Technik

Hey, Kaspersky: Braucht mein Auto einen Virenscanner?

von Alexander Cohrs

Bei den modernen Autos ist alles mit jedem vernetzt. Das öffnet die Tür für das autonome Fahren – aber auch das Tor für Hacker-Angriffe.

Vernetztes Auto als Angriffsziel von Hackern
Unter Feuer: Das vernetzte Auto wird zum Angriffsziel von Hackern werden, glauben die Virenschutz-Experten von Kaspersky. Foto: aio

Das erfahren Sie gleich:

  • Die Anzahl von Hacker-Angriffen auf Autos wird dramatisch zunehmen
  • Fahrzeuge können sogar fremdgesteuert und als Waffe eingesetzt werden
  • Experten von Kaspersky fordern Daten-TÜV für vernetzte Autos

Kaspersky kümmert sich jetzt auch um Autos

Die beiden Männer blicken meistens ernst und lachen selten. Sergey und Sergey haben die rund 2000 Kilometer Luftlinie von Moskau nach Frankfurt nicht auf sich genommen, um jetzt Scherze zu machen. Ihr Thema ist dafür auch viel zu ernst.

Sergey Kravchenko (38) und Sergey Zorin (44) arbeiten für das russische Softwareunternehmen Kaspersky, das sich auf Antivirus- und andere Sicherheitssoftware spezialisiert hat. Fast jeder Besitzer eines Windowsrechners ist mit dem Virenscanner oder anderen Tools von Kaspersky schon mal in Berührung bekommen. Aber Sergey und Sergey geht es heute nicht um den Heim-PC. Sie wollen uns die Frage beantworten: Hey, ihr von Kaspersky, sagt mal: Braucht mein Auto bald einen Virenscanner?

Die deutschen Unternehmen investieren in das vernetzte Auto bis zu 18 Milliarden Euro.

Die Frage klingt komisch, ist aber wichtig. Moderne Autos sind mit allem und jedem vernetzt, speichern Daten in der Cloud und bekommen Updates über das Internet. Das autonome Fahren und schon die ersten Schritte dahin erfordern einen immensen Austausch an Informationen. Die deutschen Unternehmen stecken in das vernetzte und autonome Fahren bis 2020 zwischen 16 und 18 Milliarden Euro, schätzt der Verband der Automobilindustrie (VDA).

Sergey Kravchenko und Sergey Zorin von Kaspersky.
Experten für Datensicherheit: Sergey Kravchenko (l.) und Sergey Zorin von Kaspersky. Foto: Kaspersky

Das Auto hat sich für Hacker geöffnet

Das viele Geld macht das Auto zum Angriffsziel: „Sobald Hacker die Möglichkeit erkennen, in diesem Bereich Profit zu machen, wird die Zahl der Car-Hacks explodieren“, prophezeit Sergey Zorin, der bei Kaspersky den Bereich für Sicherheitssysteme im Transportwesen leitet. „Alle Probleme, die man bisher schon in der IT mit der Datensicherheit hatte, hat man jetzt auch im Auto“, sagt sein Kollege Sergey Kravchenko. Der Business Development Manager warnt: „Beim Auto ist jetzt die Verbindung in die dunkle Welt geöffnet.“

Aber was kann denn alles passieren? Drei Beispiele:

  • Hacker könnten Schadsoftware als Fahrzeug-Update tarnen und mit dieser Software anschließend private Daten stehlen – zum Beispiel das Telefonbuch aus dem Infotainmentsystem.
  • Hacker könnten die komplette Kontrolle über ein Fahrzeug übernehmen und es für den Fahrer nicht mehr kontrollierbar machen.
  • Hacker könnten sogar eine ganze Stadt lahmlegen – beispielsweise, indem sie die komplette Carsharingflotten eines großen Anbieters mitten im Verkehr anhalten.

„Das, was in Fast & Furious 8 gezeigt wird, also dass eine Reihe von mit Assistenzsystemen ausgestatteten Fahrzeugen fremdgesteuert und als Waffe eingesetzt wird, das ist tatsächlich möglich“, sagt Kravchenko.

Antivirus allein ist keine Lösung

Die Schwierigkeit für die Datensicherheit beim Auto ist, dass nicht nur eine Stelle abgeschottet werden muss – ein modernes Auto hat hunderte von vernetzten Devices. „Man kann ein Auto nicht mit einem Modul sichermachen. Es geht um die Datenkanäle, die SIM-Karten, die Plattformen, die Dienstleister und die Datenzentralen – wir brauchen da eine komplette Sicherheitskette“, sagt Kravchenko.

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Datensicherheit sollte genauso geprüft werden wie das Crashverhalten.

Virenscanner zum Nachrüsten?

Sein Unternehmen berät deshalb Fahrzeughersteller und Zulieferer und hat sogar ein eigenes Betriebssystem für Autos entwickelt. Außerdem haben die Sicherheitsexperten ein Testsystem gebaut, auf dem Autohersteller ihre Software prüfen können, bevor diese ins Auto gespielt wird. Zorin meint: „Datensicherheit sollte bei Autos genauso geprüft und zertifiziert werden wie beispielsweise das Crashverhalten.“

Aber was ist jetzt mit dem Virenscanner fürs Auto – kann ich mir den bald irgendwo runterladen? Kravchenko sagt: „Nein, die Datensicherheit ist Sache der Fahrzeughersteller. Sie wissen um das Problem und verstehen auch, wie wichtig es ist. Als Autokäufer sollte man darüber nicht nachdenken müssen.“ Zorin nickt dazu. Die beiden Männer blicken jetzt wieder sehr, sehr ernst.

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