Elektromobilität

Nio: China stellt erste Batteriewechsel-Stationen für E-Autos auf

von Marten Zabel

Für mehr Reichweite: Der chinesische Autohersteller Nio baut in China Stationen auf, in denen die Batterien von Elektroautos automatisch getauscht werden.

Ein Highway in Schanghai von oben.
Immer mehr Elektroautos sind in China unterwegs – um die Reichweite zu verbessern, hat Hersteller Nio jetzt erste Stationen zum Wechseln von Batterien aufgestellt. Foto: Shutterstock / charleschen

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sich ein System, die Batterie vom Elektroauto an der Straße zu wechseln, in China ausbreitet
  • Wie sich dadurch die Reichweite des Elektroautos massiv steigern lässt
  • Wie China so seinen Vorsprung in Sachen Elektromobilität ausbauen will

Der Hersteller Nio behauptet, sein automatisches System könne den Fahrzeugakku bestimmter Elektroautos innerhalb von drei Minuten austauschen. Jetzt hat das Unternehmen begonnen, erste Wechselstationen in seiner chinesischen Heimat aufzustellen – zum Teil direkt neben den Ladestationen von Konkurrenten wie Tesla, die Nio langfristig auszuhebeln versucht.

Während andere Entwickler wie Tesla selbst die nötige Technik zum schnellen Batteriewechsel beim Elektroauto angedacht aber wieder verworfen haben, macht Nio jetzt Ernst. 18 Stationen sind entlang einer Strecke von mehr als 2000 Kilometern der Schnellstraße G4 entstanden. Diese führt von Peking über Hongkong nach Macau. Bis 2020 sollen es sogar 1100 der Container werden, in denen Automaten bei Wagen vom Typ Nio ES8 den Akku tauschen.

Elektroauto: Mehr Reichweite dank Batteriewechsel

Der Batterietausch als kurzer Tankstopp hat für Elektroautos seine Vor- und Nachteile. Die Zeitersparnis gegenüber einem vollständigen Laden des Akkus ist natürlich enorm – hier stehen Minuten gegen Stunden. Auf der anderen Seite ist die Technik komplizierter und somit anfälliger als bei einem fest verbauten Energieträger. Der Akku ist schließlich die teuerste Komponente des Autos. Diese abzugeben und zu hoffen, dass das Wechselstück qualitativ genauso gut ist, dürfte für viele Besitzer von Elektroautos ein gewisses Hemmnis beinhalten.

Um das Problem Batterieverschleiß zu umgehen, hat Nio für seinen Akkutausch ein eigenes Geschäftsmodell entwickelt: Die Fahrer besitzen den Akku nicht, sondern mieten ihn. Für umgerechnet rund 160 Euro können Kunden in China den Akku mieten und haben dann auch Zugriff auf das Tauschsystem. Den Akku zu mieten senkt dabei auch den Kaufpreis für das Fahrzeug, da die Batterie dann nicht in diesem enthalten ist – und bringt Nio auch nach dem Verkauf von Autos eine laufende Einkommensquelle ein.

Chinas Vorsprung in Sachen Infrastruktur für Elektromobilität

Ob die Technik zuverlässig ist und sich so durchsetzen kann, muss sich erst zeigen. Klar ist, dass ein schnell auswechselbarer Akku die Reichweite entlang entsprechend ausgestatteter Strecken deutlich erhöhen wird. Neben der fehlenden Infrastruktur gelten kurze Reichweiten und fehlende Lade-Infrastruktur hierzulande noch als Hemmnis für die massenhafte Verbreitung der Elektromobilität. Das könnten derartige Technologien lösen. Sie müssen dabei aber mit Konkurrenzsystemen wie etwa Wasserstoff-Brennstoffzellen konkurrieren können.

Das System von Nio liefert seinen Teil für die Infrastruktur der Elektromobilität in China. Was am Ende Standard wird, muss die Praxis zeigen. Die Umwelt wird es in jedem Fall freuen. Und ausgediente Batterien könnten auch bei Nio am Ende in Speicheranlagen für das Stromnetz ein zweites Leben erhalten.

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