Kunden. Lückenlose Reise- und Transportketten sind das Ziel. So könnten Fahrgäste zum Beispiel von einem Bahnhof zum anderen gebracht werden.

Es muss nicht immer ein Konzern sein

Der Kleinserienhersteller Rinspeed aus der Schweiz hat mit dem Oasis eigene Ideen für die Zukunft der autonomen Elektromobilität präsentiert. Der Oasis soll nicht nur rollendes Büro, sondern vor allem fahrendes Wohnzimmer sein - samt Garten im Auto: Hinter seiner Windschutzscheibe wachsen Pflanzen.

Updates

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Das Münchener Start-up Sono Motors plant, ein Elektroauto zu bauen, das sich dank Solarzellen selbst mit Strom versorgen kann. Das ist auch im Hinblick auf das fahrerlose Auto ein interessanter Ansatz.

Das in Israel entwickelte Falt-Elektroauto City Transformer ist als offene Plattform konzipiert. So kann es fortlaufend mit der jeweils modernsten Batterie- und lernfähigen Kommunikationstechnik, vor allem auch für Flottenbetreiber und Carsharing-Angebote, ausgerüstet werden. Auch hochautomatisiertes Fahren der Stufe 3 soll auf diese Weise möglich sein.

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