Elektromobilität

Kindersitz oder Anhänger? Kinder sicher auf dem E-Bike mitnehmen

von
Gertrud Teusen

Wer Kinder auf Pedelec und E-Bike transportiert, muss besondere Regeln und gesetzliche Vorschriften beachten. aio gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Eine Mutter und ihre Tochter fahren auf dem Fahrrad und lachen.
Fahrradfahrer-Freude: Wenn das Kind richtig gesichert ist, kann die gemeinsame Fahrt extrem viel Spaß machen. Foto: Shutterstock / Halfpoint

Das erfahren Sie gleich:

  • Kindersitze auf dem E-Bike – ist das überhaupt erlaubt?
  • Vorder- oder Rücksitz – warum Sie nicht immer die Wahl haben
  • Worauf Sie beim Kauf des Kindersitzes achten sollten
  • Warum das Mamabike auch für Väter geeignet ist

Längst ist das E-Bike oder Pedelec zur echten Fahrrad-Alternative mutiert. Doch je mehr Fans die Zweirad-Elektromobilität findet, desto mehr Fragen wirft sie auf. Beispielsweise die, ob sich auch Kinder – per Kindersitz oder im Anhänger – sicher mit dem E-Bike transportieren lassen. Dabei geht es insbesondere um drei Faktoren:

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  1. Die Geschwindigkeit
  2. Das Gewicht
  3. Die Stabilität

Zu den Vorteilen von E-Bikes, Pedelec und S-Pedelecs gehört es nun mal, dass man mit weniger Muskelkraft ein höheres Tempo erreichen kann. Wenn man allerdings Kinder mit an Bord hat, darf die Geschwindigkeit keine Rolle spielen. Weniger Tempo ist besser für den Nachwuchs und sicherer für die Belastungsgrenze des Bikes. Wie beim normalen Fahrrad auch, sollten Sie Ihre Fahrweise den Umständen anpassen.

E-Bikes und Pedelecs haben eine maximale Zulade-Gewichtsgrenze – ob Gepäck, das Kind oder der Hund mitfahren, spielt dabei keine Rolle.. Das bedeutet, es lassen sich nicht beliebig-schwere Dinge damit befördern. Ein kleines Rechenbeispiel: Angenommen, Gewichtsgrenze des Gepäckträgers liegt bei 25 kg. Der Kindersitz wiegt zwei bis fünf kg. Der kleine Passagier darf dann nicht mehr als 20 bis 23 wiegen.

Aber selbst wenn das Zulade-Gewicht passt, geht die Montage eines Kindersitzes immer zu Lasten der Stabilität. Das ist zwar beim normalen Fahrrad auch nicht anders, doch in Verbindung mit einer u. U. erhöhten Geschwindigkeit, kann das zu brenzligen Situationen führen.

Kindersitze auf dem E-Bike – ist das erlaubt?

Zunächst gilt es zu unterscheiden, welcher Typ Elektrofahrrad im heimischen Fahrradkeller steht. Die freie Wahl der Kindertransportmittel (also Kindersitz vorne oder hinten und Fahrradanhänger) haben Sie dabei eigentlich nur beim Pedelec. Pedelec steht für Pedal Electric Cycle und beschreibt ein Fahrrad, das mit Muskelkraft und einem unterstützenden Elektromotor betrieben wird. Der Motor schaltet sich allerdings nur zu, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Da Pedelecs normalen Fahrrädern gleichgestellt sind, dürfen Sie Kinder in speziellen Sitzen oder im Fahrradanhänger mitnehmen.

Schon beim S-Pedelec endet die Freiheit, denn diese sind für Transportanhänger jeder Art nicht zugelassen. Die Montage von Kindersitzen vorn oder hinten ist hingegen erlaubt.

Da gleiche gilt für E-Bikes, die eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20 km/h haben. Auch hier ist der Anhänger zwar verboten, der Kindersitz jedoch erlaubt.

Für alle anderen E-Bike-Modelle, die Geschwindigkeit über 25 km/h erreichen – oder sogar getunte E-Bikes –, ist sowohl der Anhänger als auch die Kindersitz tabu.

Was ist erlaubt, was ist verboten?

  • Kindersitz vorn
  • Kindersitz hinten
  • Fahrradanhänger
  • Fahrrad
  • ja
  • ja
  • ja
  • Pedelec
  • ja
  • ja
  • ja
  • S-Pedelec
  • ja
  • ja
  • nein
  • E-Bike bis 20 km/h
  • ja
  • ja
  • nein
  • E-Bike bis 25 km/h
  • nein
  • nein
  • nein
  • E-Bike bis 45 km/h
  • nein
  • nein
  • nein

Stand: Juli 2018

Wer sich sein Pedelec oder E-Bike genau anschaut, der stellt schnell fest, wo und wie man überhaupt einen Kindersitz montieren kann.

Darauf sollten Sie achten:

  • Ist das Display am Lenker mittig angebracht, lässt sich hier kein vorderer Kindersitz anbringen
  • Mittel- oder Heck-Motor? Bei den meisten Elektrofahrrädern sitzt der Motor unter dem Gepäckträger. Daraus ergibt sich ein maximal-begrenztes Transportgewicht, das zumeist bei 25 kg liegt. Kindersitz und Passagier dürfen diese maximale Belastungsgrenze nicht überschreiten
  • Bei einem mittig angebrachten Motor ist das kein Problem, allerdings sollten Sie auch dabei auf die maximale Zuladung achten
  • Hat das E-Bike einen Vorderradmotor und wollen Sie einen Vordersitz montieren, ist das durchaus möglich. Allerdings lenkt es sich damit schwieriger als gewohnt

Tipp: Ganz generell sind Kindersitze vorn nur für die jüngsten Passagiere ab neun Monaten zu empfehlen.

Die meisten Sitze eignen sich am besten zur Montage auf dem Rücksitz, also dem Gepäckträger. Allerdings ist bei vielen elektrischen Fahrrädern ein Akku im Gepäckträger verbaut. Darum kann es schwierig werden, hier einen Kindersitz sicher zu montieren. Ein stabiler und robuster Gepäckträger ist deshalb eine wichtige Voraussetzung, da sonst das zusätzliche Gewicht dem Akku schaden könnte oder für Instabilität sorgt.

Kindersitz-Kauf: Darauf sollten Sie achten

Das wichtigste ist, dass Kind und Fahrradsitz zusammenpassen – und natürlich, dass der Sitz zu einem E-Bike passt. Bei entsprechenden Tests schnitt der Britax Römer Jockey Comfort, der auf dem Gepäckträger montiert wird, am besten ab. Bei der Auswahl sollten Sie vor allem auf Folgendes achten:

1. Belastbarkeit

Für einen sicheren Transport ist eine hohe Belastbarkeit wichtig. Die angebotenen Modelle für die Sitz-Montage auf dem Gepäckträger liegen bei 22 kg. Modelle für einen Kindersitz vorne liegen bei 15 kg. Generell sollten Sie kleinere Kinder besser vorn (damit Sie sie im Blick haben) und etwas ältere Kinder hinten unterbringen. Das zugelassene Maximalgewicht sollten Sie dabei nicht überschreiten.

2. Polsterung

Damit es der kleine Fahrgast auch bequem hat und gegen Stöße und Vibrationen gut geschützt ist, sollte die Polsterung sich im Idealfall der Körperform anpassen. Sie sollte herausnehmbar und waschbar sein.

3. Sicherheit

Zur Sicherheit gehört ein stabiles 3-Punkt bzw. 5-Punkt-Gurtsystem, das sich ebenfalls an der Größe und dem Gewicht des Kindes orientiert. Ebenso sollte es Bein-und Fußstützen geben, sodass das Kind mit den herabhängenden Beinchen nicht in die Speichen gerät.

4. Maße beachten

Die Rahmen- und Zoll-Angaben für die der Kindersitz zugelassen ist, sollten Sie mit den entsprechenden Angaben des Pedelecs oder e-Bikes abgleichen – Sie sollten unbedingt zueinander passen.

5. Ausstattung

Extras bringen mehr Komfort und Sicherheit. So hat beispielsweise der Britax-Römer-Sitz eine verstellbare Rückenlehne mit Relax-Funktion, weil Kindern gern mal auf dem Fahrradsitz einschlafen und so dann besser geschützt sind. Bei einigen Modellen gibt es für die Vordersitze auch „Windschutzscheiben“, die kleine Kinder vor dem Fahrtwind schützen. Generell sind Kindersitze bis zum siebten Lebensjahr zugelassen.

Die Alternative zum Kindersitz ist der Kinderanhänger. Bei diesem gelten die gesetzlichen Vorschriften und die Sicherheitsaspekte, so wie bei Kindersitzen. Der Anhänger am E-Bike eignet sich für Kinder mit mehr als 15 kg und diese sollten auch schon ein bisschen älter sein, so dass sie allein im Anhänger keine Angst bekommen. Solche Kinder-Fahrradanhänger sind nur für Pedelecs erlaubt.

Es gibt zwei Varianten des Transportanhängers; einspurig oder zweispurig. Einspurige Anhänger eignen sich vor allem bei weiten Strecken oder dem Fahren im Stadtverkehr. Befestigt werden die Fahrradanhänger an beiden Seiten des Hinterrades, um ein mögliches Umkippen zu verhindern.

Ein junger Vater fährt mit seinem Mountainbike, an das ein Fahrradanhänger gekoppelt ist.
Der hat doch ne Fahne: Ein Wimpel am Fahrradanhänger warnt andere Verkehrsteilnehmer. Foto: Shutterstock / nullplus

Das Mamabike – auch für Väter geeignet

So richtig überzeugend ist das Angebot, mit dem sich E-Bike-Spaß und Kindertransport verbinden lassen, jedoch noch nicht. Im Prinzip müsste man fast einen Kindersitz auswählen und dann das ideale Elektrofahrrad dazu kaufen.

Es gibt allerdings schon Hersteller, die den gleichen Gedanken hatten und deshalb so genannte „Mamabikes“ anbieten. Das sind also E-Bikes, die auf die speziellen Bedürfnisse von Eltern ausgerichtet sind. Das bedeutet die Gewichtsverteilung und das Anbringen von entsprechenden Kindersitzen wurde bei der Entwicklung bereits bedacht.

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Mama- oder Papabikes zeichnen sich dadurch aus:

  • Sie haben einen optimal-breiten Aufstieg und haben mehr Platz zwischen Sattel und Lenker
  • Der Gepäckträger ist besonders stabil und für die Montage eines Kindersitzes vorbereitet
  • Insgesamt ist das Rad stabiler gebaut und hat beidseits Ständer für sicheres Absteigen
  • Die Lenker sind so konzipiert, dass sie bei mehr Belastung nicht wegsacken können

Diesen Anforderungen genügt beispielsweise das Cortina E-Roots und Sparta Amazone 4 Life Electric. Und davon einmal abgesehen, muss ein Pedelec oder E-Bike natürlich im technisch-einwandfreiem Zustand sein, bevor man mit Kindern auf Tour geht. Bremsen und Lenkfunktionen sollten immer ohne Einschränkung funtkionsfähig sein.

Sind die Kinder irgendwann groß genug, stellt sich dann eventuell die Frage, ob sie ein eigenes E-Bike haben sollten. Dieser Frage ist aio ebenfalls nachgegangen.

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