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Leben

Keine Lust zum Weggehen: So klappt die Party zuhause

von Carola Franzke

Ein gemeinsames Musikerlebnis, zusammen kochen oder ein Spieleabend in der Nachbarschaft? Neue Menschen kennenlernen auf der Party mit Fremden zuhause.

Teller mit Pasta und Gläser mit Rotwein auf weißer Tischdecke
Pasta-Party: Ein Dinner abends zuhause mit Fremden – auch das gehört zur Sharing Economy. Foto: Unsplash/Brooke Lark

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum nicht mal zuhause Party feiern und ganz neue Leute kennenlernen?
  • Wohnzimmer-Konzerte und gemeinsames Kochen sind Beispiele dafür, was die Sharing Economy alles hervorbringt
  • Vom „Cocooning“ zum „Homing“ – ein Megatrend gegen Terrorangst und auf der Suche nach sozialer Wärme

Zuhause Party machen mal anders

Beim Stichwort Party denken die meisten an den letzten Geburtstag, an dem es ein Kumpel hat krachen lassen. Oder an den tollen Samstag, an dem alle Freunde im eigenen Wohnzimmer versammelt waren. Das geht aber auch ganz anders. Wer neue Leute kennenlernen will und etwas Abenteuer mag, kann sich völlig Fremde zum Konzerterlebnis nach Hause einladen oder mit Unbekannten zum Kochen verabreden. Veranstaltungsreihen wie „Sofar Sounds“ oder „Jumping Dinner“ machen das möglich.

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Eine Erscheinung der Sharing Economy

Lebensmittel nicht wegwerfen, sondern Reste verschenken, sich über Nachbarschaftsnetzwerke wie nebenan.de zum Spieleabend verabreden oder eben ein Konzert zuhause im eigenen Wohnzimmer veranstalten: Meist sind es ideelle oder finanzielle Gründe, die die Teilnehmer bewegen. Aber genauso oft begeben sich Menschen mit solchen Aktivitäten auf die Suche nach sozialer Wärme in ihrem Leben und wollen aus der digitalen Vereinsamung entkommen.

Sogenannte Jumping Dinner, bei denen jeder Gang woanders gegessen wird, sind da ein gutes Beispiel. Meistens sind solche Veranstaltungen dazu gedacht, interessierte Singles zusammenzubringen, aber nicht immer. Es gibt auch Menschen, die sich in der Nachbarschaft zum gemeinsamen Kochen verabreden, um keine Lebensmittel zu verschwenden.

Konzerte im Wohnzimmer

Spannend ist das Konzept von Sofar Sounds, eine Bewegung, die 2009 in London aus einem spontanen Privat-Gig entstanden ist. Acht Freunde trafen sich einer Londoner Wohnung, um den Musiker Dave Alexander spielen zu hören. Das private Ambiente gefiel den Zuhörern so gut, dass sie die Idee vom Konzert im eigenen Wohnzimmer weitergetragen haben und mehr solcher Zusammenkünfte organisierten. Inzwischen gibt es Sofar Sounds in mehr als 350 Städten weltweit: Sofar steht für „Songs from a room“ und findet fast ausschließlich in privaten Räumlichkeiten statt. Die Sofar-Gemeinde ist bunt gemischt, von jung bis alt, von WG-Küche bis zum exklusiven Penthouse.

Die Künstler sind meist unbekannt. Sie nutzen die Konzerte, um bekannter zu werden.

Wer so ein Wohnzimmer-Konzert besuchen möchte, registriert sich vorher für einen Termin in der Stadt seiner Wahl. Der genaue Ort bleibt dabei geheim, und erst wenige Tage vorher wird der Interessent per E-Mail benachrichtigt und um feste Zu- oder Absage mit oder ohne Begleitung gebeten. Danach erfährt er auch den genauen Treffpunkt. Die Veranstaltungen sind kostenlos, die Plattformen bitten lediglich um kleine Spenden für die Musiker, die häufig extra anreisen. Die Künstler sind meist unbekannt, sie nutzen die Konzerte, um bekannter zu werden und mit CD-Verkäufen nach den Auftritten ein Zubrot zu verdienen.

Mann spielt Gitarre
Wohnzimmer-Konzert: Viele Musiker spielen für eine kleine Gage oder für eine Spende. Ihnen geht es vor allem darum, bekannter zu werden. Foto: Unsplash/Derek Truninger

Lebensgefühle im „Homing“-Trend

Was treibt die Menschen, die sich als Gastgeber für ein Wohnzimmer-Konzert bewerben? Die Besucher sind sicherlich einfach neugierig auf ein überraschendes Musikerlebnis, vielleicht noch auf das buntgemischte Publikum – und lassen dafür im Prinzip eine Horde von Fremden in ihre Wohnung, Haus oder Garten. Es ist ein Phänomen, das voll im „Homing“-Trend liegt: Wer den Homing-Lebensstil pflegt, betrachtet sein Zuhause als Mittelpunkt seiner sozialen Aktivitäten – denn anders als beim „Cocooning“ aus den Achtzigern gibt es in diesem Lebensstil durchaus reiche Sozialkontakte.

Die Flucht ins Private und in eine Art moderne Gemütlichkeit schlägt sich unter anderem darin nieder, dass bekannte Modedesigner auch Tapeten und Bettwäsche gestalten und die Verkäufe von Kaminen und Kachelöfen in die Höhe gegangen sind. In die gleiche Kerbe hauen Nähkurse, sündhaft teure Grillgeräte und die vielen Kochshows im Fernsehen. Der Homing-Trend wird auch die Zukunft nachhaltig prägen, denn die aktuelle Architektur und Immobilienentwicklung trägt dem Zeitgeist Rechnung. Architekten planen Projekte mit Gemeinschaftsräumen und -plätzen und nennen das "Die neue Dörflichkeit".

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Die Angst als Antrieb

Diese Art von Rückzug ins Private hat noch andere Facetten: Nicht alle, die viel Zeit zuhause verbringen oder sich mit Nachbarn zum Spieleabend treffen, tun das freiwillig. Bier und Chips zuhause sind natürlich preiswerter als teures Ausgehen. Und auch die Angst vor Terror kann ein Grund sein, warum Menschen lieber Zeit in den Wohnzimmern von Fremden verbringen – die Angriffe auf Vergnügungsmeilen in Paris und London oder der Weihnachtsmarkt in Berlin haben vielen Menschen Angst gemacht.

Ganz unabhängig von aller Furcht ist die Idee vom Konzert im Wohnzimmer aber ungewöhnlich und ein lohnenswertes Abenteuer für Musikliebhaber. Und man kann nette Menschen treffen, die man sonst nie kennenlernen würde.

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