Technik

Kameraüberwachung in Los Angeles: Minority Report wird Realität

von
Marten Zabel

Algorithmen und Kameraüberwachung sollen in Los Angeles Rückfälle von Kriminellen vorhersagen. Das System könnte aus dem Film Minority Report stammen.

Eine Überwachungskamera auf weißem Grund.
Wenn aus Überwachung Verbrechensvorhersage wird, fühlen sich die Menschen in Los Angeles wie im Film Minority Report. Foto: Shutterstock / ImageFlow

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie aus KI-basierter Kameraüberwachung Verbrechensvorhersage wird
  • Warum das System – wie beim Film-Vorbild Minority Report – problematisch ist
  • Weshalb ein Rückgang der Kriminalität in Los Angeles nicht zwangsläufig als Erfolg für das System zu werten ist

Von der Kameraüberwachung zur Verbrechensvorhersage

In Los Angeles gibt es nicht nur viel Kameraüberwachung, sondern inzwischen mit Palantir auch ein System zur Vorhersage von Kriminalität. Dieses könnte direkt aus dem Film Minority Report entstammen. Und laut Bürgerrechtlern bringt es ähnlich große Probleme mit sich, wie das Projekt im Science-Fiction-Streifen.

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Vor allem Menschen mit dunkler Hautfarbe trifft das computergestützte System der Verbrechensvorhersage in Los Angeles. Der Algorithmus verteilt jedem, der in der Polizeidatenbank einmal auftaucht, Punkte. Diese sollen als Indikator dienen, wie wahrscheinlich ein Verbrechen durch diese Person in der Zukunft ist.

Eines der Probleme der Technik ist, dass dafür schon ein einfacher Kontakt mit der Polizei reicht, ohne dass die entsprechende Person auch nur ein Gesetz gebrochen hat.

Der Minority Report hält sich selbst am Laufen

Wer in der Vergangenheit Kontakt mit der Polizei hatte, ist für die Statistik mit einer größeren Wahrscheinlichkeit zukünftiger Verbrechen vorbelastet. Problematisch ist, dass sich dabei Ursache und Wirkung umkehren können, wie Bürgerrechtsgruppen bemängeln.

Wer von den Gesetzeshütern wie ein Krimineller behandelt wird, hat eine deutlich geringere Hemmschwelle, dann tatsächlich auch das Gesetz zu brechen. Eine verstärkte Überwachung durch die Polizei, wie das System sie vorsieht, macht es ehemaligen Straftätern zudem schwerer, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren – in den USA ohnehin ein Problem.

Ein besonders kritischer Punkt ist, dass auch unbescholtene Bürger für das Computersystem bis zwei Jahre nach einem Kontakt mit der Polizei als potenziell verdächtige Personen gelten. Das wirkt sich vor allem in sozialen Brennpunkten aus, da dort Polizeikontrollen an der Tagesordnung stehen.

Eine Beispielperson wurde innerhalb von sechs Wochen acht Mal von der Polizei angehalten. Der Zwei-Jahres-Countdown startet mit jeder dieser Interaktionen neu, auch wenn sich derjenige in keiner Weise schuldig gemacht hat.

Ebenfalls problematisch ist das Punktesystem. Wird jemand überprüft, erhält er auch dafür Punkte im System, dass er zum Beispiel auf Bewährung ist. Mehr Kontakte mit der Polizei führen zu mehr Punkten, was wiederum zu mehr Polizeiüberprüfungen führt – ein Teufelskreis.

Überwachung ist in den USA kein neues Thema – so kontrolliert der Staat auch Nummernschilder anhand von Kameraaufnahmen – das Minority-Report-System ist aber ein noch viel größerer Schritt.

Weniger Kriminalität in Los Angeles

Das Los Angeles Police Department gibt an, dass die Verbrechensvorhersage die Kriminalität in Los Angeles spürbar gesenkt hat. Offen bleibt dabei die Frage, wie viele Menschen dadurch auf die schiefe Bahn geraten sind, die sonst ein normales Leben geführt hätten.

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Selbst wenn die Algorithmen perfekt sind, basieren sie schließlich immer noch auf den Eingaben der Polizei vor Ort. Diese kann durchaus stark diskriminieren.

Ein ähnliches Sozialpunktesystem setzt auch die chinesische Regierung ein – hier steckt die Überwachung aber in den Datenbrillen der Polizei.

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