Technik

Harvard-Studie zeigt: Autonomes Fahren macht Taxis nicht günstiger

von
Carola Franzke

Die Erwartung, dass Taxifahren durch autonomes Fahren günstiger wird, könnte sich als Irrtum herausstellen: Die notwendige Technik ist sehr kostspielig.

Mehrere Taxis warten auf Passagiere.
Autonomes Fahren macht Taxifahrten sehr günstig? Diese Hoffnung zerschlagen zwei ehemalige Wissenschaftlerinnen des MIT. Foto: Getty Images/EyeEm

Das erfahren Sie gleich:

  • Weshalb viele Insider davon ausgehen, dass Taxifahren in Zukunft günstiger wird
  • Warum aber besonders die Technik des autonomen Fahrens – laut einer Studie – eher das Gegenteil bewirkt
  • Wie die Autoindustrie diesen Trend bekämpfen könnte

Laut einer Analyse des Harvard Business Review (HBR) bleibt das autonome Fahren eine relativ kostspielige Angelegenheit – aufgrund der teuren Technik, die in den Fahrzeugen notwendig ist.

Lesen Sie auch

Ladestation

aio-Empfehlung

Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

Die Ende Januar 2019 veröffentlichte Analyse beschäftigt sich mit den Kosten des autonomen Fahrens und stellt Mutmaßungen zu den Folgen auf. Insbesondere ärmere Bevölkerungsgruppen werden sich Autos mit Fahrassistenz und teilautonomen Funktionen noch lange nicht leisten können, so HBR.

Statt dessen nutzen sie ältere Autos, die eben auch älteren Sicherheitsstandards genügen und möglicherweise in einem schlechten Wartungszustand sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Menschen in einen Unfall mit tödlichem Ausgang verwickelt werden, so die Studie, ist relativ hoch.

Taxifahren wird vorerst nicht günstiger

Eine Option, die in der Analyse besprochen wird, wäre die Miete autonomer Fahrzeuge nach Bedarf – also Taxifahren mit dem Robotaxi. Die untersuchte These lautet, dass sogar kommerzielle Angebote für autonome Taxifahrten günstig genug sein werden, so dass sie im Prinzip jeder nutzen kann.

Bei der HBR-Studie sieht das aber anders aus: Im Vergleich der HBR-Analysten Ashley Nunes und Kristen Hernandez bleiben die Kosten für Besitz und Betrieb eines älteren Autos noch lange günstiger als das Taxifahren im autonomen Fahrzeug. Beide Expertinnen sind ehemalige Forschungsassistenten des Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Damit ärmere Bevölkerungsgruppen "umsteigen" und auf den Besitz eines billigen, älteren Fahrzeugs verzichten, müssten Taxifahrten auch für Menschen mit Einkommen auf Mindestlohnniveau bezahlbar sein. Das jedoch bleibt – nach Ansicht von Nunes und Hernandez – noch auf absehbare Zeit eine Utopie – selbst wenn sich die Personalkosten des Fahrers in einem Robotaxi abziehen ließen. Die Technik in autonomen Autos treibt deren Anschaffungskosten so in die Höhe, dass der Betrieb teuer bleibt.

Autoindustrie setzt auf autonomes Fahren

Die Autoindustrie setzt allerdings in weiten Teilen auf das autonome Fahren. General Motors (GM) glaubt beispielsweise, dass die Nutzung bei Taxi-Fahrtkosten unter einem US-Dollar pro Meile (umgerechnet etwa 55 Euro-Cent pro Kilometer) in die Höhe schießen wird – aktuell liegen die Fahrtkosten für den Passagier durchschnittlich bei drei Dollar (umgerechnet etwa 2,65 Euro).

Technik

Updates abonnieren und Dossier "E-Mobility" gratis erhalten.

Die Analyse des HBR argumentiert jedoch, dass die Auslastung der Robotaxis in der Kostenbetrachtung der Konzerne nicht berücksichtigt wird. Bislang sind konventionelle Taxis zu etwa 50 Prozent ausgelastet, während die Berechnungen von GM & Co von höheren Auslastungen ausgehen.

Nunes und Hernandez dagegen kommen in ihren Berechnungen am Beispiel San Francisco zu dem Schluss, dass die regelmäßige Nutzung eines Robotaxis dreimal so teuer wäre wie der Besitz und Betrieb eines älteren Autos. Sie mahnen daher, dass die Autoindustrie noch mehr auf die Kosten achten muss, um die Anschaffung von autonomen Fahrzeugen erschwinglicher zu machen. Damit kann der Straßenverkehr für alle Teilnehmer sicherer werden – und die Autoindustrie bleibt erfolgreich.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen