Leben

In Deutschland kommen bald Insekten auf den Teller

von Leonie Butz

Am 1. Januar 2018 tritt die neue Novel-Food-Verordnung in Kraft – dann zählen Insekten zu Lebensmitteln, die theoretisch in Deutschland zum Verzehr freigegeben sind.

In Deutschland kommen bald Insekten auf den Teller
Auge in Auge mit dem Essen: Insekten – wie diese Heuschrecke – gelten ab Januar 2018 als sogenanntes Novel Food. Foto: Unsplash/Boris Smokrovic

Das erfahren Sie gleich:

  • Mehlwürmer, Heuschrecken & Co.: Die Tierchen sind echte Superfoods
  • Die Verarbeitung von Insekten etwa zu Mehl war in Deutschland bisher jedoch verboten
  • Ab 2018 gelten Insekten in der EU offiziell als Lebensmittel – und können auch verarbeitet auf dem Teller landen

Warum wir keine Insekten essen

Von der Logik her ist die Sache ganz eindeutig: Insekten brauchen weniger Platz, weniger Futter als andere Tiere und keine Temperaturregulierung. Die niedrigen CO2-Emmissionen lassen Hühner, Schweine und ganz besonders Kühe blass aussehen. Zusätzlich enthalten Insekten dreimal mehr Eiweiß als andere tierische Produkte und sehr viel weniger Fett – besonders für eine körperbewusste Ernährung sind die kleinen Krabbler also ideal.

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Warum landen Insekten also hier in Deutschland nicht regelmäßig auf dem Teller? Naja, ist halt eklig, zumindest auf den ersten Blick. Insekten assoziieren hierzulande viele mit mangelnder Hygiene oder Schmutz. Das galt aber vor 150 Jahren auch noch für Hummer, der als Kakerlake des Meeres verschrien war. Heute ist das Krustentier eine heißbegehrte Delikatesse – die sich übrigens sehr viel ungesünder ernährt als etwa ein Grashüpfer.

In Belgien landen Burgerpatties aus Mehlwürmern seit über einem Jahr auf dem Teller.

Ein sehr viel größeres Problem stellt momentan aber die gesetzliche Lage dar – zumindest bisher. Während ganze Insekten weniger problematisch sind, ist in Deutschland die Verarbeitung der Tiere zu Mehl nicht erlaubt. Dabei würde es die Konsumenten vielleicht weniger abschrecken, wenn die Insekten als Mehl in Burger oder in Falafel eingebacken wären.

Hintergrund: Nach dem BSE-Skandal vor rund 17 Jahren erließ die EU ein Gesetz gegen Tiermehl als Futtermittel für andere Tiere. Da dieses Gesetz in Deutschland sehr strikt befolgt wird, ist selbst Insektenmehl von diesem Verbot betroffen – und das sowohl für Tiere als auch für den Menschen. In unseren Nachbarländern sieht die Regierung die Verordnung hingegen nicht so streng. In Belgien etwa landen Burgerpatties aus Mehlwürmern von dem Osnabrücker Unternehmen Bugfoundation seit über einem Jahr auf dem Teller.

Warum wir keine Insekten essen
Viele ekeln sich vor der Vorstellung Insekten zu essen. Zu Mehl verarbeitet bieten die kleinen Krabbler aber eine gute Alternative zu klassischem Fleisch. Foto: CC0: Unsplash/adils photography

Insekten sind Novel Food

Ab dem 1. Januar 2018 tritt aber eine neue Verordnung für Novel Food (also neuartige Lebensmittel) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Kraft. Damit sind Insekten zwar noch nicht offiziell als Lebensmittel zugelassen, interessierte Verkäufer können jedoch ein Dossier bei der EFSA einreichen. Die Behörde prüft dann die Zulassung in Europa. Anbieter von Insekten-Lebensmitteln haben so zumindest eine Chance, einen neuen Markt für sich zu entdecken – auch wenn die Prüfung der Anträge Monate dauern kann. Und sicherlich entsteht so auch mehr Konkurrenz auf dem Markt, die die Preise für gemahlene Insekten für den Endverbraucher senken könnte.

Aber warum sollten jetzt Insekten auf dem Teller landen? Nur weil es erlaubt ist? Wer nicht auf Fleisch verzichten möchte, seinen ökologischen Fußabdruck aber deutlich verringern will, der fährt mit der Krabbler-Alternative sehr viel besser als mit herkömmlichen Fleisch.

Ein Kilogramm Rindfleisch setzt während der Produktion fast 15 Kilogramm CO2 frei, die gleiche Menge an Insektenfleisch nur knapp 0,15 Kilo.

Die CO2-Bilanz ist sehr viel besser: Ein Kilogramm Rindfleisch etwa setzt während der Produktion fast 15 Kilogramm CO2 frei, die gleiche Menge an Insektenfleisch nur knapp 0,15. Und auch der Wasserverbrauch der Insekten ist sehr viel geringer als bei anderen Tieren. Zucht und Produktion von einem Kilogramm Schweinefleisch verbraucht rund 5000 Liter Wasser. Insekten hingegen benötigen für ein Kilo Fleisch nur knapp einen Liter Wasser, da sie die benötigte Flüssigkeit mit ihrer Nahrung aufnehmen. Was die Umweltbilanz angeht, sind Insekten anderen Fleischlieferanten also weit voraus.

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Essen oder Futtermittel

Ein weiterer Faktor ist der Bedarf an Nahrung. Im Vergleich zu Schweinen etwa benötigen Insekten nur knapp die Hälfte an Futter bei der gleichen Menge an produziertem Fleisch. Laut der EU Kommission dienen bisher 40 Prozent der Getreideernte als Futter für Tiere. Um ein Kilogramm Schweinefleisch zu produzieren, benötigt ein Landwirt etwa drei Kilogramm pflanzliches Futter.

Ein anderer Ansatz sieht in Insekten deshalb das Futtermittel der Zukunft. Bisher besteht proteinreiches Futter für Zuchttiere oft aus Fisch oder Soja – beide Methoden sind umstritten. Für Soja-Monokulturen holzen Unternehmen riesige Flächen des südamerikanischen Regenwaldes ab, und knapp ein Viertel des Fischfangs landet heute in Futtermitteln. Auch hier könnte die neue Verordnung Abhilfe schaffen. Denn mit einer Zulassung von Insekten als Nahrungsmittel könnten sie auch als Futtermittel zum Einsatz kommen.

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