Leben

HipHop als Berufsorientierung für Generation Z

von Sabrina Lieb

Berufsorientierung und Nachwuchssicherung für Morgen: Wie ein Leipziger Sozialunternehmen mit Wurzeln im HipHop Schulen und Unternehmen aufmischt.

Eine Gruppe von Teenies
Mit Hiphop und Breakdance sollen Berufsorientierung und Recruiting auch bei Generation Z Gehör finden. Foto: Unsplash/ Brandon Zack

Das erfahren Sie gleich:

  • Kreative Nachwuchssicherung: Ein Unternehmen mit Wurzeln im HipHop geht neue Wege
  • Sie sprechen die Sprache der Jugendlichen: Berufsorientierung mit Rap und Breakdance
  • Die Generation Z auf dem Arbeitsmarkt – was Recruiter und Unternehmen erwartet

Berufsorientierung mit HipHop & Co.

Wer die Räume der Hero Society betritt, spürt sofort, dass hier ein ganz besonderer Vibe in der Luft liegt. An den Wänden hängen bunte Plakate, Graffitibilder und unzählige Post-its, darauf Visionen, wichtige To-Dos und Next Steps. „Aufstrebend, progressiv, am Puls der Zeit“ mag man über das Sozialunternehmen im Herzen von Leipzig sagen. Die beiden Gründer Marcell 'Doppel L' Heinrich und Mitch Senf haben sich der Berufsorientierung junger Talente verschrieben. Dafür schlagen die beiden jungen Männer eine Brücke zwischen Schule, Ausbildung und Unternehmen. Was sie antreibt? HipHop, zweifelsohne. Gepaart mit unausweichlichen Fragen der Zukunft wie: „Was brauchen Kinder und Jugendliche, um ihren Stärken und Talente zu erkennen?“, „Wie können wir das Potential junger Menschen entfalten?“ und „Wie können wir Unternehmen und Personaler dabei unterstützen, sich auf die Generation Z und damit auf den Arbeitnehmer der Zukunft vorzubereiten?“

Im rauen Osten der 90er Jahre war HipHop eine Flucht, Halt und Erfüllung zugleich, aber kein Königsweg in die Arbeitswelt.

Jeder Mensch verfügt über Talente und schlummernde „Superkräfte.“ Doch die wenigsten sind sich ihrer Potentiale wirklich bewusst. Deshalb schlagen viele Menschen unpassende Lebens- und Berufswege ein, in denen sie nicht glücklich werden können. Was dann passiert, ist unausweichlich: Betriebe werden unproduktiv, der Einzelne krank. Einer davon war der Gründer Marcell 'Doppel L' Heinrich selbst. Nach seinen Schul- und Ausbildungsabbrüchen suchte er als Jugendlicher nur noch einen Job, der ihn wenigstens nicht nervt. „Was für ein unterirdischer Ansatz für den eigenen Berufsweg“, schiebt der 37-Jährige heute nach. Denn was ihn wirklich antrieb war die Leidenschaft für HipHop. Mit seinen Rap-Crews „Microphoenix“ und „Marcelemcy & Mr. T-Rox“ veröffentlichte er Tapes, CDs und Schallplatten in der deutschen HipHop-Szene. Doch im rauen Osten der 90er Jahre war der Rap als „Sprache seines Herzens“ zwar eine Flucht aus den Gefahren der Nachwendezeit, Halt und Erfüllung zugleich, aber kein Königsweg in die Arbeitswelt. Zumindest auf den ersten Blick.

Human Capital auf dem Schulhof

Heute blickt Marcell Heinrich auf mehr als zehn Jahre Jugendarbeit zurück, darunter als rappender Streetworker und Schulsozialarbeiter. Im Auftrag von Schulbehörden bildet er Lehrer und Schulleiter fort, rappt als Redner schon mal auf Konferenzen und wirkt bundesweit in Klassenzimmern aller Schulformen mit. Gemeinsam mit dem ehemalige Breakdancer und Mitgründer Mitch Senf hat er bereits mehr als eine Million Biografien von Kindern und Jugendlichen beeinflusst. Die beiden Männer verstehen die Belange der Kids wie kein anderer: „Wir sind auf den Schulhöfen tagesaktuell an den Trends und Bedürfnissen der Jugendlichen dran. Nicht zuletzt, weil wir und unsere Trainer im Herzen selbst noch Teenager sind“, sagt Marcell Heinrich. Mehr als 30 Jugendtrainer zählt sein Team in der Zwischenzeit, darunter Fotografen, Tänzer, Sänger, Schauspieler, Kunstpädagogen, Erziehungswissenschaftler und Medienexperten. Allesamt zwischen 18 und 30 Jahren alt. Sie kommen ohne Lehrplan. Was sie mitbringen ist eine große Portion Leidenschaft, mit der sie pro Jahr rund 140 Schulen und Bildungseinrichtungen erreichen und mehr als 5.000 Kinder und Jugendliche begeistern. „Wir wollen zwischen den Kids und Unternehmen eine Brücke bauen. Die Schüler finden heraus, welche Begabungen in ihnen schlummern und die Firmen lernen, was die jungen Menschen heute wollen“, sagt Mitch Senf.

