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Kein Zucker: So überlebte ich vier Wochen ohne Süßigkeiten

von Michaela Gerganoff

Kein Zucker: So überlebte ich vier Wochen ohne Süßigkeiten
So bunt, so schön süß: Die Verlockung nach Zucker und Süßigkeiten lauert überall. Unsere Autorin hat ihr vier Wochen lang widerstanden. Foto: Unsplash/Saz B

Das erfahren Sie gleich:

  • Statt der empfohlenen Menge von maximal fünf Teelöffel Zucker täglich liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 30 Teelöffeln
  • Wer sich zuckerfrei oder zuckerreduziert ernährt, senkt das Risiko von Krankheiten
  • Unsere Autorin wurde bei ihrem Selbstversuch von wechselnden Stimmungen begleitet.

So viele Süßigkeiten! So viele Zuckerfallen! Unsere Autorin hat vier Wochen auf Zucker verzichtet. Hier erzählt sie, wie sie es geschafft hat.

Magenkrämpfe nach den Süßigkeiten

Bisher hielt ich mich für einigermaßen resistent gegen Zucker. Heißhunger auf Schokoladenriegel ist mir fremd, und auch das Nutellaglas meiner Kinder löst keinen Jieper aus. Meine Ernährung ist ausgewogen; mit viel frischem Gemüse, Salat und Fisch. Aber letzten Herbst schlichen sich ganz unbemerkt in der gemütlichen Jahreszeit immer wieder kleine Süßigkeiten-Ausreißer ein: nachmittags ein paar selbstgemachte Kipferln oder einen Zucker-Zimt-Crêpe mit meinem Sohn. Beim Wochenend-Frühstück bestrich ich meine Brezeln statt mit hauchzarten Butter-Flöckchen plötzlich mit Butter und Marmelade. Alles halb so wild, sofern es einem gut geht. Doch nicht bei mir: Als direkte Reaktion auf die Süßigkeiten bekam ich Magenkrämpfe. Manchmal kauerte ich über eine Stunde mit Wärmflasche auf dem Sofa. Ein kausaler Zusammenhang zwischen Zucker und Krankheiten lag auf der Hand. Neuer Vorsatz: Cut the candy – verzichte auf die Süßigkeiten! Kann ja nicht so schwer sein, oder?

Überall ist Zucker versteckt

In Deutschland liegt der Zuckerverbrauch bei etwa 35 Kilogramm pro Jahr und Kopf. Mehr als fünf Teelöffel sollten wir am Tag nicht essen. Dabei kommen wir auf 30 Teelöffel - aufgrund vieler versteckter Quellen. Zucker hemmt das Sättigungshormon Leptin mit der Folge, dass wir mehr essen. Bei vielen Krankheiten spielt Zucker eine maßgebliche Rolle: Übergewicht, Karies, Herz- Kreislauferkrankungen und Demenz. Das kann Glukose, Fructose oder Saccharose sein oder Zucker in Form von Kohlenhydraten oder Stärke. Darauf wollte ich bei meiner Challenge verzichten. Deswegen hieß zuckerfrei für mich:

  • Keine Säfte oder Smoothies. Tabu. Nur ganze Früchte, die zuckerarm sind – etwa Beeren und Papaya.
  • Keine natürliche Süße. Brauner Zucker, Honig, Ahornsirup, Agavendicksaft oder Reissirup wandern erstmal auf die Rückseite des Vorratsregals.
  • Keine künstliche Süße. Süßstoffe wie Aspartam, Xylit, Stevia oder Erythrit und Diät-Produkte gehören auch zu den No-Gos.
  • Augen auf vor Zuckerfallen. Neben Süßigkeiten gehören Fertig-Pommes (Dextrose), Ketchup, Balsamico-Essig, Joghurts und industriell hergestellte Brote dazu. Eine große Überraschung für mich war Zucker in Wurst, etwa in Salami.
  • Kein Alkohol. Wie auch in der klassischen Fastenzeit, sollte man weitestgehend auf Alkohol verzichten. Besonders in Cocktails ist der Zuckeranteil hoch, der neben dem Rausch quasi einen Zuckerschock auslöst.

Cocktailgläser mit Obst- und Gemüsedeko
Das Richtige im Glas: Ihren Heißhunger auf Süßigkeiten bezwang unsere Autorin mit selbst auferlegten Regeln. Dazu gehörte auch: Richtig viel trinken - aber keinen Alkohol. Foto: Unsplash/Brooke Lark

Deftiges auf dem Speiseplan

Um Heißhunger-Attacken zu vermeiden, habe ich diese Kategorien schrittweise – in sieben Tagen – gestrichen. Neben Regel Nummer eins: trinken, trinken, trinken – vor allem Wasser und Kräutertees – suchte ich erstmal Alternativen zu meinen gewohnten Mahlzeiten. Da mir Rituale in meinem durchgetakteten Alltag helfen, bereitete ich mich vorab mit einem Speiseplan für jede Woche vor: Zum Frühstück gab’s Porridge mit Wasser und Beeren. An den Wochenenden, mit mehr Zeit und Muße, stellte ich auf Rührei und Bio-Vollkornbrot um.

Ablenkungsmanöver helfen, kleine Hungermomente zu überbrücken.

Beim Mittagessen brauchte ich mich nicht umzustellen, da kamen ohnehin Salate auf den Tisch – oder asiatische Gemüse-Bowls und Suppen. Gefährlich waren die Nachmittage am Schreibtisch: Da habe ich Ablenkungsmanöver gebraucht, Nüsse und Kaugummis etwa, griffbereit neben dem Laptop. Abends stand Vollkornbrot mit Rohkost auf dem Menü.

Wechselnde Stimmungen ohne Zucker

Wie also waren die vier Wochen? Ganz ehrlich? Eben kein Zuckerschlecken, um beim Thema zu bleiben. Die ersten zehn Tage waren herausfordernd. „Nur ein klitzekleines Bio-Müsli-Riegelchen?“, lockte mich meine allersüßeste Stimme. Immer wieder ertappte ich mich dabei, mir im Geiste Ausreden zurechtzulegen. Hallo Entzug! Diese inneren Zwiegespräche frustrierten mich, gerade weil ich mich nicht als schweren Zucker-Junkie eingeordnet hatte. Fast wünschte ich mir meine Bauchkrämpfe zurück, die ich nun nicht mehr hatte. Schlecht gelaunt, mit Kopfweh und recht unmotiviert überstand ich die ersten zehn Tage. Danach wurde es wirklich besser: Je weniger Zucker durch meine Blutbahnen floss, desto größer wurde mein Stolz auf mich und meine süße Absage. Den Durchbruch hatte ich, als ich erstmals am Nachmittag – im sonst allertiefsten Zuckertief – einfach gar nicht an eine sweete Auszeit dachte!

Verzicht auf Süßigkeiten im Alltag

Ich bin weder Asket, noch dogmatisch. Nach diesen vier Wochen ernähre ich mich ein Stück bewusster und höre auf meinen Körper: Wenn nachmittags mal Kuchen ansteht, trinke ich dazu Kräutertee, das schont meinen Magen. Außerdem habe ich mich an das Eier-Frühstück gewöhnt, weil es lange Zeit vorhält. Bei der Arbeit stehen immer noch Möhren oder Nüssen in Schreibtisch-Nähe. Und wenn ich Appetit auf Eis bekomme, sei’s drum! Solange aus den „sweet dreams“ keine Alpträume mehr werden...

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