Elektromobilität

Hyperloop TT: Konkurrenz für Hyperloop One – in Hamburg?

von Marten Zabel

Mit ersten Teststrecken will Hyperloop TT in Europa ein Konkurrenzprojekt zu Hyperloop One aufbauen – in Deutschland wohl zunächst in Hamburg.

Ein Konzeptdesign der Hyperloop-Station in Chicago; um die Station sind Bäume zu sehen, die Station selbst ähnelt einem dreieckigen Station.
Eine grüne Haltestelle: In Chicago könnte die Station des Hyperloop TT aussehen wie auf dieser Konzeptzeichnung. In Toulouse bekommt der Hyperloop sicherlich ein ähnlich futuristisches Äußeres. Foto: Hyperloop Transportation Technologies

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Reisekapsel von Hyperloop TT aussehen soll
  • Wo Hyperloop TT seine erste eigene Teststrecke baut
  • Wann der Hyperloop von Toulouse starten soll

Wer mit dem ICE von Hamburg nach München fährt, braucht im besten Fall rund sechs Stunden und 15 Minuten. Mit dem Flugzeug geht es in rund einer Stunde und 15 Minuten bereits schneller – wobei noch zusätzliche Zeit für die Sicherheitskontrolle, den Check-In und das Boarding einzurechnen ist.

In Zukunft soll die Reise auf solchen Strecken mit dem Hyperloop viel schneller gelingen. Die in Unterdruck-Tunneln fahrende Magnetschwebebahn soll bis zu 1100 km/h erreichen und könnte so in nur rund 45 Minuten von Hamburg nach München rasen. Erste Teststrecken sollen beweisen, dass das keine Utopie ist.

Hyperloop TT: Schnellreisen bald in Hamburg?

Der erste in Deutschland nutzbare Hyperloop könnte in Hamburg entstehen. Die Hafengesellschaft der Hansestadt hat kürzlich einen entsprechenden Pakt mit der Firma Hyperloop TT geschlossen. Eine Beförderung von Personen soll es aber vorerst nicht geben.

Stattdessen soll das System beim Transport von Waren helfen. Der Hamburger Hafen und die Logistik AG stecken hinter der Idee. Laut Hamburger Abendblatt ist geplant, am Hafen ankommende Waren über den Hyperloop weiterzutransportieren – etwa an Lager und Sammelpunkte im Umland.

Zwei Absichtserklärungen sollen die Hafenverwaltung und das Logistik-Unternehmen unterzeichnet haben. Der Bau könnte bereits in zwei bis drei Jahren beginnen. Wo, steht allerdings noch nicht final fest. Einen Streckenverlauf haben die Unternehmen bisher nicht erarbeitet. Wahrscheinlich ist aber ein Start am Verladebahnhof Altenwerder.

Hyperloop TT stellt erste Reisekapsel vor

Das Herzstück im Hyperloop-System ist natürlich die Bahn selbst, die Passagiere in Zukunft mit einem Tempo oberhalb der Schallgeschwindigkeit transportieren soll. Damit das Funktioniert, braucht es modernste Technik und ein ausgeklügeltes Design.

Letzteres soll dabei helfen, selbst die geringsten Luftwiderstände noch möglichst einfach zu überwinden. Erste Designkonzepte zeigten sich deshalb oft sehr windschnittig. Das US-Unternehmen Hyperloop Transportation Technologies (Hyperloop TT) ist sogar bereits etwas weiter und präsentierte in Spanien kürzlich einen Zug zum Anfassen.

Der Prototyp “Quintero One” besteht zu großen Teilen aus Kohlenstofffasern und Verbundstoffen. Er ist 32 Meter lang und besitzt eine 15 Meter lange Kabine für Passagiere. Noch verrät das Unternehmen jedoch nicht, wie viele Reisende darin Platz finden.

Noch 2019 soll Quintero One erste Testfahrten in den Tunneln von Hyperloop TT absolvieren. Zuvor will das Unternehmen die Reisekapsel allerdings in Frankreich weiter verbessern.

Wo Hyperloop TT seine erste eigene Teststrecke baut

Das US-Unternehmen Hyperloop Transportation Technologies (Hyperloop TT) hat vor kurzem mit dem Bau seiner ersten Teststrecke begonnen – nahe dem französischen Toulouse soll ein Hochgeschwindigkeits-Transportsystem entstehen. Die Elektromobilität in der Röhre ist damit auch in Europa angekommen.

Bisher gibt es weltweit nur zwei längere Hyperloop-Teststrecken – beide sind in den USA. Zum einen betreibt Hyperloop One seine 500 Meter Teststrecke in der Wüste von Nevada. Zum anderen verfügt SpaceX über eine Teströhre von 1,2 Kilometern Länge, wenngleich diese nicht für den langfristigen Betrieb gebaut wurde. Auch China experimentiert mit blitzschnellen Zügen in Vakuumröhren – steht aber anscheinend noch am Anfang der Forschungen.

Warum der Vorsprung von Hyperloop One nur gering ist

Beide sind allerdings nicht in voller Baugröße, sondern im kleinen Maßstab gehalten, in dem die Betreiber vor allem Antriebstechnologien testen wollen. Trotzdem haben SpaceX und Hyperloop One mit fertigen Teststrecken eindeutig einen Vorsprung gegenüber dem Konkurrenten Hyperloop TT.

Im Gegensatz zu den Anlagen von SpaceX und Hyperloop One installiert Hyperloop TT das erste Rohr gleich in vollem Maßstab. Momentan befindet sich das Unternehmen noch in der Installation – dennoch könnten die funktionsfähigen Testgeräte später theoretisch direkt kommerziell nutzbar werden.

Die dritte weltweit aktive Hyperloop-Teststrecke bei Toulouse soll einen Innendurchmesser von vier Metern bekommen. Das bedeutet, dass die darin verkehrenden Schlitten auch reguläre Container transportieren können.

Erst im März 2018 hatte das Unternehmen Hyperloop TT von sich reden gemacht, als es ankündigte, eine Streckenstudie zwischen Chicago und Cleveland durchführen zu wollen.

Wann der Hyperloop von Toulouse starten soll

Noch in diesem Jahr will Hyperloop TT die erste Röhre bei Toulouse mit einer Länge von 320 Metern in Betrieb nehmen – inklusive hermetischem Verschluss und Unterdruck für weniger Reibungswiderstand. 2019 kommt eine längere Teststrecke von einem Kilometer Länge hinzu.

Im Rahmen von Funktionstests und Wettbewerben sind die ersten Magnetschlitten bereits über die Strecken von Hyperloop One und SpaceX gefahren. Dabei haben sie Geschwindigkeiten von mehreren Hundert Kilometern pro Stunde erreicht.

In der vollen Größe und auf echten Transportstrecken soll allerdings deutlich mehr möglich sein: Das von Elon Musk aufgelebte Konzept soll Schlitten bei einem Beinahe-Vakuum auf Überschallgeschwindigkeit bringen, um so Langstreckenverkehr für Passagiere und Fracht zu revolutionieren.

Ob der Hyperloop das Langstreckentransportmittel der Zukunft oder nur eine Sackgasse der Technologiegeschichte ist, muss sich erst noch zeigen. Fakt ist, dass nicht nur Hyperloop TT in Toulouse auf dieses Projekt setzt. Neben dem Luftfahrtkonzern Airbus sitzen in der französischen Stadt noch weitere Technologiepartner, welche die Teststrecke ebenfalls nutzen werden.

Die erste Transportkapsel ist aktuell noch in der Fertigung im spanischen Carbures und soll ab Sommer 2018 zur Verfügung stehen.

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