Elektromobilität

Kiel wird Vorreiter in Sachen Elektromobilität und Energiewende – dank Kielflex

von
Paul Bandelin

Weil der Stickoxid-Ausstoß im deutschlandweiten Vergleich sehr hoch ist, will die Stadt Kiel Elektromobilität an unterschiedlichen Fronten fördern.

Der Kieler Hafen.
Kiel hat ein massives Problem mit Stickoxiden – die Lösung: Elektromobilität und Energiewende. Foto: picture alliance / Hauke-Christian Dittrich

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Kiel sein Stickoxid-Problem in den Griff bekommen und die Energiewende ankurbeln will
  • Wie ein gut ausgebautes, smartes Stromnetz in der Schleswig-Holsteinischen Landeshauptstadt der Schlüssel zur Elektromobilität sein könnte
  • Wie das breit angelegte Projekt Kielflex das verwirklichen will

Kiel geht voran. Bundesweit lag die Schleswig-Holsteinische Landeshauptstadt 2016 auf dem vierten Platz bei der Stickoxid-Belastung. Die Stadt musste die unrühmlichen Medaillenränge lediglich an Stuttgart, München und Reutlingen abtreten. Das Ziel ist deshalb klar: In dem Ranking absteigen und sauberer werden. Der Schlüssel dazu liegt in der Elektromobilität.

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Um diese in der Stadt auszubauen, bedarf es eines intelligenten und flexiblen Stromnetzes, wie es derzeit nicht vorhanden ist. Das soll sich dank des breit angelegten Forschungsprojektes "KielFlex" ändern. Dafür zieht gleich eine ganze Reihe von Unternehmen an einem Strang: Ein Konsortium will Deutschlands nördlichste Großstadt flächendeckend in ein Reallabor verwandeln.

Teil des Konsortiums sind:

  • die Christian-Albrecht-Universität Kiel (CAU)
  • die AAB AG Mannheim
  • das Fraunhofer-Institut IFF Magdeburg
  • die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG)
  • der Seehafen Kiel
  • die Stadtwerke Kiel

Das Gesamtvolumen des Projekts beläuft sich auf rund 6,5 Millionen Euro. Etwas mehr als die Hälfte davon – nämlich 3,7 Millionen Euro – stammen vom "Sofortprogramm Saubere Luft 2017 bis 2020" des Bundesenergieministeriums. Ziel ist es unter anderem, die Stickoxid-Belastung bis Ende 2020 um zehn Prozent zu senken.

Kielflex: Ziel ist ein flexibleres Stromnetz

Klar ist: Will eine Stadt wie Kiel zum Aushängeschild für Elektromobilität werden, benötigt sie eine passende Infrastruktur samt funktionierendem Stromnetz. Dafür simuliert eine Gruppe aus Wissenschaftlern an der ortsansässigen Technischen Fakultät, der CAU, zunächst die flexible Stromnetzlösung im Labor. Bereits kommendes Jahr wollen sie diese in einem Feldversuch im Stadtzentrum zu erproben.

Wir wollen das Kieler Stromnetz noch flexibler steuern und darüber Wege finden, die neuen Lasten intelligent in die bestehenden Netze zu integrieren.

Henning Schröder, Abteilungsleiter Asset Management bei der Netzgesellschaft der Stadtwerke

Elektromobilität an allen Fronten

Im Zuge dieses Ausbaus plant die Stadt eine Elektrooffensive:

  • Die KVG will bis 2020 36 elektrische Linienbusse in ihre Flotte integrieren
  • Perspektivisch sollen sämtliche 180 Fahrzeuge der Verkehrsgesellschaft elektrisch betrieben werden
  • Die Stadtwerke wollen bis 2020 die Hälfte ihres Fuhrparks elektrisch angetrieben wissen – und so jährlich rund 45 Tonnen CO2 einsparen
  • Der Seehafen Kiel GmbH will die Fähr- und Kreuzfahrtschiffe während ihrer Liegezeit im Hafen mit Landstrom versorgen

Ein nicht zu vernachlässigender Punkt bei dem Projekt ist die Ladeinfrastruktur: Der Plan sieht vor, bis 2020 die Anzahl der Ladestationen von derzeit 42 auf rund 250 zu erhöhen. Diese sollen an strategisch günstigen Orten positioniert werden. Dazu gehören etwa hoch frequentierte Bushaltestellen, Taxistände, Carsharing-Punkte und Parkhäuser.

Eine besondere Aufgabe im Kiel der Zukunft spielt dabei der Energiefluss. „In diesem ambitionierten Projekt ist es wichtig, dass für die Steuerung des Energieflusses zwischen Stromnetz und Elektrofahrzeugen ein einheitliches Informationssystem zur Verfügung steht, damit alle Elemente reibungslos funktionieren und miteinander kommunizieren können. Zudem sollen unter anderem intelligente Energiespeicher für die Stabilität des geplanten Versorgungsnetzes für die Elektrofahrzeuge sorgen“ sagt Przemyslaw Komarnicki vom Fraunhofer IFF.

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Nächstes Kapitel der Energiewende

Bei der Umsetzung profitiert KielFlex unter anderem von dem seit 2014 laufenden Projekt HEART. Unter der Leistung des italienischen Elektroingenieurs Marco Liserre arbeitet die CAU daran, Stromnetzen ein intelligentes "Herz" einzusetzen, einen Transformator 2.0. KielFlex soll die dort erzielten Fortschritte nutzen, um zum Vorbild einer globalen Lösung für die Aufgaben der Energiewende werden.

Der Fakt, dass in Kiel neben dem privaten und öffentlichen auch der Verkehr zu Wasser berücksichtigt werden kann, spricht für die Stadt als Modelllösung für die Zukunft. „Von Kiel werden wichtige Impulse ausgehen. Denn die Landeshauptstadt kann als Modell für eine intelligente Steuerung des Stromnetzes praktische Hinweise liefern, die eine Übertragbarkeit auf andere Kommunen gewährleisten“, wird Dr. Ulf Kämpfer, Bürgermeister der Stadt Kiel, zitiert.

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