Technik

Klimaneutral bis 2045: Kalifornien will seine Umwelt schützen

von
Carola Franzke

Der Umwelt zuliebe: Kalifornien will klimaneutral werden und Strom nur noch aus erneuerbaren Quellen beziehen. Hawaii und New York haben ähnliche Pläne.

Windräder stehen in Reih und Glied in der Steppe Kaliforniens.
Stillgestanden hat Kalifornien beim Thema Umwelt lange genug. Deshalb will Gouverneur Jerry Brown den Bundesstaat bis 2045 klimaneutral ausrichten – auch bei der Energieversorgung. Foto: Unsplash/Jay Dantinne

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie ein neues Gesetz in Kalifornien dafür sorgen soll, dass alle Elektrizität bis 2045 CO2-neutral ist
  • Warum der Gouverneur noch weitergeht und den Bundesstaat komplett klimaneutral ausrichten will
  • Wieso auch Inselstaaten wie Hawaii und Küstenstädte wie New York gegen den Klimawandel ankämpfen

Anfang September 2018 hat Jerry Brown, amtierender Gouverneur von Kalifornien, ein neues Gesetz unterzeichnet, das einen Monat zuvor ratifiziert worden war: Der Bundesstaat an der Westküste der USA will bis 2045 eine hundertprozentige Versorgung mit Elektrizität aus CO2-neutralen Quellen erreichen.

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Doch Brown unterschrieb noch ein weiteres Dokument, nämlich eine Verfügung zur Klimaneutralität. Zielsetzung auch hier: 2045.

Diese Verfügung geht sogar noch einen Schritt weiter als das Gesetz. Sie beinhaltet nämlich, dass genauso viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre entzogen werden muss, wie der Bundesstaat produziert. Die Verfügung bezieht sich also nicht nur auf die Stromgewinnung, sondern auf alle Energieaufwände in Kalifornien und bedeutet für die Zukunft mehr Entkarbonisierung.

Elektrizität aus CO2-neutralen Quellen

Das neue Energiegesetz und die Verfügung zur Klimaneutralität bedeuten sicher in erster Linie, dass der Strom aus CO2-neutralen Quellen kommt. Wind- und Solarenergie sind mit die wichtigsten Quellen, die der Bundesstaat weiter ausbauen wird; aber auch Energie aus Geothermie und Wasserkraft sind Optionen, die in Kalifornien auf der Agenda stehen.

Neben der Energiegewinnung ist auch die Energiespeicherung ein wichtiges Thema, damit der Strom aus erneuerbaren Energien rund um die Uhr verfügbar ist.

Das klare Bekenntnis des kalifornischen Staates dürfte Forschung und Entwicklung in diesen Bereichen weiter ankurbeln: effizientere Energiegewinnung aus CO2-neutralen Quellen, bessere Energiespeicher, Maßnahmen zur Entkarbonisierung – und vor allem energieeffizientere Geräte für Industrie, Privathaushalte und Elektromobilität.

Ein interessanter Teilaspekt des Energiegesetzes ist übrigens das Verbot, Emissionen zu "verschieben": Wenn Kalifornien in einem benachbarten Bundesstaat Strom einkauft, gilt das Gebot der CO2-Neutralität auch für die eingekaufte Leistung.

Klimaneutral und umweltfreundlich mit Null-Emission

Kalifornien ist übrigens nicht allein: Anfang April 2018 hatte der Hawaiianische Gouverneur David Ige ein Gesetz unterzeichnet, mit dem sich die Insel verpflichtet, ebenfalls bis 2045 komplett CO2-neutral zu werden.

Der Klimawandel lässt sich nicht leugnen.

Scott Glenn, Umweltaufsichtsbehörde Hawaii

Der Bundesstaat im Zentralpazifik ist dem Klimawandel durch seine geografischen Gegebenheiten quasi unmittelbar ausgesetzt: Daher unterzeichnete Gouverneur Ige zeitgleich ein Gesetz, das Bauherren dazu verpflichtet, den steigenden Meeresspiegel bei Neubauprojekten zu berücksichtigen.

Eine Solaranlage aus der Luft fotografiert.
Auch Strom aus Sonnenenergie zu gewinnen zählt zu den Maßnahmen, die Kalifornien mit dem neuen Gesetz und der neuen Verfügung anstrebt. Foto: Shutterstock/Fernando Espinosa

Scott Glenn, Umweltaufsichtsbehörde Hawaii: "Wir sitzen beim Klimawandel in der ersten Reihe. Wir sind eine kleine Insel und bekommen die Folgen direkt zu spüren: Unseren Leuten fällt auf, dass der Passatwind weniger wird, wie sich der Regen verändert und dass es heißer wird."

Neben Hawaii und Kalifornien sind auch einige andere US-Bundesstaaten wie beispielsweise New York oder Massachusetts dabei, etwas gegen den Status quo zu unternehmen; sie setzen sich mit ihrem Aktionsplan für mehr Elektromobilität und Energie aus sauberen Quellen ein.

Kämpfer für die Umwelt Kaliforniens

An der Spitze der kalifornischen Initiativen für die Umwelt steht ein gestandener Politiker mit kontroversen Ansichten. Er gilt als Gegner des Vietnamkrieges und Befürworter strengerer Waffengesetze: Jerry Brown ist Mitglied der demokratischen Partei und steht zum zweiten Mal an der Spitze des Bundesstaates.

Er war 1975 bis 1983 zum ersten Mal im Amt und löste 2011 den damaligen Gouverneur Arnold Schwarzenegger ab, der nach zwei Amtsperioden nicht erneut kandidieren durfte.

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Brown hat in seiner zweiten Regierungszeit schon einiges erreicht. Im September 2014 ließ er Plastiktüten verbieten, im Mai 2018 entstand unter seiner Führung ein Gesetzentwurf, der Solarpanels auf Neubauten verpflichtend machen soll.

Zudem hatte er gleich nach seinem Amtsantritt begonnen, den Haushalt des verschuldeten Kaliforniens zu sanieren. Dabei hat Jerry Brown sein Ziel nicht nur erreicht, sondern es sogar geschafft, eine Zustimmung der Bürger zu temporären Steuererhöhungen in einem Volksentscheid zu bekommen. Mit diesem Wissen scheint sein Vorhaben in Sachen Klimaneutralität und Umweltschutz gar nicht so unrealistisch.

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