Leben

Kleiner als ein Kleinwagen: Die neuen Rollermobile

von Peter Michaely

Das Leben in den Ballungsräumen verändert die Mobilität – und bringt plötzlich ganz neue Konzepte hervor. Manche dieser Konzepte haben aber historische Wurzeln: Die Kleinstwagen aus der Wirtschaftswunderzeit erleben eine Neuauflage.

Kleiner als ein Kleinwagen: Die neuen Rollermobile
Platz ist in der kleinsten Lücke: Der Trend zum smarten urbanen Leben macht Kleinwagen wieder attraktiv. Foto: pixabay/aloiswohlfahrt

Das erfahren Sie gleich:

  • Die moderne Mobilität bringt neue Kleinstwagen-Konzepte voran
  • Vorbild sind die sogenannten Rollermobile aus den 1950er Jahren
  • In Japan sparen solche Kleinstwagen schon heute Kfz-Steuer

Schon der VW Käfer war früher Luxus

Mit Mobilitätskonzepten ist es wie mit manchen Modeströmungen: Womöglich nicht alles, aber immerhin vieles war schon mal da. Stichwort Rollermobile: So nannte man hierzulande in der Wirtschaftswunder-Zeit der 1950er- und 1960er-Jahre jene Zwitter aus Motorrad und Auto, die auch die weniger kaufkräftige Kundschaft in Massen mobil machen sollten. Denn ein VW Käfer kostete Mitte der Fünfziger schon in der kargen Standardausführung rund 4000 D-Mark, fast der Gegenwert eines durchschnittlichen Brutto-Jahresgehalts. Deutlich günstiger waren Rollermobile vom Schlage eines Messerschmitt Kabinenroller oder der BMW Isetta. Für die Knutschkugel verlangte BMW nicht nur deutlich weniger als für einen Käfer (1955 genau 2580 D-Mark), ihre Basisversion durfte auch von Inhabern der damaligen Führerscheinklasse IV (Kraftfahrzeuge bis 250 cm3 Hubraum) gefahren werden. Ein Pkw-Führerschein Klasse III war somit nicht erforderlich.

Der neue Audi e-tron

Der erste rein elektrische SUV von Audi.

Zur Reservierung
VW Käfer
Luxusobjekt: Ein VW Käfer kostete in den 50er Jahren ein durchschnittliches Jahresgehalt. Foto: Unsplash/kosov

Kei-Cars sparen bei der Kfz-Steuer

Während sich Kleinstwagen in Deutschland nicht durchgesetzt haben, sind sie im dicht besiedelten Japan seit der Nachkriegszeit fester Bestandteil des Straßenbilds. Im Land der aufgehenden Sonne heißen sie „Kei-Cars“, was übersetzt „Leichte Automobile“ bedeutet. Rund ein Drittel der Neuzulassungen entfällt in Japan auf die steuerbegünstigten Mini-Mobile, die es dort in einer Vielzahl von Varianten gibt. Ein wichtiges Kaufargument: Wer in japanischen Ballungsräumen ein Kei-Car kauft, muss nicht wie andere nachweisen, dass er über einen Abstellplatz für sein Auto verfügt. So knapp kann Verkehrsraum sein.

Die allerkleinsten Kleinwagen

Allerkleinste Kleinwagen: Microlino
Elektroauto ganz reduziert: Der zweisitzige Microlino soll nur rund 12.000 Euro kosten. Foto: Micro Mobility

Jetzt, wo es auch in europäischen Ballungsräumen immer voller wird, kehren auch bei uns die allerkleinsten Kleinwagen zurück. Ein Beispiel ist der zweisitzige Microlino des Schweizer Unternehmens Micro Mobility Systems aus Küsnacht bei Zürich. Groß gemacht haben die Firma Tretroller und Kickboards für alle Altersgruppen.

Kabinenroller wie die Isetta oder der Zündapp Janus passten gut zu unserer Philosophie der einfachen und praktischen Mobilität im urbanen Raum.

