Abonnieren Sie kostenlos unsere Updates zum Thema Elektromobilität

Anmelden

Elektromobilität

Kfz-Versicherung: Spareffekt geringer als gedacht

von Ralf Bielefeldt

Das autonom fahrende Auto wird alle Verkehrsunfälle verhindern, dachten viele. Jetzt stellt sich heraus: Es wird weiter Unfälle geben – und sie werden immer teurer.

Kfz-Versicherung: Spareffekt geringer als gedacht
Die Zahl der Verkehrsunfälle geht zurück – aber es wird sie immer noch geben. Foto: Shutterstock / razorbeam

Das erfahren Sie gleich:

  • Neue Techniken senken Schadenssummen relativ wenig
  • Höhere Reparaturkosten gleichen die zurückgegangenen Unfallzahlen aus
  • Bestenfalls 70 Prozent der Unfälle sind vermeidbar

Kosten für Unfälle sinken um bis zu 15 Prozent

Assistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen machen Autofahren sicherer, verhindern in der Praxis aber weniger Schäden als in der Theorie. Zu diesem Ergebnis kommt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in seinem Themenschwerpunkt "Automatisiertes Fahren – Auswirkungen auf den Schadenaufwand bis 2035".

Weitergedacht

Nachhaltige Mobilität – wie geht das?

Mehr erfahren bei Audi

Die neuen Systeme machen Autos zwar sicherer, aber die Reparaturen werden auch teurer.

Im Vergleich zum Referenzjahr 2015 (Gesamtschadensumme: 22 Milliarden Euro) sinken die Kosten für Unfälle im Straßenverkehr demnach in den nächsten 20 Jahren um sieben bis 15 Prozent. Das wären Einsparungen von bestenfalls 3,3 Milliarden Euro jährlich – je nach Art und Verbreitungsgrad der elektronischen Unfallvermeider. „Die neuen Systeme machen das Autofahren zwar sicherer, sie setzen sich im Gesamtfahrzeugbestand aber nur langsam durch und machen Reparaturen im Schadensfall teurer. Auf absehbare Zeit hat der technologische Fortschritt daher nur geringen Einfluss auf das Schadensgeschehen“, sagt Bernhard Gause, Mitglied der GDV-Geschäftsführung.

Die Werkstatt macht den Spareffekt zunichte

Gemessen an der zu erwartenden, in der GDV-Studie nicht näher bezifferten Abnahme der Unfälle durch Fahrerassistenzsysteme müsste die Ersparnis "gefühlt" deutlich höher ausfallen – allein die Unfälle mit Personenschaden gingen in Deutschland laut AXA in den vergangenen fünf Jahren um fast 20 Prozent zurück. In der Werkstatt wird dieser Spareffekt jedoch wieder zunichte gemacht: Die steigenden Reparaturkosten pro Unfall kompensierten ihn, so der GDV. So kostet zum Beispiel schon der Ersatz einer beschädigten Windschutzscheibe mit Frontkamerasichtfeld heute rund 30 Prozent mehr als ohne. Gehen einzelne Sensoren oder ganze Assistenzsysteme zu Bruch, wird es richtig teurer. In der Pkw-Haftpflichtversicherung werden die Reparaturkosten bis 2035 dadurch in Summe um drei bis acht Prozent steigen, in der Kaskoversicherung um rund vier bis zehn Prozent. Für Lkw wurden mangels valider Daten keine Zahlen vorgelegt.

Die Werkstatt macht den Spareffekt zunichte
Inzwischen geht's um mehr als Blech: Bei neuen Autos steigen mit der Zunahme von moderner Technik auch die Reparaturkosten. Foto: Shutterstock / Romaset

Sechs Systeme verringern Unfälle maßgeblich

Bis zum Jahr 2035 werden laut GDV vier Fahrerassistenzsysteme und zwei automatisierte Fahrfunktionen maßgeblich zur Reduzierung der Unfallzahlen beitragen:

  • Park- und Rangierassistenten
  • Notbrems-Systeme
  • Spurwechselassistent
  • Spurhaltesystem
  • "Autobahnpilot" (Kombination aus Notbremsassistent, Spurhalteassistent und Spurhaltesystem)
  • "City- und Landstraßenpilot" (Kombination aus Notbremsassistent, Park- und Rangierassistent, Spurwechselassistent und Spurhaltesystem)

Erst die Verknüpfung mehrerer Systeme sorge laut Studie für maximale Effizienz. Eine Schadenvermeidungsquote von mehr als 70 Prozent sei allerdings nicht zu erwarten. „Auch der beste Notbremsassistent ändert nichts an den physikalischen Gesetzen für den Bremsweg eines Autos“, bilanziert Gause nüchtern.

Assistenten verhindern nicht alle Unfälle

Zudem könnten Assistenzsysteme per se längst nicht alle Kfz-Schadensfälle verhindern: Ein Abstandsradar etwa helfe nicht gegen Autodiebe, eine Einparkhilfe nicht vor Hagel oder Marderbissen. Und in Baustellen-Verengungen oder bei schlechtem Wetter und eingeschränkter Sicht würden bekanntlich auch moderne Assistenzsysteme an ihre Grenzen stoßen. Hinzu käme, dass viele Autofahrer optionale Assistenten nicht kontinuierlich nutzen: In großen Parklücken und der heimischen Garage werden die meisten Fahrer erfahrungsgemäß auch weiterhin selbst einparken. Park- und Manövrierassistenten kämen also längst nicht immer zum Einsatz.

Das IT-Risiko steigt

Perspektivisch sieht der GDV zwei Entwicklungen, die für die vorliegende Analyse "nicht seriös quantifiziert werden können" und in den Zahlen daher nicht berücksichtigt sind: Auf der einen Seite werden die Automobilhersteller und Zulieferer ihre Systeme kontinuierlich verbessern, was sich positiv auf ihre Effizienz und den Nutzungsgrad auswirkt. Auf der anderen Seite steigt mit der Digitalisierung und Vernetzung der Fahrzeuge auch das IT-Risiko: "Die gesellschaftliche Akzeptanz und die Verbreitung der neuen Systeme wird maßgeblich davon abhängen, ob neue Unfallmuster und Serienschäden etwa durch Hacker-Angriffe oder Softwarefehler erfolgreich vermieden werden können", so der GDV. Fehlt das Vertrauen in die Technik, nutzt sie keiner. Ist die Bedienung kompliziert, erst recht nicht.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen