Leben

Japan ohne Müll: Die Zero-Waste-Stadt

von Leonie Butz

Ein kleines Städtchen in Japan hat sich vorgenommen, bis 2020 eine Zero-Waste-Stadt zu werden. Mit viel Tatendrang verwertet Kamikatsu so bereits 80 Prozent den produzierten Mülls wieder.

Japan ohne Müll: Die Zero-Waste-Stadt
Ein Paradies ohne Müll im Osten von Japan: Das ist zumindest die Vision der Zero-Waste-Stadt Kamikatsu. Foto: CC: Flickr/Yuki Shimazu

Das erfahren Sie gleich:

  • Eine Stadt im Osten Japans auf dem Weg zu Zero Waste
  • Ihren Müll recyceln die Bewohner von Kamikatsu bereits zu 80 Prozent
  • Für Japan und die ganze Welt könnte die Stadt ein Vorbild sein

Zero Waste in Japan

Wie ein abstraktes Kunstwerk ragt das rote Gebäude aus der grünen Umgebung. Die Latten erinnern an eine alte Lagerhalle – kein Wunder, denn sie stammen aus einer früheren Fabrik. Auf der einen Seite ist das Haus flach und einstöckig. Ab der Mitte steigt das Gebäude jedoch in die Höhe, gleicht einem Mehrfamilienhaus, das in der Mitte abgeschnitten wurde. Die Fassade säumen viele Fenster, von denen jedes unterschiedlich ist. In weißen Lettern steht auf der Hauswand unter anderem "Brauerei". Das Gebäude ist aber so viel mehr als das. Das Gemeindezentrum von Kamikatsu ist Tauschbörse für ungenutzte Dinge, zentraler Treffpunkt, Kneipe und eben auch Brauerei.

Was hier gerade als trendige Unverpackt-Läden aus dem Boden sprießt, ist in der Stadt bereits seit Jahren gelebter Standard.

Das Gebäude repräsentiert aber auch die Philosophie der Stadt in Japan. Denn nicht nur das Baumaterial, auch die Einrichtung ist recycelt oder wiederverwertet. Was auf den ersten Blick also wie ein Hippster-Treffpunkt wirkt, ist in Wirklichkeit eine Sammel- und Verwertungsstelle für alles Alte, Ungenutzte und Ausbesserungsbedürftige. Während bei uns gerade trendige Unverpackt-Läden aus dem Boden sprießen, ist Zero Waste in Kamikatsu bereits seit Jahren gelebter Standard. In dem Gemeindehaus gehen alle Waren nach Gewicht und ohne Verpackung über den Ladentisch.

Keine Verbrennungsanlage, kein Müll

Im Jahr 2000 zwangen neue Regelungen zu Dioxid-Emissionen die Gegend, ihre beiden Müllverbrennungsanlagen zu schließen. Um nicht im Müll zu ersticken, wurde das Städtchen erfinderisch: Vor fast 15 Jahren beschloss Kamikatsu, eine Zero-Waste-Stadt zu werden. Seitdem entwickelte sich eine Recycling-Expertise in der Stadt im Osten von Japan, die die Verwertung von 80 Prozent des Mülls ermöglicht – durch Kompostierung, Recycling oder Wiederverwertung. 34 verschiedene Sorten von Müll trennen die Japaner dafür – dagegen wirkt die Trennung zwischen Papier, Plastik und Altglas geradezu lächerlich. Im Müllsammellager Hibigaya stehen Körbe bereit für Aluminiumdosen, Plastikdeckel, Sojasoßen-Flaschen oder Wasserflachen.

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Aus alten Kimonos fertigen die Frauen der Stadt Teddybären, aus anderen Kleidungsstücken Taschen oder neue Kleider.

Hier ist auch eine Art Tauschbörse ansässig, bei der Bewohner Dinge abgeben können, die sie nicht mehr benötigen – und andere Dinge mitnehmen können, die für die nützlich sind. In einer Verwertungs-Anlage entstehen außerdem aus beschädigten Dingen neue Gegenstände. Aus alten Kimonos etwa fertigen die Frauen der Stadt Teddybären, aus anderen Kleidungsstücken Taschen oder neue Kleider. Verwalter der Verwertungs-Stellen ist die Non-Profit-Organisation Zero Waste Academy. Ein YouTube-Video zum Plan der Stadt machte Kamikatsu im vergangenen Jahr zu einem beliebten Touristenziel. Im Video betont Akira Sakano, die für die Müllverwertung zuständig ist: "Ich wäre glücklich, wenn das Vorbild von Kamikatsu sich in der gesamten Welt verbreitet."

Pläne in diese Richtung haben bereits einige Städte angekündigt. San Diego etwa will bis 2030 seinen unrecycelten Müll um 75 Prozent reduzieren und bis 2040 eine Zero-Waste-Stadt sein. Und auch New York äußerte ähnliche Absichten. An den Tatendrang und die strikte Umsetzung der Null-Müll-Politik von Kamikatsu kommen sie aber nur mit großen Plänen nicht heran.

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