Technik

Industrielle Abgase liefern Treibstoff für Flugzeuge

von Carola Franzke

Virgin Atlantic hat erstmals einen Flug von Orlando in Florida nach London-Gatwick mit Treibstoff aus Industrie-Abgasen betankt.

Ein Flugzeug hinterlässt einen langen Kondensstreifen am Himmel.
Flugzeuge gelten als klimaschädlichste Art zu reisen. Das könnte sich durch industrielle Abgase als Basis für Treibstoff in Zukunft ändern. Foto: Shutterstock / Thammanoon Khamchalee

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Industrie-Abgase Flugzeuge zum Fliegen bringen
  • Wie der Treibstoff aus Abgasen entsteht
  • Welche Auswirkungen diese Methode auf die Umwelt hat

Am 4. Oktober 2018 hat Virgin Atlantic ein kleines Stück Geschichte geschrieben: Eine Boeing 747 flog mit einem Treibstoffzusatz, den die neuseeländisch-amerikanische Firma LanzaTech zum Teil aus den Industrie-Abgasen eines chinesischen Stahlwerks herstellte.

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Der synthetische, kerosinähnliche Stoff dürfte sogar bis zu 50 Prozent des konventionellen Treibstoffes ersetzen, doch die Boeing 747 hatte nur vorsichtige fünf Prozent in den Tanks.

Abgase als Treibstoff funktionieren

Der Flug VS16 startete in Orlando, Florida, und überquerte den Atlantik: Bei der Landung auf dem Flughafen London-Gatwick begrüßte Sir Richard Branson die Maschine persönlich, denn der Gründer von Virgin Atlantic wollte die Bedeutung dieses Tages unterstreichen.

Sir Richard Branson, Gründer von Virgin Atlantic: „Dieser Flug ist ein riesiger Schritt vorwärts, um diese neue Technologie als Mainstream zu etablieren.“

Industrie-Abgase recyceln

Abgas-Recycling-Treibstoff lässt sich laut den Erfindern aus ganz verschiedenen Abgasen herstellen, doch die Abgase in diesem Fall stammen hauptsächlich aus den kohlenmonoxidhaltigen Abgasen einer Stahlfabrik. Normalerweise gelangen diese Abgase einfach in die Atmosphäre.

Wir waren schon immer darauf bedacht, die Folgen für die Umwelt zu reduzieren.

Craig Kreeger, CEO von Virgin Atlantic

Stattdessen fängt LanzaTech die Abgase ein und leitet sie einer ganz eigenen Zusammenstellung von Mikroben und Einzellern zu, welche die Gase in Alkohol umwandeln. Im weiteren Herstellungsprozess entsteht daraus dann Treibstoff.

Treibhausgase reduzieren

Branson sagt in einer gemeinsamen Stellungnahme der Virgin Group und LanzaTech: „Langstreckenflüge sind wichtiger als je zuvor, um Menschen auf der ganzen Welt zu verbinden. Es liegt in unserer Verantwortung, dass wir dabei auf Nachhaltigkeit achten. Die Zusammenarbeit mit LanzaTech ermöglicht es, unsere Kohlendioxidemissionen deutlich zu reduzieren und gleichzeitig die britische Industrie zu unterstützen.“

Weiter führt Branson aus: „Wir freuen uns, dass wir diesen Treibstoff auf einem ersten kommerziellen Flug demonstrieren konnten, denn wir planen die weltweit erste Raffinerie mit dieser neuen Technologie. Der Herstellungsprozess von LanzaTech ist so wichtig, weil darin kohlendioxidreiche Industrie-Abgase verarbeitet und recycelt werden - anstatt weitere fossile Brennstoffe zu verarbeiten.“

Die Virgin Group versucht mit solchen Aktionen, die britische Regierung zur Freigabe von weiteren Fördermitteln zu bewegen, die ein umweltschonendes Recycling von Abgases der heimischen Industrien in dem LanzaTech-“Alcohol-to-Jet“-Prozess unterstützen.

Unabhängige Gutachten sollen dem Abgas-Treibstoff von LanzaTech bescheinigen, dass er mehr als 70 Prozent weniger Treibhausgase freisetzt, als bei einer vergleichbaren Menge konventionellen Treibstoffs.

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Alternativen für Treibstoff sind gefragt

Neben diesem vielversprechenden Ansatz von LanzaTech und der publikumswirksamen Demonstration von Virgin Atlantic gab es bereits andere Ansätze, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Ganz weit vor wagen sich die Entwickler von Elektro- und Hybridflugzeugen, aber auch mit alternativen Treibstoff-Gemischen gab es viele Tests.

So hatte die australische Fluglinie Quantas jüngst auf einem ihrer Flüge zehn Prozent des normalen Treibstoffes durch Bio-Treibstoff aus Senfsaat ersetzt, und Alaska Airlines testete bereits 2016 den Einsatz von Treibstoff aus Holzresten und ersetzte damit immerhin zwanzig Prozent der Tankfüllung. Auch die amerikanische Airline United testete schon Bio-Treibstoffmischungen auf Kurzstreckenflügen zwischen San Francisco und Los Angeles.

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