Leben

Gute Vorsätze: Erfolgreich mit einem Perspektivwechsel

von
Dr. Kai Kaufmann

Mobil im Kopf, mehr Erfolg: Von neuen Erkenntnissen aus Hirnforschung und Meditation bis zum Sabbatical für den größeren Perspektivwechsel im neuen Jahr.

Vogelperspektive auf eine Landstraße und ein Feld.
Eine Vogelperspektive gewährt einen etwas anderen Blick auf die Dinge. Das kann auch bei der persönlichen Entwicklung eine große Hilfe sein – und Stress reduzieren. Foto: Unsplash / Sveta Fedarava

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Sie Ihre Perspektive verändern, um gute Vorsätze zu realisieren
  • Welche Meditation laut Hirnforschung neue Perspektiven besonders gut eröffnet
  • Wie ein sinnvolles Sabbatical für einen nachhaltigen Spurwechsel aussieht

Im neuen Jahr soll in Ihrem Leben einiges deutlich anders werden? Dann probieren Sie es mal mit diesem Grundsatz: „Don’t try harder, try smarter!“ Mit anderen Worten: Mehr Biss, Disziplin und Mühe sind nicht immer der schlaueste Weg, um einen guten Vorsatz umzusetzen und neue Wege zu gehen.

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Neue Denkansätze können zielführend sein. Raus aus dem engstirnigen Denken. Es ist also eine Veränderung der eigenen Perspektive nötig.

Raus aus der Tunnelperspektive

Leichter gesagt als getan: Wie verändert man denn seine Perspektive? Im Alltag fällt Menschen gerade das schwer. Denn oft stecken wir fest in einer Tunnelperspektive mit starrem Blick auf das nächste Feuer, das gerade zu löschen ist.

Ist unser Stresslevel dauerhaft erhöht, sind wir quasi per Autopilot unterwegs. Unser archaisches Reptiliengehirn hat das Ruder übernommen und konzentriert sich nur auf das Wichtigste – ohne uns nach links und rechts oder innen schauen zu lassen. Wir reagieren reflexartig, statt autonom zu agieren.

Blick durch ein Rohr auf ein Geschäft.
Der Tunnelblick ist nicht nur im Straßenverkehr gefährlich, auch im täglichen Leben kann er die eigene Denkweise einschränken. Foto: Unsplash / Fabian Jung

Amoklauf im Gehirn

Sind wir sehr verängstigt, wütend oder enttäuscht, fallen uns klares Denken und kluge Entscheidungen schwer. „Erfahrene Psychotherapeuten beziffern diesen Effekt sogar: Ab etwa 70 Prozent des maximal möglichen emotionalen Stresses kann man seine Gefühle nicht mehr kontrollieren“, so die Techniker Krankenkasse.

Neue Perspektiven lassen sich im Dauerstress des Alltags deshalb nur schwer entwickeln, selbst der beste Neujahrsvorsatz hat so schlechte Chancen.

ReSource-Projekt: Weltweit größte Meditationsstudie

Ängste und Stress lassen sich durch Achtsamkeit oder andere Meditationstechniken aus dem Yoga deutlich verringern, zeigen zahlreiche internationale Studien aus der Hirnforschung. So können neue Handlungsspielräume entstehen. Doch Meditation ist nicht gleich Meditation.

In einem der weltweit größten Forschungsprojekten zu Achtsamkeitsmeditation, dem ReSource-Projekt, haben Forscher des Max-Planck-Instituts Leipzig kürzlich große Unterschiede in den Wirkungen verschiedener Formen von Achtsamkeitsmeditation erkannt.

Besonderer Effekt: Perspektivische Dyaden-Meditation

Eine Technik der Achtsamkeit zeigte sich in den Studien anderen überlegen, wenn es darum geht, Stress zu reduzieren und andere Perspektiven einzunehmen: eine spezielle Variante der perspektivischen Dyaden-Meditation.

Im Gegensatz zur Meditation im Stillen und allein handelt es sich hier um lautes Meditieren in Form eines hochkonzentrierten Dialogs mit einem Partner. Entweder als Übung von Angesicht zu Angesicht oder virtuell über eine vom Max-Planck-Institut und seinen Hirnforschern entwickelte Smartphone-App.

