Leben

Klimawandel: Munich RE will Kohlegeschäft nicht länger versichern

von Rudolf Ruschel

Dem Trend gefolgt: Die Rückversicherung Munich RE ändert ihre Geschäfts- und Anlagestrategie und zieht sich aus dem klimaschädigenden Kohlegeschäft zurück.

Ein Steinkohlekraftwerk mit Kran und Kühlturm im Hintergrund: Die Versicherung Munich RE hat diesen Geschäftszweig abgesägt.
Munich RE ist nicht die einzige Versicherung, die aus dem Kohlegeschäft aussteigt. In der Versicherungsbranche zeichnet sich ein Trend ab. Foto: picture alliance / imageBROKER

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum der Klimawandel Versicherungskonzerne nicht länger kalt lässt
  • Weshalb sich die Munich RE aus dem Kohlegeschäft zurückzieht
  • Wie sich der Divestment-Trend in die richtige Richtung bewegt

Der Klimawandel macht vor niemandem halt, auch nicht vor Versicherungskonzernen. Man könnte sogar sagen, schon gar nicht vor Versicherungskonzernen. Denn selbst einer Branche, der man gerne vorwirft, nur auf Zahlen zu schielen, ist eines nicht entgangen: Der Klimawandel kostet Geld und Leben.

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Hitzewellen, Hurrikans, Überschwemmungen und andere Wetterkapriolen verursachen immer mehr und teurere Schäden. Laut einer Studie von Munich RE war 2017 das zweitteuerste Naturkatastrophenjahr überhaupt mit einer Schadenssumme von 330 Milliarden US-Dollar und die Zeichen auf eine Beruhigung der Lage stehen denkbar schlecht. So fallen die fünf schlimmsten Katastrophenjahre alle in den Zeitraum der vergangenen sechs Jahre.

2017 ist kein Ausreißer. Wir haben eine neue Normalität.

Ernst Rauch, Munich-RE-Experte

Der Klimawandel ist bei den Versicherungen angekommen

Angesichts der schwerwiegenden Folgen des Klimawandels hat der Vorstandschef von Munich RE, Joachim Wenning, Konsequenzen angekündigt. Demnach werde die Versicherung nicht mehr in Aktien oder Anleihen von Unternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle erzielen.

Zudem werden neue Kohlekraft- oder Kohlebergwerke in Industrieländern grundsätzlich nicht mehr versichert. In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung erläutert Wenning sein Vorgehen und knüpft die neue Strategie an das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens.

Wenn es nicht gelinge, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen, müsse mit teuren und gesellschaftlich einschneidenden Folgen gerechnet werden, schreibt er in dem Gastbeitrag und bringt damit das Unternehmen in eine Linie mit anderen Branchengrößen.

Divestment-Bewegung in der ganzen Branche

Munich RE ist nicht die erste Versicherung, die sich aus dem Geschäft mit Kohle zurückzieht. Andere große Konzerne wie die Axa, Zurich, Swiss Re, Hannover Rück und die Allianz haben bereits ähnliche Pläne verkündet.

Grund für diesen Trend sind nicht nur hohe Kosten aufgrund zahlreicher Naturkatastrophen, sondern auch der steigende öffentliche Druck. Vor allem Umweltaktivisten appellieren seit Jahren an die Branche, im Interesse des Klimaschutzes Farbe zu bekennen.

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Auch wenn Umweltverbände den Strategiewechsel als nicht weitreichend genug einschätzen, wird die generelle Entwicklung durchaus positiv gesehen. Immer mehr Versicherer erkennen die Gefahren des Klimawandels und setzen Gegenmaßnahmen.

Ob nun aus reinem Kalkül, aufgrund des öffentlichen Drucks oder aus anderen Gründen – das Resultat bleibt gleich: ein großer Schritt in die richtige Richtung und eine wichtige Signalwirkung an Unternehmen und Politik.

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