Elektromobilität

Hunderte Start-ups forschen in Israel an der Mobilität von morgen

von Peter Michaely

Silicon Valley oder Silicon Wadi? Wer die Zukunft der Mobilität gestalten will, findet in Israel derzeit die besten Voraussetzungen.

Tel Aviv aus der Vogelperspektive.
Tel Aviv ist momentan eines der wichtigsten Tech-Zentren der Welt. Foto: Shutterstock / The World in HDR

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Israel als Start-up-Nation so erfolgreich ist
  • Welche Ideen israelische Start-ups im Bereich Mobility umsetzen
  • Warum auch deutsche Firmen vom israelischen Start-up-Boom profitieren

Tel Aviv ist Innovationshauptstadt

Längst ist das Silicon Valley in Kalifornien nicht mehr das einzige Gelobte Land für Start-up-Gründer. Wer „Gelobtes Land“ wörtlich nimmt, kommt dem aktuellen Hotspot auf die Spur: Israel ist derzeit die innovativste Start-up-Nation, auch in Sachen Elektromobilität.

Fast 7000 Start-ups gibt es im Land an der südöstlichen Mittelmeerküste. Mit 8,5 Millionen Menschen hat es etwa so viele Einwohner wie die Schweiz und ist kaum größer als Hessen. 1500 der hoch innovativen jungen Firmen haben ihren Sitz in Tel Aviv. Damit hat die Stadt nach dem Silicon Valley die zweithöchste Dichte an High-Tech-Start-ups. Zum Vergleich: Der Deutsche Startup Monitor 2017 (DSM) listet insgesamt nur 1837 beteiligte Start-ups auf.

500 Start-ups forschen an der Zukunft der Mobilität

Die hohe Start-up-Dichte in Israel ist natürlich kein Zufall, sondern das Resultat konsequenter Förderung. Sowohl der staatliche Bildungssektor als auch die Armee spielen neben Kapitalgebern aus aller Welt eine Schlüsselrolle.

Weit über 300 israelische Start-ups beschäftigen sich mit Cybertechnologie, mehr als 500 forschen an der Zukunft der Mobilität. Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zeigt die Verteilung in die einzelnen Gebiete:

  • 40 Prozent der Start-ups sind in der Sparte „Smart Mobility“ aktiv
  • 23 Prozent im Bereich neuer Fahrzeugtechnologien
  • 17 Prozent haben sich auf autonomes Fahren spezialisiert
  • 15 Prozent auf E-Mobilität
  • Die restlichen fünf Prozent forschen in Spezialgebieten

Die Forschungsgebiete klingen nach Science Fiction und sind dennoch bereits Realität. So arbeitet die in Tel Aviv ansässige Firma Argus daran, moderne Fahrzeuge vor Cyber-Angriffen zu schützen. Ihr Geschäftsführer arbeitete früher für die israelische Spezialeinheit 8200, die in Sachen IT- und Cybersecurity als eine der besten Adressen der Welt gilt – und ein Talentpool für viele israelische Start-up-Gründer ist.

Außerdem schafft der Staat lukrative Anreize für ausländische Risikokapitalgeber. Die Investitionen liegen bei über 4,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Argus, 2013 gegründet, wurde 2017 von Continental übernommen, für einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.

Autohersteller investieren im Silicon Wadi

Aktuelle Studien gehen davon aus, dass allein der Markt für fahrzeugspezifische Cyber-Sicherheitssysteme bis 2020 um rund 30 Prozent wachsen wird. Porsche hat im sogenannten Silicon Wadi (in und um Tel Aviv) bereits ein Forschungszentrum eröffnet, Volkswagen und Daimler ebenso. Hyundai will nachziehen.

BMW steht dem Vernehmen nach ebenfalls in den Startlöchern und hat sich bereits an der Fahrplanauskunft Moovit und der Firma Mobileye beteiligt. Diese entwickelt kamerabasierte Systeme für das autonome Fahren und wurde 2017 von Intel für 15,3 Milliarden Dollar geschluckt. V

W ist zum Beispiel am Fahrdienstvermittler Gett beteiligt. Die Liste ließe sich fortsetzen. Andere Hersteller und Zulieferer wie Honda, Volvo, Renault oder Bosch nutzen ebenfalls die personellen und fachspezifischen Ressourcen im Silicon Wadi.

Start-ups für alle Mobilitätsbereiche

Das Angebot der dort angesiedelten Start-ups deckt das gesamte Spektrum der modernen Mobilität ab. Spezielle Start-ups haben Lösungen für das Laden von Elektroautos entwickelt, entweder mithilfe von Induktionsschleifen in der Straße oder völlig neuartigen E-Auto-Batterien, die sich angeblich in fünf Minuten aufladen lassen.

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Wieder andere bieten neuartige Scanner- und Sensortechnologien, Navigationslösungen oder Mobilitätsvorhersagen an. Längst hat auch der Bundesverband Deutsche Startups die Attraktivität des Standorts Israel entdeckt: Sein German Israeli Startup Exchange Program (GISEP) vernetzt israelische Start-ups mit potenziellen Investoren aus der Industrie.

Womöglich schaffen es in der Folge auch deutsche Start-ups im Bereich der Elektromobilität, auf den lukrativen Zug aufzuspringen. Genügend innovative Ideen hat das Land ja – zum Beispiel die mobile Ladestation fürs Elektroauto von Chargery.

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