Wir sind alle nur eine Kümmerversion dessen, was wir sein könnten.

Dass die Hero Society keine hippe Eintagsfliege ist sondern in Zukunft zum Motor kreativer Potentialentfaltung werden kann, davon sind mittlerweile auch zahlreiche Botschafter deutschlandweit überzeugt. Zum Beispiel auch Professor Dr. Gerald Hüther. Der Neurobiologe ist Deutschlands renommiertester Hirnforscher, der mit Aussagen wie „Wir sind alle nur eine Kümmerversion dessen, was wir sein könnten“ ein gesellschaftliches Umdenken anstößt und das HipHop-Unternehmen unterstützt.

Wie tickt Generation Z?

Den jüngsten Erfolg feierte die Hero Society erst vor wenigen Wochen. Auf der Suche nach Investoren konnte das Unternehmen die Schweizer Drosos Stiftung für sich gewinnen und wird damit in Kürze die Jugendarbeit in Sachsen und Sachsen-Anhalt auf das nächste Level hieven. Im Fokus: jene Arbeitnehmer von Morgen, die schon von Kindesbeinen an die Flut von digitalen Informationen verarbeiten und für sich nutzen. „Die Generation Z stellt den Personalbereich vor ganz neue Herausforderungen, bringt aber auch viele Chancen und Möglichkeiten mit sich. Was erwartet den Arbeitsmarkt in Zukunft und wie können sich Unternehmen auf die jungen Menschen vorbereiten, die ganz neue Werte und Erwartungen mit sich bringen? Mit unseren Generation-Z-Schulungen werden wir dafür sorgen, dass Unternehmen, Personaler und Recruiter gewappnet sind, für Kids und Teenies hingegen wird es Podcasts und Videos zur Berufsorientierung geben“, so Marcell Heinrich. Eine Azubi-Schüler-Vermittlung steht ebenfalls schon in den Startlöchern und mit Berufsfindungs-Coachings wollen die Trainer in Zukunft auch junge Erwachsene zum Quell ihrer Talente führen.

Wenn jeder das täte, was er liebt, gäbe es weniger Ängste, mehr Zufriedenheit und weniger Ausbildungsabbrüche.

Gelebte Talente für mehr Zufriedenheit

„Wir wollen Menschen befähigen, Gestalter ihres Lebens zu werden.“ Als die beiden Männer vor sieben Jahren die Hero Society gegründet haben, hat vermutlich keiner von beiden daran geglaubt, dass sie mit ihrer Idee einmal so durch die Decke gehen werden. Oder vielleicht gerade doch? „Vor vielen Jahren gab ich einmal einen HipHop-Kreativ-Workshop an einer Schule. Ich hatte damals den tiefen Wunsch, dass eine solide Organisation daraus wird, welche die Potentiale tausender Jugendlicher zu entfalten hilft“, schreibt Heinrich auf seiner Facebook-Seite. Hinter dieses Vorhaben kann der zweifache Familienvater nun stolz einen Haken setzen. 2013 gewannen Marcell und Mitch den „Act for Impact“ Förderpreis für Sozialunternehmer, der höchstdotierte Preis im Bereich Bildung und Integration in Deutschland. Marcell Heinrich ist darüber hinaus ausgezeichnet für herausragendes soziales Engagement und aufgenommen in das Netzwerk „Die Verantwortlichen“ der Robert Bosch Stiftung. Wovon die Heros überzeugt sind? Wenn jeder das täte, was er liebt, gäbe es weniger Ängste, mehr Zufriedenheit und weniger Ausbildungsabbrüche. Ein Lied, das die beiden Gründer einst selbst singen konnten.

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