Elektromobilität

ICCT-Studie: E-Autos sind umweltfreundlicher als Verbrenner

von Leonie Butz

Wie umweltfreundlich ist ein Elektroauto? Studien sagen unabhängig voneinander: Das E-Auto ist sauberer als Benziner und Diesel-Autos.

Zeichen einer Ladestation für Elektroautos
Elektroautos machen blau: Eine ICCT-Studie zeigt, dass Elektroautos über ihren ganzen Lebenszyklus umweltfreundlicher sind als Verbrenner. Foto: picture alliance / dpa

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum ein Elektroauto laut Paul Scherrer Institut sauberer ist als ein Verbrenner
  • Welche Faktoren die Umweltbilanz der Elektromobilität beeinflussen
  • Wie E-Autos noch umweltfreundlicher werden könnten

Noch immer bringen Skeptiker der Elektromobilität einen Kritikpunkt an, der an der Entscheidung für ein Elektroauto rüttelt: Die Produktion der Batterie sei so belastend für die Umwelt, dass ein E-Auto nicht umweltfreundlicher als ein Verbrenner sein könne. Außerdem sei der Strommix, der ins E-Auto fließt, alles andere als sauber.

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Mit dem Thema beschäftigen sich deshalb Organisationen und Forscher in aller Welt. Das Ziel ist herauszufinden, welche Art der Mobilität grüner ist. Einfach scheint das jedoch nicht zu sein, denn viele Faktoren spielen in die Umweltbilanz ein.

BDEW: Elektroautos selbst mit normalem Strom grüner

Für den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist es die Zahl der Woche: Elektroautos sind für 60 Prozent weniger CO2 verantwortlich, als Benziner und Diesel. Zu dieser Erkenntnis kommen die Verantwortlichen nach einer Berechnung mit Daten aus dem vergangenen Jahr.

Demnach lag im bundesweiten Strommix 2017 der Anteil der erneuerbaren Energien bei 36,5 Prozent. 38,1 Prozent stammten hingegen aus Braun- und Steinkohle. Erdgas kam immerhin auf 10,2 Prozent, während die Kernenergie 12,7 Prozent ausmachte. Bei einer Fahrleistung von 14.300 Kilometern pro Jahr liegt die CO2-Bilanz eines Elektroautos bei 1,06 Tonnen. Ein Benziner stößt bei gleicher Fahrleistung laut BDEW rund 2,52 Tonnen aus, ein Diesel 2,56 Tonnen.

Gleichzeitig geben die Experten zu bedenken, dass der Anteil an erneuerbaren Energien am Strommix in den kommenden Jahren steigt. Damit verbessert sich auch die Umweltbilanz der Elektroautos immer weiter. Wer schon heute zu 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien tankt, verringert den CO2-Ausstoß seines Autos sogar auf Null.

Erkenntnisse aus der Schweiz machen Hoffnung

Das Paul Scherrer Institut (PSI) im Schweizer Kanton Aargau beschäftigte sich in den vergangenen Monaten mit der Ökobilanz von Elektrofahrzeugen. Die Studie kam dabei zu einem interessanten Schluss, demnach Elektroautos tatsächlich umweltfreundlicher sind als ihre Gegenstücke mit Verbrennungsmotoren.

Dafür müssen sie jedoch zunächst einige Zeit auf der Straße verbringen. Erst nach rund 50.000 Kilometern liegen die Fahrzeuge im wortwörtlich grünen Bereich. Jedoch auch nur, wenn der zum Aufladen der Elektroautos genutzte Strom aus erneuerbaren Energien stammt. Sonst steigt der Wert weiter in die Höhe.

Erst wenn der gesamte Strom für ein Elektroauto von einem Erdgaskraftwerk käme, wären die CO2-Emissionen vergleichbar mit jenen eines Dieselautos.

Christian Bauer vom Paul Scherrer Institut

Doch wieso ist die Umweltbilanz erst nach etwa 50.000 Kilometern positiv? Die Gründe dafür sehen die Forscher in der Herstellung der Akkus. Die Produktion sei eine Belastung für die Umwelt, die Elektroautos erst nach mehreren zehntausend Kilometern kompensieren. Auf die Lebensdauer der Fahrzeuge gerechnet, seien sie dennoch umweltfreundlicher.

ICCT: Studie attestiert Elektroautos Umweltfreundlichkeit

Die Ergebnisse der Forscher bestätigt eine Studie des internationalen Rates für sauberen Verkehr (ICCT). Die gemeinnützige Organisation schaute sich elf Forschungsarbeiten zum Thema Umweltfreundlichkeit von E-Autos und Verbrennern an. "Elektroautos sind über ihre Lebenszeit sehr viel sauberer als Autos mit Verbrennungsmotoren", heißt es hier bereits in der Einleitung der Untersuchungspapiere.

Die Untersuchung des ICCT zeigt, dass bei einem Elektroauto nur die Hälfte der Treibhausgasemissionen anfallen, die bei einem durchschnittlichen europäischen Pkw entstehen. Die Herstellung des Akkus ist hierbei bereits eingerechnet – der Strommix jedoch noch nicht.

Aber auch wenn das Auto mit dem in Europa vorherrschenden Strommix geladen wird, ist das Elektroauto um fast 30 Prozent sauberer als ein Verbrenner. Das gilt auch für Plug-in-Hybride, vorausgesetzt, dass sie die meiste Zeit mit Elektroantrieb fahren.

Sauberer – trotz Emissionen bei der Produktion

Richtig grün wird es in Ländern, in denen der Strommix "sauberer" ist als hierzulande. In Norwegen und Frankreich etwa zeigt die ICCT-Studie Emissionen von weniger als einem Drittel für E-Autos im Vergleich zu Verbrennern. Selbst in Deutschland, das einen sehr hohen Anteil an Kohlestrom hat, ist das Elektroauto noch immer umweltfreundlicher als der Verbrenner.

Updates

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Bei der Produktion der Batterie fallen mehr Emissionen an als bei der Herstellung herkömmlicher Autos, aber diese würden "nach nur zwei Jahren amortisiert", schreibt der ICCT. Stammt der Strom für das Auto aus erneuerbaren Quellen, ist die Produktion sogar bereits nach eineinhalb Jahren ausgeglichen.

In Zukunft, so glaubt der ICCT, gingen die Emissionen außerdem noch weiter zurück, da bei der Produktion Ökostrom, umweltfreundlichere Technologien und recycelte Materialien zum Einsatz kämen. Darauf zu warten, dass Elektroautos beinahe an die Null-Emission heranreichen, hält der Rat für falsch. Man müsse jetzt den Wandel hin zur Elektromobilität anschieben.

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