Jetzt wagt sich Firmengründer Wim Ouboter unter die Elektroautohersteller. „Wir wollen urbane Mobilität praktisch, Platz sparend und umweltfreundlich machen“, sagt Oliver Ouboter, einer der Söhne des Firmengründers und Mit-Geschäftsführer von Micro Mobility Systems. Die Kleinstwagen der 1950er und 1960er Jahren waren dabei das Vorbild: „Kabinenroller wie die Isetta oder der Zündapp Janus passten gut zu unserer Philosophie der einfachen und praktischen Mobilität im urbanen Raum. Diese Fahrzeuge sind der Formel ,Reduced to the Max‘ eigentlich wesentlich konsequenter gefolgt als etwa der Smart. Natürlich hat uns auch ihr Design und der Fronteinstieg gefallen, denn heutige Fahrzeuge sehen alle fast genau gleich aus.“

BMW Isetta
Vorbild der neuen Rollermobile: Die Isetta wurde bis 1962 gebaut. Foto: Wikimedia Commons/Carl Purcell

Kleinwagen in der Woche, SUV am Wochenende

Was den Einsatzzweck betrifft, verfolgt das Unternehmen eine klare Zielrichtung: „Der Microlino ist ideal für Alltagsstrecken. Unzählige Studien haben bewiesen, dass die durchschnittliche tägliche Fahrdistanz in Europa zwischen 30 und 35 Kilometern liegt“, betont Oliver Ouboter. „Obwohl viele Kunden sich den Microlino als Zweitfahrzeug anschaffen werden, werden sie bald merken, dass er zum Erstfahrzeug mutiert: Also Microlino von Montag bis Freitag, und der SUV dann am Wochenende – wenn überhaupt.“ Diese Philosophie scheint anzukommen, denn laut Micro gibt es bereits rund 4000 Reservierungen. Die Produktion soll Ende 2017/Anfang 2018 anlaufen. Vorgesehener Preis: rund 12.000 Euro. Gebaut wird der Microlino im Rahmen eines Joint Ventures mit dem Elektroauto-Spezialisten Tazzari in Italien.

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Immer mehr Kleinwagen fahren vor

Inzwischen fahren immer mehr elektrische Kleinstwagen ins Rampenlicht. Die französische Firma Bee Bee hat im vergangenen Jahr beispielsweise den 3,40 Meter kurzen und 660 Kilogramm leichten Viersitzer XS vorgestellt. Aus Südkorea kommt der Yebbujana R2 von der Firma Power Plaza – ein 837 Kilogramm leichter Zweisitzer. Und aus einer Entwicklung der Hochschule RWTH Aachen geht der e.GO Life hervor, ein 3,35 Meter kurzer Zweitürer, der nur 15.990 Euro kosten soll; der 4000 Euro hohe Umweltbonus von Elektroautos geht davon sogar noch ab.

Kleinwagen Bee Bee XS
Leichtgewicht: Der Bee Bee XS wiegt nur 660 Kilogramm. Foto: Bee Bee

Wer hat´s erfunden? Die Italiener!

Aber zurück zum Microlino. Diese Ähnlichkeiten mit der alten Isetta, muss die Verantwortlichen von Micro Mobility Systems da keinen Streit befürchten? Nein, müssen sie nicht, denn erfunden und bereits 1953 auf den Markt gebracht hat die Isetta nämlich gar nicht BMW, sondern der italienische Autohersteller Iso Rivolta. Die von 1955 bis 1962 von BMW gebaute Isetta war nur ein technisch verbesserter Lizenz-Nachbau mit BMW-Motorradmotoren (250 oder 300 Kubikzentimeter Hubraum). „Natürlich hatten wir Kontakt mit Iso Rivolta und auch mit BMW. Dort hat man uns vor allem eins gewünscht: Viel Glück!“, sagt Oliver Ouboter.

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