Technik

Androiden auf dem Mond: Japan will Weltraum mit Robotern erobern

von Marten Zabel

Mit Robotern das All erobern – das ist der Plan der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA. Ein neues Projekt soll Androiden auf den Mond bringen.

Ein Blick aus dem Weltall auf die Erde.
Vom Weltall ist der Blick auf die Erde spektakulär – diesen Ausblick können bald japanische Roboter genießen. Foto: NASA

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie ein Roboter künftig die Erforschung des Weltraums übernehmen könnte
  • Weshalb die japanische Raumfahrt auf Androide setzt
  • Wie humanoide Roboter auf dem Mond und dem Mars forschen sollen

Roboter mit enschenähnlichen Händen auf dem Mond – das klingt nach wilden Sci-Fi-Fantasien. Tatsächlich beschäftigt sich Japan derzeit jedoch mit einem solchen Projekt: Dem MELTANT-α. Ab 2019 sollen erste Tests auf der Erde Starten, in den folgenden zehn Jahren soll der Roboter dann im All erprobt werden.

Der Android entsteht im Rahmen des Projekt Avatar X, an dem die japanische Raumfahrtorganisation JAXA gemeinsam mit der Fluggesellschaft ANA arbeitet. Dort entwickeln sie menschenähnliche Roboter, die den Menschen im Weltall vertreten sollen – mit möglichst ähnlichen Fähigkeiten wie der Mensch, der den Roboter steuert.

Für den neusten Androiden holte sich das Team Unterstützung durch das Unternehmen Meltin mit an Bord. Sie entwickeln den Roboter, den die Techniker via Telepräsenz steuern. Der Roboter für den Mond hat Torso, Kopf, Arme und Hände. Diese kann er als Stellvertreter für seinen Nutzer gut einsetzen, denn die Extremitäten sind laut seinen Entwicklern genauso flink und stark wie eine echte menschliche Hand – und sie verfügen über Sensoren für haptisches Feedback.

Die japanische Raumfahrt setzt auf Roboter

Das haptische Feedback bedeutet, dass die Hände tasten können und diese Sinneseindrücke an die Person am Steuergerät auf der Erde weitergeleitet werden. Dadurch kann der Nutzer das fühlen, was der Roboter auf dem Mond oder an einem anderen entfernten Ort anfasst. So werden Handgriffe nicht nur deutlich präziser. Durch die sensorischen Impulse, die das System zurücksendet, vermittelt es das Gefühl, er Anwender sei tatsächlich dort. Das vereinfacht die Arbeiten, für die der Android geplant ist.

Außerdem hat Japan derzeit nicht die Fähigkeit, Menschen ins All zu bringen – Roboter hingegen schon. So soll der humanoide Roboter auf dem Mond und bei Außeneinsätzen an Raumstationen zum Einsatz kommen und diese sicherer machen. Denn jedes Mal, wenn etwa ein Astronaut an der internationalen Raumstation ISS in einen Raumanzug steigt, um an der Außenhülle Arbeiten und Reparaturen durchzuführen, besteht in jedem Fall ein gewisses Risiko für Leib und Leben.

Könnte der Astronaut aus der relativen Sicherheit des Wohnmoduls heraus seinen Robo-Avatar kontrollieren, wäre das eine schnelle und sichere Alternative zu den Exkursionen der Astronauten, der Extra-Vehicular Activity (EVA).

Humanoide Roboter jenseits des Mondes

Auch für die Erforschung des Mars wären humanoide Roboter durchaus nutzbar. Anders als beim Mond müssten diese allerdings nicht von der Erde, sondern von einem lokalen Punkt aus gesteuert werden. Andernfalls würde die große Distanz die Verzögerung der Steuerung zu einem kritischen Punkt machen.

Grundsätzlich ermöglichen Androiden-Projekte es potenziell viel mehr Menschen, tief in die Erforschung des Mondes einzutauchen. Denn die Erfahrung eines Ausflugs zum Erdtrabanten machen sonst nur echte Astronauten. Kein Wunder also, dass auch andere Raumfahrtorganisationen an Androiden als Astronautenersatz oder ‑Ergänzung arbeiten. Die NASA etwa hat Robonaut2 zu Forschungszwecken auf die ISS gebracht.

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