Leben

Kaffee ohne Reue: Endlich wird Coffee to go nachhaltig

von Nele Justus

Einen Kaffee zum Mitnehmen bestellen wir alle gerne – und produzieren damit einen riesigen Berg an Müll. Ein neues Pfandsystem soll das jetzt ändern.

Kaffee ohne Reue: Endlich wird Coffee to go nachhaltig
Heißes Problem: Einweg-Kaffeebecher sind von innen mit Kunststoff beschichtet und können deshalb nicht recycelt werden. Foto: Shutterstock/VIKTORIIA NOVOKHATS

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Einweg-Kaffeebecher nicht recycelt werden können
  • Wieso viele Cafés private Thermobecher nicht akzeptieren
  • Wie neue Pfandsysteme das Müllproblem beim Kaffee zum Mitnehmen endlich lösen

Deutschland ist eine Kaffee-Nation

Wir trinken ihn eigentlich ständig. Auf dem Weg ins Büro, am Wochenende mit Freunden oder wenn wir mit dem Hund eine Runde drehen: Coffee to go ist ein Teil unseres Lifestyles geworden – und eine der größten Umweltsünden überhaupt.

320.000 Einwegbecher werden pro Stunde in Deutschland verbraucht. Und das für einen Kaffeegenuss, der in der Regel nicht länger als zehn Minuten dauert. Aufs Jahr gerechnet werfen die Deutschen so etwa 2,8 Milliarden Papp-Kaffeebecher in den Müll und produzieren dabei rund 40.000 Tonnen Abfall und 110.000 Tonnen an CO2-Emissionen. Was viele nicht wissen: Die Einweg-Kaffeebecher können nicht recycelt werden. Damit der Kaffee für unterwegs auch im Becher bleibt, sind diese von innen mit Kunststoff beschichtet. Zusätzlich erfordert die Produktion der Einwegbecher einen immensen Ressourcen- und Energieverbrauch. Laut der Deutschen Umwelthilfe werden allein in Deutschland für die Herstellung etwa 64.000 Tonnen Holz, 1,5 Milliarden Liter Wasser und 11.000 Tonnen Kunststoff verbraucht.

Das Problem mit privaten Thermobechern

Aber geht Coffee to go nicht auch umweltfreundlich? Ja, das geht! Die einfachste Lösung, um die Müllflut einzudämmen, ist ein eigener Thermobecher. Darin bleibt der Kaffee nicht nur länger warm, er kostet sogar manchmal weniger. Große Ketten wie Starbucks, Tchibo oder Balzac bieten ihren Kunden Rabatt an, wenn sie ihren eigenen Thermobecher befüllen lassen. Seit Kurzem ist das auch bei der Fastfood-Kette McDonald's möglich, die lange in der Kritik stand, weil dort die mitgebrachten Becher leer blieben und Kunden so gezwungen waren, ihren Kaffee im Wegwerf-Becher zu bestellen. Und genau das ist das Problem: In vielen Cafés und Filialen werden Thermobecher nicht aufgefüllt, etwa bei der Bäckereikette Kamps, „aus hygienerechtlichen Gründen", wie es heißt. Verbraucherfreundlich ist diese Alternative also noch lange nicht.

Lesen Sie auch

Ladestation

aio-Empfehlung

Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

Pfand auf den Kaffeebecher

Deswegen machen sich in vielen Städten nun kleine Start-ups auf den Weg, das Müllproblem mit einem Mehrwegbecher-Pfandsystem in den Griff zu bekommen. In Rosenheim haben etwa die zwei Jungunternehmer Fabian Eckert und Florian Pachalay „Recup“ gegründet. Die Idee dahinter ist denkbar einfach: ein bis zu 500 mal wiederverwendbarer Becher, der in so vielen Cafés, Bäckereien und Restaurants wie möglich zur Verfügung stehen soll. Wer seinen Kaffee in diesem Becher kauft, zahlt zusätzlich einen Euro Pfand. Dafür kostet der Kaffee aber auch weniger als im normalen Pappbecher, um den Kunden einen Anreiz zu schaffen. Bei allen Recup-Partnern kann der leere Becher wieder abgeben werden, er wird dort ausgespült und anschließend wiederverwendet – und der Kunde erhält seinen Pfand zurück. Nach einer erfolgreichen Testphase wurde der Pfandbecher von Recup mittlerweile auch in München und in Berlin eingefüllt, weitere Städte sollen folgen. Ähnliche Projekte gibt es aber mittlerweile auch in Hamburg mit dem System „Refill it“ des Kaffeerösters El Rojito oder in Freiburg mit der Freiburg-Cup, einem Gemeinschaftsprojekt der Stadtverwaltung und der Stadtreinigung.

Jeder produziert 220 Kilo Müll im Jahr

Das Gute ist: Es findet allmählich ein Umdenken statt. Bei den Unternehmen und in der Politik. Aber das kann erst der Anfang sein. Denn Deutschland ist Europameister im Müllproduzieren. Das liegt nicht nur an den Einwegbechern, sie sind aber ein Teil des Problems. Der durchschnittliche Deutsche bringt es auf etwa 220 Kilogramm Verpackungsmüll pro Jahr. Zum Vergleich: In Schweden sind nur 109 Kilogramm. Einen Großteil machen die Verpackungen des Internet-Versandhandels aus. Aber genauso tragen Elektrogeräte mit kurzer Lebensdauer, Einwegprodukte wie Feuerzeuge und Kugelschreiber oder sinnlose Verpackungen im Supermarkt, wie die eingeschweißte Salatgurke, zum immer größer werdenden Müllberg bei. Dabei ist es eigentlich sehr simpel: Der einfachste Weg, um Müll zu reduzieren, ist es ihn zu vermeiden. Zum Beispiel mit einem Griff zum Pfandbecher beim nächsten Coffee to go.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Leben immer informiert.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen