Gesundheit

Hirnschrittmacher: Wie Technik gegen die Sucht hilft

von Carola Franzke

Neue Methode im Kampf gegen die Drogensucht: Hirnschrittmacher könnten dabei helfen, Suchtkranke zu heilen. Die Operationen sind allerdings riskant.

Vor einem orangen Hintergrund ist eine einzelne, geöffnete Wallnuss zu sehen, die einem Gehirn ähnlich sieht.
In a Nutshell: Genau wie bei Parkinson ist auch bei einer Sucht ein Neuronenfeuer im Gehirn zu beobachten. Hirnschrittmacher können da helfen. Foto: Pixabay/ulleo

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Hirnschrittmacher nicht nur bei Parkinson und anderen Nervenerkrankungen helfen
  • Wie neue Technik mithilfe elektrischer Impulse das Belohnungszentrum beeinflusst
  • Was die Vorteile und die Nachteile der neuen Behandlungsmethode gegen Drogensucht sind

Hirnschrittmacher beim Entzug

Ein Hirnschrittmacher gegen die Sucht – dieses Gerät lässt viele Betroffene auf Hilfe hoffen. Schon im November 2017 hat die amerikanische Medikamentenaufsicht ein Hörgerät-ähnliches Gerät freigegeben, das die Symptome von Medikamenten- und Drogenentzug lindern soll.

Die Universität von West Virginia will jetzt noch einen Schritt weitergehen und Elektroden für einen Hirnschrittmacher ins Gehirn implantieren. Klinische Studien sollen im Laufe des Jahres mit Abhängigen starten.

Neue Technik gegen die Sucht

Ähnlich wie ein altmodisches Hörgerät wird das offiziell zugelassene „NSS-2 Bridge“ nicht-invasiv hinter dem Ohr getragen. Es wurde ursprünglich entwickelt, um chronische und akute Schmerzen zu behandeln, wie sie etwa bei einer Trigeminusneuralgie auftreten – einer Form von Gesichtsschmerz.

Das Gerät überträgt elektrische Impulse und stimuliert damit Regionen im Gehirn, die für das Schmerzempfinden verantwortlich sind. Diese Impulsgeber-Technik hat bereits Erfolge gegen die Sucht erzielt und wie erwartet die Symptome von Drogenentzug lindern können.

Implantierte Hirnschrittmacher

Implantierte Hirnschrittmacher sollen noch viel besser wirken. Dazu sollen zwei Elektroden in das Gehirn eingesetzt und dann über ein Herzschrittmacher-ähnliches Gerät gesteuert werden.Eine solche Operation ist allerdings sehr unangenehm und riskant.

Es sind zwar nur relativ kleine Bohrungen im Schädel notwendig, aber die Patienten müssen während des Eingriffs bei Bewusstsein bleiben. Die Operateure stellen damit sicher, dass die Elektroden in den richtigen Hirnregionen landen.

Außerdem ist die Gefahr von Infektionen ist groß. Gerade bei Menschen, deren Gesundheit auf Grund von möglicherweise langjährigem Drogenkonsum gelitten hat, dürfte das Infektionsrisiko ein Problem sein.

Parkinson und Drogensucht

Bei Parkinson, der sogenannten Schüttellähmung, ist die tiefe Hirnstimulation schon fast gängige Praxis: Ein implantierter Hirnschrittmacher kann helfen, wieder ein einigermaßen normales Leben zu führen. Allerdings wird diese Methode bei Parkinson bisher erst dann angewendet, wenn die Patienten medikamentös austherapiert sind und sonst nichts mehr hilft.

Es gibt auf neuraler Ebene eine entfernte Ähnlichkeit zwischen Parkinson und Drogensucht, die findige Wissenschaftler auf die Idee gebracht haben muss, solche Hirnschrittmacher auch gegen Drogensucht und deren Entzugssymptome einzusetzen.

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Bei Parkinson feuern Gruppen von Neuronen synchron und unabsichtlich, sie verursachen dadurch den typischen Tremor in den Extremitäten. Drogensucht verursacht auch so eine Art Neuronenfeuer, aber eben im Belohnungszentrum des Gehirns.

Diese Erkenntnis nutzen die Forscher jetzt, um Betroffenen im Kampf gegen die Sucht zu helfen und ihre Symptome beim Entzug zu lindern.

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