Technik

Head-up-Display und mehr: Der Motorradhelm wird smart!

von Ralf Bielefeldt

Der Motorradhelm entwickelt sich zum Hightech-Kopfschutz. Bluetooth 4.1, Noise Cancelling und Head-up-Display ermöglichen einen Komfort wie im Auto.

Motorradhelm
Reine Kopfsache: Unter dem klassischen Motorradhelm ist der Fahrer abgeschottet. Mit smarten Helmen ändert sich das jetzt. Foto: aio

Das erfahren Sie gleich:

  • Motorradhelme entwickeln sich zum voll vernetzten Hightech-Kopfschutz
  • Jetzt kommen Smart-Helme mit Bluetooth 4.1 und Active Noice Cancelling
  • Auch das erste Head-up-Display für Motorradfahrer geht in Serie

Abgeschottet unter dem Motorradhelm

Motorradfahrer haben ein Kommunikationsproblem. Sobald sie Gas geben, sind sie von der Außenwelt abgeschnitten. Auf dem Kopf einen Motorradhelm, in den Ohren das Brausen des Fahrtwinds und den Sound des Motors. Selbst der auf dem hinteren Teil der Sitzbank kauernde Sozius hat keine Chance, sich verständlich zu machen, es sei denn, der Feuerstuhl hält an.

Eine Lösung, optisch in etwa so ansprechend wie ein diebstahlsicher montierter Fön in einem mittelprächtigen Hotel.

Bislang hat die Motorradindustrie auf dieses verbale Dilemma mit Gegensprechanlagen reagiert. Die sogenannten Intercoms übertragen Sprache mittels elektrischer Signale, also wie ein klassisches Telefon, allerdings nur über begrenzte Entfernungen. Das bedeutete bei frühen Geräten: von der fest eingebauten (und so mit Strom versorgten) Sendeeinheit irgendwo im Mopedgebälk zum Motorradhelm des Fahrers und von dort zum Soziushelm. Eine fahrzeugspezifische Lösung im adretten Spiralkabel-Look, optisch in etwa so ansprechend wie ein diebstahlsicher montierter Fön in einem mittelprächtigen Hotel.

Mit dem Bluetooth-Standard kam auf einen Schlag die große kabellose Redefreiheit. Moderne Bluetooth-Helm-Systeme bescheren PS-Bikern heute mehr Möglichkeiten als jede konventionelle Telefonkonferenz. Zusätzlich zum Sozius sind auch voraus- oder hinterherfahrende Rider drahtlos ansprechbar. Zudem können MP3-Player, Navigationsgeräte und Smartphones gekoppelt und teils sprachgesteuert werden. Damit sind Motorradfahrer verdrahtet und kommunikationsfähig wie Autofahrer – so sie den Installationsaufwand für die digitale Anbindung nicht scheuen. Bei Zubehör-Lösungen müssen Mikrofon und Lautsprechermuscheln in den Tiefen des Helmes verlegt, Apps installiert und Zusatzgeräte bedient werden. Das ist auch in Zeiten von Youtube, Social Media und Action-Kameras längst nicht jedermanns Sache.

Smarter Motorradhelm mit Noise Cancelling

US-Intercom-Spezialist Sena Technologies will jetzt mit einem speziellen smarten Motorradhelm eine zeitgemäße, innovative Alternative bieten. Die neue normgeprüfte Helmgeneration ist mit moderner Bluetooth-Technologie und integriertem Headset bestückt. Zusätzlich ist sie wahlweise erstmals mit „Intelligent Noise-Control“ (INC) ausgestattet, einer Funktion, die im Stile von Hightech-Kopfhörern mit Active Noise Cancelling auf Knopfdruck die oft nervtötend lauten Windgeräusche egalisiert. Auf Wunsch gibt es zudem Varianten mit einer fest installierten HD-Action-Kamera, die erstmals ab Werk oben mittig in die Helmschale integriert ist. Ohne jeglichen Installationsaufwand können die Helmträger damit Fahrvideos aufnehmen und nebenbei möglicherweise versicherungsrelevante Aufnahmen der letzten Sekunden vor einem Crash erstellen.

Auspacken, aufsetzen und los – die smarten Helme punkten mit dem Prinzip Plug & Play.

