Technik

Kobalt in Akkus: Lizenzgebühren steigen erneut stark an

von Rudolf Ruschel

Kobalt ist ein wichtiger Strom- und Wärmeleiter für Lithium-Ionen-Akkus. Doch es ist knapp – und bald wohl noch viel teurer als noch vor wenigen Monaten.

Ansicht einer Kobalt-Mine in Marokko.
Die wichtigsten Abbaugebiete für Kobalt liegen im Kongo und in Sambia. Doch auch in anderen Ländern wie in Marokko gibt es Kobalt-Minen. Foto: Shutterstock / cornfield

Das erfahren Sie gleich:

  • Wieso die aktuelle Kobalt-Knappheit den Elektroauto-Boom ausbremsen könnte
  • Warum Kobalt so wichtig und gleichzeitig so problematisch ist
  • Wie erste Unternehmen an kobaltfreien Akkus arbeiten

Die größte Herausforderung der Elektromobilität ist vielleicht gar nicht das Netz von Ladestationen oder die Reichweite der Elektroautos – sondern die Rohstoffversorgung. Grund dafür könnte das begehrte Metall Kobalt sein – ein leistungsfähiger und aktuell unerlässlicher Bestandteil eines jeden Akkus, der in Smartphones, Laptops und auch in den Batterien von Elektroautos verbaut wird.

Forscher sind deshalb auf der Suche nach Alternativen – oder zumindest Mitteln, um den Bedarf einzudämmen. Das lohnt sich auch wegen steigender Preise.

Höhere Lizenzgebühren für Kobalt

Die Demokratische Republik Kongo hat die Zügel in der Hand, wenn es um die Herstellung von Batteriezellen geht. Der dafür benötigte Rohstoff Kobalt kommt zu großen Teilen aus dem Land. Das will damit natürlich ordentlich Geld verdienen und erhöht deshalb die Lizenzgebühren für das Akku-Gold.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters steigt die Abgabe von bisher 3,5 auf satte zehn Prozent. Gleiches gilt für die Rohstoffe Coltan und Germanium. Der steigende Einkaufspreis für die Akkuhersteller könnte sich auch negativ auf die Verkaufspreise beziehungsweise auf die Batteriemieten von Elektroautos auswirken.

Es ist bereits die zweite Erhöhung der Lizenzgebühren innerhalb weniger Monate. Ein Trend, der vermutlich anhalten wird, besonders verstärkt durch den Boom der Elektromobilität.

Und der hält an: Alleine in Deutschland stieg der Anteil an zugelassenen Elektroautos von 2017 auf 2018 um 58 Prozent. Berücksichtigt man, dass trotz des starken Anstiegs erst 0,12 Prozent aller zugelassener Pkw in Deutschland Elektroautos sind, wird klar, dass noch viel Platz nach oben ist.

Aber es wird auch klar, dass der Boom ein jähes Ende haben könnte. Denn wenn die Preise für Akkus explodieren, steigen die Preise für Elektroautos ebenfalls, wodurch eine breite Akzeptanz für die ohnehin schon teuren Elektroautos in weite Ferne rückt.

Andererseits hat Bloomberg ermittelt, dass Elektroautos trotz des Preisanstieges beim Kobalt insgesamt signifikant günstiger werden könnten – und ab 2025 sogar billiger als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Brauchen Akkus bald deutlich weniger Kobalt?

In der Brust von Dr. Kenan Sahin schlagen zwei Herzen. Eines gehört der Wirtschaft, wie er mit der Gründung des Unternehmens Kenan Systems im Jahr 1982 und dem Verkauf für 1,5 Milliarden US-Dollar 1999 zeigte. Das zweite – und vielleicht größere – Herz gehört der Wissenschaft. Der war er nach seinem Abschluss am Massachusetts Institute of Technology (MIT) immer treu geblieben.

Das gilt bis heute, denn der mittlerweile 77-Jährige beschäftigt sich vornehmlich mit innovativen Technologien. Dazu gehören auch Akkus. Mit seiner zweiten Firma TIAX arbeitet Sahin an besseren Energiespeichern. Die sollen künftig mit weitaus weniger Kobalt auskommen, wie er kürzlich gegenüber dem Magazin Bloomberg bestätigte.

Die Technologie hört auf den Namen GEMX und kann bei zahlreichen Akkus zum Einsatz kommen, die auf Nickel basieren. Damit soll eine Reduktion der Kobaltanteile von rund 20 Prozent auf 4 Prozent möglich sein. Die Batterien will er allerdings nicht von seiner Firma bauen lassen, sondern die Technik an andere Hersteller lizenzieren. Große Konzerne haben wohl bereits Interesse angemeldet, einer sogar die Rechte zur Nutzung von GEMX erworben.

Der Weg in eine kobaltfreie Zukunft

Auch einige Hersteller, darunter Branchengrößen wie Panasonic, konnten den Anteil an Kobalt in Akku-Batterien bereits teilweise reduzieren und arbeiten sogar an technischen Lösungen, die gänzlich ohne Kobalt auskommen.

Die Welt braucht kostengünstigere Materialien, die in die bestehende Fertigungsinfrastruktur einfließen, um mit der wachsenden Nachfrage nach Energiespeichern für Fahrzeuge und Speichernetze Schritt zu halten.

Conamix-CEO Charles Hamilton gegenüber "Bloomberg"

Der Durchbruch könnte vielleicht keinem Branchenprimus, sondern einem Underdog gelingen. Conamix, ein wenig bekanntes, aber vielversprechendes Start-up aus den USA, hat mehrere Millionen Dollar gesammelt, um die Entwicklung kobaltfreier Akkus zu beschleunigen. Die Ansätze des Unternehmens sehen vielversprechend aus. Bleibt zu hoffen, dass sie auch realisierbar sind.

Kobalt, Kongo und Konflikte

In beinahe jedem Elektroauto kommt Kobalt zum Einsatz, und das nicht zu knapp – 12 bis 14 Kilogramm im Durchschnitt. Wegen der großen Nachfrage geht man davon aus, dass sich bis 2026 der Bedarf an Kobalt verdoppeln wird.

Das ist vor allem deshalb problematisch, weil Kobalt hauptsächlich in der politisch instabilen Demokratischen Republik Kongo abgebaut wird, und das unter teilweise widrigsten Bedingungen. Kinderarbeit und hohe Risiken für die Arbeiter in den Minen sind keine Seltenheit.

Deutsche Firmen bemühen sich deshalb um bessere Arbeitsbedingungen in dem Land. Eine erste Mine mit entsprechender Beteiligung soll den Abbau von Kobalt weniger gefährlich gestalten.

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