Elektromobilität

Elektroauto-Prämie: Mehr Geld für Stromer?

von Leonie Butz

Förderung privater Infrastruktur statt Elektroauto-Prämie? Mehr Geld für E-Autos? Oder doch ein frischer Anstrich für den Umweltbonus – wie in Frankreich?

Hat die Elektroauto-Prämie noch eine Zukunft?
Wie geht es mit der Elektroauto-Prämie weiter? Eine Umschichtung der Förderung ist eine Möglichkeit, eine Streichung der Gelder für Plug-in-Hybride ist eine andere – wie beim Kreisverkehr gibt es verschiedene Ausfahrten. Foto: Unsplash/sweeticecreamwedding

Das erfahren Sie gleich:

  • Die Elektroauto-Prämie scheint in Deutschland nicht genug Kaufanreiz zu schaffen
  • Das zuständige Bundesamt äußert Zweifel – Auto-Experte Dudenhöffer fordert mehr Geld für den Umweltbonus
  • Frankreich beendet die Förderung für Plug-in-Hybride

Elektroauto-Prämie umschichten?

In Deutschland werden immer mehr Stimmen laut, die eine vermeintlich bessere Verwendung für den Umweltbonus für E-Autos und Hybride vorschlagen. Etwa die Förderung einer privaten Ladeinfrastruktur, schlägt Andreas Obersteller vor, der Präsident des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Gegenüber der Welt sagte er, dass so beispielsweise Handwerker, Hotelbetriebe oder Wohnanlagen die Förderung zum Infrastruktur-Ausbau nutzen könnten.

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Ferdinand Dudenhöffer, Chef des Center Automotive Research (CAR) an der Uni Duisburg-Essen, widerspricht dem vehement. „Die Politik sollte bei der Elektroauto-Prämie draufsatteln“, so Dudenhöffer gegenüber der Osnabrücker Zeitung. Das Problem sei vor allem die Förderung des Dieselantriebs.

Steuersubventionen geben Käufern einen zu starken Anreiz, sich einen Wagen mit Diesel-Antrieb zuzulegen. Deshalb solle Deutschland die Steuervorteile für Dieselkraftstoffe abschaffen, so Dudenhöffer. „Die Politik sollte die Dieselsubvention kippen und Diesel so wie Benzin besteuern. Mit den Einnahmen könnte man die Ladeinfrastruktur schnell und flächendeckend ausbauen und Deutschland zum Musterland für Elektromobilität machen.“

Seit Beginn der Förderung vor rund eineinhalb Jahren vergab die Regierung offenbar nur rund zehn Prozent der bis 2019 zur Verfügung stehenden 600 Millionen Euro für die E-Auto-Förderung. Theoretisch reicht der Betrag für 300.000 Fahrzeuge – bisher vermeldet die BAFA aber lediglich knapp 47.000 Anträge.

Mit einem momentanen Marktanteil von 1,4 Prozent sind derzeit rund 460.000 E-Autos und Plug-in-Hybride in Deutschland zugelassen. Der Plan, bis 2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen zu haben, ist somit noch weit entfernt.

Bisher scheint aber auch der Umweltbonus nicht viel daran zu ändern: Reine E-Autos fördert die BAFA mit 2000 Euro, Plug-in-Hybride mit 1500 Euro. Ergänzend gibt der Verkäufer einen ebenso großen Nachlass auf den Preis.

Keine Förderung für Plug-in-Hybride

In Frankreich hat sich mit dem Jahreswechsel einiges in Bezug auf die Elektroauto-Prämie getan. Zum 1. Januar 2018 hatte die französische Regierung ihr Subventionsprogramm für Plug-in-Hybride gestrichen.

Für Elektroautos gibt es in Frankreich aber weiterhin 6000 Euro vom Staat. Wer gleichzeitig einen alten Verbrenner verschrotten lässt, erhält zusätzlich 2500 Euro. Und auch im öffentlichen Verkehr und bei Berufsfahrern will die Regierung Boni zahlen: Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo kündigte an, dass E-Busse mit 9000 Euro, elektrische Fahrschulautos mit 6000 Euro gefördert werden sollen.

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Bis 2019 sind die Fördermittel mit großer Wahrscheinlichkeit nicht aufgebraucht.

Reine Elektromobilität statt Plug-in-Hybride zahlt sicherlich auch auf Frankreichs Plan ein, seine Hauptstadt bis 2024 völlig von Dieselfahrzeugen zu befreien. Bis 2030 will die Stadt ebenfalls Benziner von den Straßen verbannen. Somit scheint ein Ende der Förderung von Plug-in-Hybriden für den Zukunftsplan nur sinnvoll. Mit einem Verbot für Verbrenner ab 2040 braucht die Regierung eine strikte Linie – auch gegen Hybride.

In Deutschland, wo der Weg der Elektromobilität noch nicht so klar ist, scheint dieses Vorgehen aber eher kontraproduktiv. Der Plug-In-Hybrid als „Elektroauto Light“ ist für den Einstieg bei vielen sicherlich spannender als ein reines E-Auto. Trotzdem wäre eine zusätzliche Förderung der Infrastruktur in Deutschland sicherlich ein guter Ansatzpunkt, um die E-Mobilität in Gang zu bringen. Denn, so Obersteller, bis 2019 sind die Fördermittel mit großer Wahrscheinlichkeit nicht aufgebraucht.

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