Leben

Interview: Die Poesie von Laufen und Fitness

von Stefan Adrian

Der Kurzfilm "Run" zeigt den Bruder des Filmemachers Jacob John Harmer laufend an den steilen Küsten Südenglands. Ein Laufweg, den die beiden Brüder als Kinder von ihrem Vater gezeigt bekommen haben. Harmer arbeitet für Marken wie Acne, Nike oder Vice, oder auch mit Künstlern wie Asap Rocky. Ein Gespräch über die Kraft des Laufens, über die Macht des Rituals – und wie man Laufen filmisch am besten in Szene setzt.

Filmemacher Jacob John Harmer
Ein Leben im Zeichen des Laufens: Filmemacher Jacob John Harmer. Foto: Jacob John Harmer

Das erfahren Sie gleich:

  • Filmemacher Jacob John Harmer über seinen Lauffilm "Run"
  • Der Einfluss von körperlicher Fitness auf den Geist
  • Hamers Tipps für Hobbyfilmer

Jacob, Ihr Kurzfilm "Run" ist, wie Sie selbst sagen, Ihr bisher persönlichstes Werk. Wie ist die Idee entstanden?
Am Anfang stand der Gedanke, einen Film zu machen, der sowohl die Zeit als fließendes Element einfängt, sowie auch die Kraft eines familiären Vermächtnisses wiedergibt. Der Film ist ein Tribut an meinen Vater Eric und den Abenteuergeist, den er in mir und meinem Bruder, der in dem Film spielt, eingeimpft hat. Zum damaligen Zeitpunkt hat er die Welt zu einem mysteriösen Ort für uns Kinder gemacht, zu einem Ort, an dem es viel zu entdecken gibt.

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In dem Film läuft Ihr Bruder eine Strecke zwischen steilen Klippen im Süden von England. Laufen Sie diese Klippen immer noch?
Das tue ich, wann immer ich die Zeit dafür finde. Die ganze Gegend ist spektakulär. Diese großen, weiten Räume zu erforschen ist das komplette Gegenteil zu dem Leben in der Stadt, das teilweise klaustrophobisch sein kann. Wenn ich zu viel Zeit in London verbringe, sehne ich mich nach einem natürlichen Horizont.

Wo genau liegen diese Klippen - und hatten Sie auch gefährliche Momente, wie es im Film auch beschrieben wird?
Auf der einen Seite die Strömung und auf der anderen Seite brüchige Klippen, die zu massiven Erdrutschen führen können – das sind alles sehr reale Risiken. Selbst eine kleine Verletzung kann in diesem Umfeld schnell schlimmere Ausmaße annehmen, einfach aus dem Grund, weil du, wenn du erstmal da draußen bist, auf dich alleine gestellt bist. Den genauen Ort der Location kann ich allerdings nicht preisgeben, ich hoffe das verstehen Sie - die Route bleibt ein Geheimnis der Harmers. Ich bin mir aber sicher, wer das wirklich herausfinden will, kommt mit etwas Hingabe und Lust an Recherche nahe dran…

Hat Laufen immer noch eine starke Bedeutung in Ihrem Leben?
Auf jeden Fall. Körperliche Fitness im allgemeinen, aber Laufen im Speziellen hat einen positiven Einfluss auf meine Mentalität. Die Möglichkeit, mich nur auf meine Atmung und meine Schritte zu fokussieren, ohne das Bombardement an Information, das täglich auf einen einprasselt, erlaubt es mir, kreative Gedanken auf eine Weise aufzuteilen und Ideen zu verarbeiten, wie ich es sonst nicht könnte. Das macht Laufen für mich einmalig. Ich halte es für den Zustand, in dem Kreativität am natürlichsten fließt.

Vieles in Ihrer Arbeit hat mit Sport zu tun, ob es sich um Laufen, Skaten oder um ein Video mit dem Fußballer Joshua Kimmich handelt. Reizt es Sie besonders, die Schönheit in der Bewegung einzufangen?
Ja. Mich faszinieren Athleten und die Eleganz, die in ihrem Talent, ihrer Präzision und ihrer Kraft liegt. Ich möchte die Reinheit einfangen, den Augenblick, wenn sie in diesen Zustand eintauchen. Das ist etwas, was man im Alltag nicht sehr häufig beobachten kann.

Was muss man als Filmemacher berücksichtigen, wenn man diese Momente einfangen will?
Wenn man es mit professionellen Athleten zu tun hat, hat man viel Druck, da man aufgrund ihrer vollen Terminkalender meistens nicht sehr viel Zeit hat. Also muss man alles sehr genau planen. Man muss Momente des Anmuts einfangen, die innerhalb eines Lidschlags vorbei sein können, und es ist schwierig genug, sicherzustellen, dass die Protagonisten immer im Fokus sind und dabei selbst auf der Höhe des Balls zu sein. Darüber hinaus muss man bedenken, wie weit man die Athleten pushen will, da jede Form von Verletzung eine Auswirkung auf ihre Karriere haben könnte.

Was würden Sie einem Hobbyfilmer raten, der so einen Dreh zum ersten mal machen will?
Es gibt viele schmale Grade, die man berücksichtigen muss, aber das wichtigste ist vielleicht, dass man sich bewusst sein muss über den eigenen Fitnesszustand, sowie den des Kameramann. Man muss sich im Klaren sein, dass es sich um einen aktiven Shoot handelt, und vor allem man muss den Protagonisten - ob nun professioneller Athlet, Laie oder Freund - über die Dauer des Drehs mit Vertrauen und Zuversicht füttern.

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Gibt es eine bestimmte Philosophie, die Sie in Ihrer Arbeit verfolgen? Gibt es eine Stimmung, in die Sie Ihren Zuseher versetzen wollen?
Ich möchte Filme machen, die dem Publikum eine Flucht ermöglichen. Es soll sich über Geschichten Gedanken machen, die nichts mit ihrem normalen Alltag zu tun haben. Meine Filme sollen ein bisschen wie Gesprächsfetzen aus einer anderen Welt funktionieren, erzählt durch eine Poesie, die meiner Meinung nach um uns alle herum existiert.

Letzte Frage: Wer ist schneller, Sie oder Ihr Bruder?
Ich bin schnell - aber er hat um einiges mehr Benzin im Tank.

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