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Handynacken: Boxtraining besiegt die Nackenschmerzen

von Dirk Kunde

Gelbe Boxhandschuhe auf gelbem Grund
Nackenschmerzen? Das könnte an der vermehrten Handy-Nutzung liegen. Was dagegen hilft? Boxtraining! Foto: Pixabay/Mcability

Das erfahren Sie gleich:

  • Der Blick aufs Smartphone führt langfristig zu Nackenschmerzen
  • Ärzten haben einen Namen für das Phänomen: Handynacken
  • Boxtraining gilt als das perfekte Gegenmittel

Der Blick aufs Smartphone belastet unsere Wirbelsäule mit bis zu 27 Kilogramm. Kopf- und Nackenschmerzen sind die Folge. Boxtraining hilft dagegen.

Kopf hoch – sonst drohen Nackenschmerzen

Wenn abends der Nacken spannt und der Kopf schmerzt, könnte das nicht nur an der Arbeitsbelastung liegen. Es sind erste Anzeichen eines Handynackens – einem neuem Phänomen im Smartphone-Zeitalter.

Während wir bei der Arbeit am Schreibtisch in natürlicher Kopfhaltung auf einen Monitor schauen, ist der Kopf bei der Smartphone-Nutzung dauerhaft gesenkt. Bereits auf dem Weg ins Büro wischen wir im Bus auf einem Tablet oder Smartphone herum. In der Regel überbrücken wir mit den Geräten sämtliche Warte- als auch Reisezeit. Doch das ständige Starren nach unten geht auf die Halswirbel.

Bis zu 27 Kilogramm Gewicht ziehen dauerhaft nach unten.

Der New Yorker Wirbelsäulenchirurg Kenneth K. Hansraj belegte den Effekt in einer Studie. Der gesenkte Kopf wird von der Schwerkraft nach unten gezogen; Halswirbelsäule, Muskulatur und Bänder müssen gegen diese Kraft arbeiten. Bei 30 Grad Kopfneigung ziehen bei einem erwachsenen Menschen rund 18 Kilogramm dauerhaft nach unten. Bei 60 Grad sind es bereits 27 Kilogramm. Die Folge sind zunächst ein steifer Nacken oder Nackenschmerzen, sowie Rücken- und Kopfschmerzen. Langfristig schädigt der Smartphone-Nutzer seine Wirbelsäule bis hin zum Bandscheibenvorfall.

Boxtraining gegen Handynacken

Inzwischen gibt es jede Menge Smartphone-Apps mit Rückenübungen für zwischendurch, doch für manche Nutzer ist es schwierig, dauerhaft dran zu bleiben. Wir von aio haben deshalb einen erst mal etwas ungewöhnlich klingenden Vorschlag zur Vermeidung eines Handynackens: Boxtraining.

Der Ganzkörpersport vereint Ausdauertraining, Technik- und Koordinationsübungen. „Das behebt nicht nur Nackenschmerzen, sondern macht vor allem den Kopf frei“, sagt Olaf Jessen. Der 51-jährige betreibt in Hamburg das Sportcenter Hankook (Koreanisch: Einklang von Körper und Geist). Hier bietet er Fitnessboxen für Menschen ohne Vorkenntnisse an. Das Training besteht zur Hälfte aus Fitnessübungen mit dem eigenen Körper und zur anderen Hälfte aus Boxtechnik. Da werden Schlagkombinationen allein oder mit einem Partner geübt. „Dabei muss man sich konzentrieren, da bleibt kein Platz für Gedanken an die Arbeit oder andere Probleme“, sagt Jessen. Wer mit den Händen eine Schlagkombination ausführt und mit beiden Füßen in Bewegung ist, muss bei der Sache sein.

Boxer Olaf Jessen trifft mit der Faust einen Boxsack
Gegen den "Handynacken" kennt Boxer Olaf Jessen ein Geheimrezept: Boxen! Foto: Stephan Hensel

Steifen Nacken ganz nebenbei lösen

Die Boxtechnik schult die Hand-Augen-Koordination und löst ganz nebenbei Verspannungen und Blockaden in der Muskulatur. Jessen hat festgestellt, dass übermäßige Smartphone-Nutzung auch zu einer flacheren Atmung führt. „Beim ständigen und langen Blick nach unten wird das Brustbein gestaucht“, sagt der Fitnessfachwirt und Trainer mit A-Lizenz.

Dabei ist sein Training ganz bewusst nicht nur auf den Handynacken ausgerichtet. Ihm geht es um die Aktivierung aller Muskelgruppen. „Viele Teilnehmer haben aufgrund von Bewegungsmangel zunächst noch ein eingeschränktes Körpergefühl. Die Bewegungsabläufe müssen erst wieder erlernt werden“, so Jessen, der bereits seit 35 Jahren unterrichtet. Als weiteres Beispiel nennt er die Faszien. Diese Teile des Bindegewebes umhüllen netzartig sämtliche Organe, Muskeln, Sehnen und Bänder in unserem Körper. Aufgrund falscher Ernährung und Bewegungsmangel sind die Faszien oft verklebt oder verhärtet. „Meine erste Aufgabe ist es, das zu lösen“, sagt der Box-Trainer.

Boxtraining ohne Einstiegshürden

Er bietet Fitnessboxen an drei Tagen in der Woche an. Die Teilnehmer der Kurse haben zwar den Anspruch, die Technik zu erlernen, doch niemand wolle an einem Box-Wettbewerb teilnehmen, ist Jessen überzeugt. Doch was bringt Menschen, die ihre Arbeitszeit meist an einem Schreibtisch verbringen, zu diesem Sport? Der Boxtrainer sieht hier zwei Gründe. Zum einen fasziniere nach wie vor das anrüchige Images des Sports. Zum anderen spreche es archaische Instinkte an – vor allem von Männern. „Dabei ist es ein Gentlemen-Sport mit ganz klaren Regeln. Die Hau-Drauf-Typen gewinnen in der Regel keinen Kampf“, rückt Jessen das Bild zurecht.

Für Fitnessboxen bestehen keinerlei Einstiegshürden. Sportkleidung besitzt jeder, Boxhandschuhe kann man sich bei den Boxschulen leihen oder auch erwerben. Die Gruppenkurse sind auch eine gute Gelegenheit, um neue Leute kennen zu lernen. Ganz nebenbei verschwindet der Handynacken – und man schaut zukünftig ohne schlechtes Gewissen auf den Smartphone-Bildschirm.

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