Technik

HoloLens-Datenbrille hilft Blinden bei der Orientierung

von
Carola Franzke

Microsofts HoloLens-Datenbrille kann – dank 3D-Mapping-Funktion – Blinden die selbständige Orientierung ermöglichen. Daran arbeiten Forscher des Caltech.

Die HoloLens-Datenbrille von Microsoft.
Nicht nur für Zocker interessant: Die HoloLens-Datenbrille von Microsoft. Foto: Microsoft

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie eine Datenbrille mehr wird als ein Spiele-Gadget
  • Wie die HoloLens der Orientierung für Blinde dient
  • Welche Möglichkeiten der technischen Hilfe für Blinde es bisher gibt

Eine Datenbrille, die eigentlich zum Spielen entwickelt wurde, soll bald Blinden bei der Orientierung helfen. Als Microsoft die HoloLens-Datenbrille Anfang 2015 vorgestellt hat, war sie ursprünglich als Zubehör für Windows 10 und erst einmal für das Spiel Minecraft gedacht.

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HoloLens bietet dem Nutzer eine „Augmented Reality“ (also: „erweiterte Realität“). Das bedeutet, dass die Welt durch die halbtransparente Brille noch sichtbar ist, sich aber mit digitalen Inhalten überblenden lässt – etwa dem Spielinhalt. Mit einer Schnittstelle, die das System für alle möglichen Anwendungen öffnet, rücken auch immer mehr praktische Anwendungsfälle für die Technik in den Fokus – auch im Gesundheitssystem.

Datenbrille als Orientierung für Blinde

Eine neue App für die HoloLens-Datenbrille bietet Hilfe für Blinde bei der Orientierung in fremden Räumen. Grundlegend dafür ist die 3D-Mapping-Funktion des Gerätes. HoloLens kann in Echtzeit Räume und Gegenstände kartographieren und den Träger per Sprachanweisungen hindurch manövrieren.

Die App, die das ermöglichen soll, entwickeln Forscher am California Institute of Technology (Caltech). Ein Mitautor der entsprechenden Studie, Markus Meister, sieht großes Potential darin, die Datenbrille in Hotels und großen Einkaufs- oder Veranstaltungszentren für sehbehinderte und blinde Besucher anzubieten.

Technische Hilfen für Blinde

Der Bedarf an Hilfsmitteln für Blinde ist riesig. Die World Health Organisation (WHO) schätzt, dass es weltweit rund 253 Millionen Blinde und Sehbehinderte gibt. Entsprechend gibt es natürlich bereits viele Geräte zur Unterstützung eines selbstbestimmten Lebens. So beispielsweise Braille-Displays und Tastaturen, die Blinden und Sehbehinderten den Gebrauch eines Computers ermöglichen.

Es gibt auch schon Navigationshilfen für draußen – so kann man sich etwa von Google Maps dirigieren lassen. Und auch für die Hilfe von Fremden gibt es bereits eine App: Be my eyes vernetzt weltweit blinde Menschen und jene, die ihnen im Alltag helfen wollen.

Bei der Orientierung in geschlossenen Räumen gibt es bisher nur wenige Hilfsmittel. Die ersten blinden Versuchspersonen sind von den Testläufen ganz begeistert. Sie konnten mit Sprachkommandos wie „Geländer an beiden Seiten“, „Treppe hoch“ und „gleich rechts herum“ auf Anhieb ihr Ziel in einem komplexen Testparcours erreichen.

So können sich Blinde in völlig fremden Umgebungen schneller und sicherer zurechtfinden – und leichter am Alltag teilhaben.

Markus Meister

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Trotzdem ist die App noch nicht völlig reif für die Anwendung im echten Leben. Bisher erkennt die Datenbrille nur die Räume und Gegenstände darin. Die App kann jedoch nicht vor Menschen warnen, die den Weg der blinden Person kreuzen. Das Caltech-Team hat also noch etwas Arbeit vor sich.

In ganz anderer Form nutzt die chinesische Regierung die Brille. Im Land der Mitte tragen Polizisten eine Datenbrille, um Verstöße direkt filmen zu können – ähnlich der Bodycam der deutschen oder der amerikanischen Polizei.

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