Sena Momentum heißt diese neue „Full Face“-Helmserie. Über die integrierte Sena-20S-Technologie für Telefonate, Musik hören und Fahrer-zu-Fahrer-Kommunikation können bis zu acht Biker im Umkreis von 1,6 Kilometern (!) miteinander plaudern. Beim Momentum und beim Momentum Pro mit QHD-Helmkamera sind bis zu 20 Stunden Gesprächszeit möglich, beim Einsteigermodell Momentum Lite (vier statt acht Gegensprechverbindungen) sollen es sogar noch sieben Stunden mehr sein. Die Lautstärke kann über Tasten links am Fiberglashelm geregelt werden. Beim INC-Helm befindet sich auf der rechten Seite eine weitere Taste für den sogenannten Umgebungsmodus: Wird der aktiviert, kann der Fahrer laut Sena deutlich hören, was jemand zu ihm sagt, ohne den Helm abnehmen zu müssen. Auch das kennen Vielflieger von hochpreisigen Kopfhörern mit Noise Cancelling.

Über die Gratis-App für iOS- und Android-Devices kann der Nutzer Funktionseinstellungen ändern, Gruppen für die Sprechanlage einrichten, Radiosender programmieren, auf die Kurzanleitung zugreifen und derlei mehr. Die Sena-Kamera-App ermöglicht eine Vorschau der Videoaufnahmen und die Wiedergabe bereits gespeicherter Aufzeichnungen über WLAN.

Head-up-Display für Motorradfahrer

Auf eine eigene App, Smartphone-Kopplung und einen Controller am Lenker setzt auch Nuviz. Das finnisch-kalifornische Start-up kombiniert Head-up-Display (HUD), GPS-Navigationssystem, HD-Action-Kamera, Kommunikationszentrale und Musikplayer in einem Gerät. Bislang brauchte man dafür mindestens vier verschiedene – Lenker-Navigerät, GoPro, Intercom-System, Smartphone. Und ein Head-up-Display? Existierte nur für Autos und Jetpiloten. Zu komplex erschien die Umsetzung für Motorradfahrer.

Helm von Nuviz mit Head-up-Display
Das dritte Auge: Nuviz befestigt das Head-up-Display außen am Helm. Foto: Nuviz

Ein gelber Farbton mahnt den Fahrer zur Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung.

Bei Nuviz ist das außen am Helm befestigte, vorgelagerte Head-up-Display aufs rechte Auge des Fahrers ausgelegt. Die Projektion ist ca. 3,5 x 4,5 cm groß – und damit recht klein. Je nach Einstellung zeigt sie zum Beispiel zentral die aktuelle Geschwindigkeit und darüber klein in einem roten Kreis das gültige Tempolimit. In der Nuviz-App lassen sich zudem „Speed Alerts“ einrichten, z.B. 10 oder 20 km/h mehr als erlaubt. Liegt man über seinem Tempopuffer, wechselt die Farbe der Geschwindigkeitsanzeige von weiß auf gelb und ermahnt den Fahrer so zur Mäßigung. Über den Menüpunkt „Rides“ lassen sich Strecken speichern und im Web teilen.

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Elektrische Antriebs­technologien im Mittelpunkt

Rund 240 Gramm wiegt das Gerät inklusive Akku, ein vertretbares Mehrgewicht bei den meisten Helmen. Für die Justierung am Kinnschutz sollte man sich Zeit nehmen: Sitzt das ans legendäre Yps-Periskop erinnernde Sichtfenster nicht exakt im Blickfeld, erfordert das einäugige Forschen nach den gewünschten Informationen zu viel Aufmerksamkeit – und bewirkt so das Gegenteil von dem, was es eigentlich soll. Ablenkung ist nicht gut auf zwei Rädern.

2019 soll der erste 360-Grad-Helm kommen

Ein Problem, das CrossHelmet bei seinem futuristischen Smart-Helm X1 durch ein von innen aufs Visier gespiegeltes HUD umgehen will. Eine Kamera auf der Rückseite soll zudem auf einem Teils des Visiers zeigen, wie es hinter dem Biker aussieht. Klingt gut. Nur: Vor 2019 ist nicht mit dem 360-Grad-Helm zu rechnen. Vorbestellungen nimmt die Firma dennoch schon entgegen. Stückpreis: 1499 US-Dollar, umgerechnet rund 1250 Euro. Smarte Kommunikation hat ihren Preis.

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