Leben

Katastrophenwarnung: Künftig sollen Werbetafeln Menschen informieren

von Carola Franzke

Deutschlands Katastrophenschützer suchen nach Wegen, wie Katastrophenwarnungen auch wirklich alle Menschen erreichen können. Eine Idee: Werbetafeln.

Nahe einer Landstraße brennt ein Wald im Südwesten Berlins.
Ein Fall für die Katastrophenwarnung: Die schweren Waldbrände im August 2018 bei Berlin. Foto: picture alliance/dpa

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Warnungen für die Bevölkerung besser koordinieren will
  • Warum es zur Zeit keine Katastrophenschutz-App gibt, die alles zuverlässig abdeckt
  • Wieso Katastrophenwarnungen künftig auch über Werbetafeln ausgespielt werden sollen

Deutschlands Katastrophenschützer treibt eine Frage um: Wie informieren wir die Menschen im Falle einer Krise schnell und effizient? Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sucht nach Lösungen, wie möglichst viele Menschen so schnell wie möglich von Bedrohungen und möglichen Katastrophen erfahren.

Das BBK möchte Apps vereinheitlichen und verhandelt mit den Betreibern von digitalen Werbetafeln über die Möglichkeiten, Krisenbotschaften zu verbreiten.

Christoph Unger, Präsident des BBK im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ): "Wir schließen derzeit mit Anbietern digitaler Reklametafeln Vereinbarungen, damit wir auch darauf Warnungen anzeigen lassen können."

Katastrophenschutz-Apps nicht einheitlich

Bislang gibt es verschiedene Apps, die sich mit Katastrophenschutz befassen – nur leider kommunizieren sie noch nicht miteinander.

So gibt es beispielsweise die beliebte App "Katwarn", die von der Fraunhofer Gesellschaft angeboten und betrieben wird. Viele Städte und Gemeinden nutzen Katwarn, um ihre Einwohner zu informieren, wenn Gefahr im Verzug ist.

Konkurrierend dazu gibt es die App "NINA", die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des BBK selbst, die ebenfalls von vielen Städten und Gemeinden für Kriseninformation und Katastrophenwarnungen genutzt wird. Zudem mischen auch noch Informations-Apps von privaten Anbietern mit, wie die ebenfalls beliebte App "BIWAPP" (Bürger-Info und Warn-App).

Um die Verwirrung komplett zu machen, gibt es Wetter-Apps, die vor schweren Stürmen und Gewittern warnen, während sowohl NINA als auch Katwarn zusätzlich die Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) verbreiten. Weitere Schwachstelle: Die Apps warnen natürlich nur die, die ein Smartphone besitzen.

Das BBK will erreichen, dass Katastrophenwarnungen auch zwischen den Apps geteilt werden. Alternativ will es einen technischen Ansatz finden, der unabhängig von den installierten Apps dem Katastrophenschutz dient.

Ein User hält ein Smartphone in der Hand, auf dem die App "Nina" ein rot markiertes Gefahrengebiet anzeigt.
Katastrophenschutz-Apps wie "NINA" sollen die Menschen informieren – sind aber nicht miteinander vernetzt. Foto: BBK

Effiziente Katastrophenwarnungen

Früher war es etwas einfacher, wenn die Bürger vor Katastrophen gewarnt werden sollten: Gingen die Sirenen los, war klar, dass Radio oder Fernseher eingeschaltet werden sollten. Mindestens eines dieser Geräte stand auch sicher in jedem Haushalt.

Heute dagegen wollen gerade jüngere Menschen gar keinen Fernsehanschluss mehr. Wenn überhaupt, werden Sendungen über das Internet gestreamt, allerdings eher Netflix oder andere Dienste. Die öffentlich-rechtlichen Sender oder ganz normales Fernsehen interessiert junge Menschen nur bedingt.

Das Bundesamt ist beauftragt, es technisch zu ermöglichen, dass jeder Bürger gewarnt wird, egal, welche App er auf dem Handy hat.

Christoph Unger, Präsident des BBK im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung"

Ähnlich rückläufiges Interesse gilt für Radiosendungen. Insofern muss nach anderen Medien gesucht werden, die allen zugänglich sind, und über die in Zeiten des Datenschutzes trotzdem Warnungen an alle ausgegeben werden können.

Die verschiedenen Herausforderungen, vor dem das BBK steht, sind aber nicht allein technischer Natur. Auch die kulturelle und sprachliche Vielfalt der Bevölkerung macht die Aufgabe des BBK nicht einfacher, denn im Falle schlimmer Krisen müssen Warnungen in Zukunft vielsprachig sein.

Digitale Werbetafeln, die im öffentlichen Raum sind, eignen sich auf jeden Fall sehr gut, um Menschen zu informieren, die gerade unterwegs sind. Doch es bleibt offen, wie man Menschen zuhause, in Büros oder Geschäften wirklich zuverlässig erreicht.

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