Technik

Künstliche Intelligenz: Wie Roboter menschlicher werden

von Carola Franzke

Wenn der Schweißroboter Trauer erkennt: Wie kann die Interaktion von Mensch und Maschine im Arbeitsalltag aussehen? Und kann künstliche Intelligenz den Umgang erleichtern?

Künstliche Intelligenz: Wie Roboter menschlicher werden
Wie viel Menschlichkeit steckt am Ende dieses Roboterarms? Entwickler arbeiten daran, Roboter menschlicher zu machen. Foto: picture alliance / dpa Themendienst

Das erfahren Sie gleich:

  • Es wird in der Arbeitswelt immer mehr Interaktion zwischen Mensch und Maschine geben
  • Menschlichere Roboter sollen für einen harmonischen Alltag sorgen
  • Künstliche Intelligenz macht Roboter fit für immer mehr Aufgaben

Interaktion mit Maschinen statt Menschen

In manchen Berufen ist es bereits der Fall: Da ist der Kollege ein Roboter – etwa in den Produktionsstraßen der Automobilindustrie. Mit fortschreitenden Entwicklungen wird in Zukunft noch häufiger künstliche Intelligenz zum Kollegen. Für den Menschen kann eine Schicht da auch sehr einsam werden. Ein interessantes Szenario für Arbeitspsychologen und Robotik-Experten.

Roboter menschlicher gestalten

Die Folgen dieser veränderten Arbeitswelt sind noch offen. Dennoch denken Forscher und Entwickler darüber nach, wie die Robotik darauf reagieren könnte. Ein Ansatz wäre, die Roboter menschlicher zu gestalten, insbesondere die „Cobots“ (kollaborative Roboter), die Seite an Seite mit ihrem menschlichen Kollegen arbeiten. Eine der vorgestellten Innovationen auf der CES 2018 in Las Vegas war ein Emotions-Chip der New Yorker Technologiefirma Emoshape.

Der „EPU II“ (Emotion Processing Unit II) kann in Echtzeit Gefühle erkennen, wenn verbundene Sensoren dem Prozessor die entsprechenden Daten liefern – etwa aus einer Kamera mit Gesichtserkennung. „EPU II“ kann zwölf Grundemotionen wie Angst, Ekel, Freude oder Traurigkeit erkennen und dann die Reaktion darauf steuern. Er ist gewissermaßen ein menschlicher Roboter.

Möchte man wirklich vom Schweißautomaten gefragt werden, warum man traurig ist?

Emoshape spricht vor allem über das Betriebsklima bei der Arbeit mit Roboter-Kollegen. Aber möchte man wirklich vom Schweißautomaten gefragt werden, warum man traurig ist? Tatsächlich kann es in manchen Bereichen lebenswichtig sein, Emotionen richtig zu lesen, um Bedienfehler zu verhindern. Etwa wenn sich der einsame Sicherheitsmitarbeiter in der Steuerzentrale eines Kraftwerks vor Zorn oder Traurigkeit nicht konzentrieren kann.

Künstliche Intelligenz verbessert Roboter

Gerade in Bereichen, in denen die Aufgaben in der emotionalen Interaktion liegen, kann künstliche Intelligenz die Roboter verbessern. Animierte Plüschtiere, die in Therapien eingesetzt werden, könnten lernen, zu wem sie gehören. Sie könnten die Gewohnheiten und Dinge wie Stimmlage und Herzfrequenz ihrer Besitzer kennenlernen. Damit wären sie in der Lage, bei außergewöhnlichen Ereignissen einen Alarm auszulösen. Eine gelungene Interaktion kann dann auch bedeuten, dass der Roboter mit Gesten und Geräuschen beruhigend auf den Menschen einwirkt.

Animismus: Dinge mit Seele

In der gleichen Bandbreite, wie unser Leben zunehmend automatisiert und von Maschinen erleichtert wird, stellen sich Fragen nach der Interaktion mit ihnen. Vermutlich werden in der Diskussion um menschlichere Roboter auf absehbare Zeit aber andere Lebensbereiche wichtiger sein als empathische Druckluftschrauber in der Autoindustrie: Pflegeroboter etwa, die in Krankenhäusern und Pflegeheimen zum Einsatz kommen und Menschen aus Betten heben. Oder die Roboter-Tiere, die dementen Senioren eine emotionale Brücke zu ihrer Umgebung bauen sollen.

Kunden bedanken sich bei einem autonomen Lieferfahrzeug.

Bei solchen Anwendungen ist es hilfreich, dass Menschen zum Animismus neigen, also Dingen gern eine Seele zuschreiben: In einem Modellversuch von Ford, bei dem Pizza von unbemannten Fahrzeugen ausgeliefert wurde, bedankten sich die Kunden bei dem Lieferfahrzeug. Ähnliches Verhalten konnte in dem Versuch mit „Hitchbot“ beobachtet werden, bei dem ein Roboter per Anhalter die USA und später Europa durchquerte. Menschen kommunizieren mit den Geräten und „beseelen“ sie in ihrer Vorstellung. Wirken Roboter menschlich und reagieren sie situativ, ist es noch leichter, ihnen eine Seele und Emotionen anzudichten.

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Spannungsfeld von Ethik und Forschung

Die Möglichkeiten, sehr realistische, fast menschliche Roboter zu schaffen, sind greifbar. Es ist keine Science-Fiction, wenn in diesem Zusammenhang eine Ethikdiskussion gefordert wird. Der Rechtsausschuss des EU-Parlaments befand Anfang 2017: Man möge ethische Grundprinzipien für die Entwicklung von künstlicher Intelligenz und Robotern festlegen, und Rechte und Pflichten für die Maschinen definieren.

Die Frage nach der Haftung für selbstfahrende Autos ist dabei eine der simpleren; Befugnisse und Grenzen für Pflegeroboter oder die Frage nach geistigem Eigentum sind hingegen nicht so leicht zu klären. Wenn ein Roboter etwas erschaffen hat, gibt es dann so etwas wie ein Urheberrecht? Wem gehört sein Werk, insbesondere, wenn der Roboter den Besitzer wechselt? Dieser Diskurs ist so spannend wie wichtig und macht eine umfassende Auseinandersetzung mit der Entwicklung unserer Gesellschaft nötig.

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