Dabei trainieren die Teilnehmer die Fähigkeit zur Perspektivübernahme, also die Vogelperspektive auf eigene und fremde Denkmuster einzunehmen. Ein Teilnehmer schlüpft bewusst in verschiedene Anteile seiner eigenen Persönlichkeit: zum Beispiel den inneren Richter, die fürsorgliche Mutter oder das neugierige Kind. Der andere Teilnehmer hört diese Schilderungen und fühlt sich in die Perspektive und Gedankenwelt des anderen ein.

Stärkt: Wertfrei angenommen werden

Dieser Perspektivwechsel schult nicht nur Empathie und Mitgefühl für sich selbst und andere. Er macht auch die verschiedenen eigenen Persönlichkeitsanteile, Wünsche, Triebfedern, aber auch Ängste und Hemmnisse bewusster.

Die Erfahrung, all dies äußern zu können und als ganzer Mensch ohne Wertung angenommen zu werden, kann geradezu therapeutisch wirken. All dies erhöht die Chance, eigenen Wünschen zu folgen und Veränderungen einzuleiten.

Hirnforschung: Areale im Gehirn verändert

Die Effekte lassen sich im wörtlichen Sinne sehen. Nur bei diesen sozialen Meditationstechniken habe sich im MRT gezeigt, dass sich im Gehirn der Versuchspersonen die Bereiche verändert hatten, die für Perspektivwechsel zuständig sind, so Hirnforscherin Dr. Sofie Valk vom Max-Planck-Institut im renommierten Fachmagazin "Science Advances".

Meditieren gegen den Tunnelblick

Eine weitere Überraschung aus dem ReSource-Projekt betrifft die Verringerung von Stress und damit eine Ursache des Tunnelblicks. Frühere Studien aus der Hirnforschung hatten zwar ergeben, dass regelmäßiges Meditieren zu weniger Stress führt. Meist wurde dies aber nicht auf hormoneller Ebene untersucht, sondern über Fragebögen.

Auch im ReSource-Projekt wirkten die bekannteren Formen der Meditation nicht Cortisol-reduzierend. "Nur bei den sozialen Techniken der Achtsamkeit, die mit Partnern ausgeführt wurden, reduzierte sich die Cortisol-Produktion bis zur Hälfte", so die Initiatorin des ReSource-Projektes, Prof. Tania Singer, gegenüber dem "Greater Good Science Center" der University of Berkeley, USA.

Der stressbedingte Tunnelblick lässt sich also mit Dyaden-Meditation besonders gut auflösen, zeigen diese neuen Ergebnisse der Hirnforschung. Sie ist die weniger bekannte soziale Variante des Achtsamkeitstrainings. Hierfür ist der Weg ins Meditationszentrum zu empfehlen oder ein Meditationstrainer, der zu seinen Klienten nach Hause kommt.

Sabbatical: Reise nach Innen, Reise nach Außen

Der Dialog über das Innere ist offenbar eine gute Möglichkeit des Perspektivwechsels. Eine andere gute Option ist die Reise nach außen. Am besten natürlich als längere berufliche Auszeit. Für die meisten Arbeitnehmer ist dies nur in Form eines Sabbaticals möglich.

Studien zeigten, dass fast jeder zweite Befragte so eine Job-Auszeit für sinnvoll halte, sagt Prof. Dr. Jürgen Weibler, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen. Gemeinsam mit dem Portal Leadership Insiders führte der Experte für Personalführung und Organisation eine eigene Studie zu Erfahrungen, Motiven und Zielen im Zusammenhang mit Sabbaticals durch.

Motive für eine Job-Auszeit

Die meisten zentralen Motive der Befragten der Studie hingen mit einer Neuausrichtung des eigenen Lebens – beruflich und privat – zusammen: Prioritäten anders setzen, Freiheit spüren, Zeit für Selbstreflexion und Weiterbildung.

Sabbatical-Modelle: Wieviele Monate?

Von Sabbaticals wird schon bei einer Auszeit von vier Wochen gesprochen. Damit aber spezifische Wirkungen eintreten, die sich von einem längeren Urlaub unterscheiden, sollte die Auszeit der Mitarbeiter einige Monate dauern. "In diesem Sinne würde eine Zeitspanne von sechs bis zwölf Monaten (plus X) der Idee eines Sabbaticals wesentlich besser gerecht werden", so Wissenschaftler Weber.

Nachhaltiges Sabbatical: Der Schlüsselfaktor

Wovon hängt es am Ende am stärksten ab, ob eine Auszeit vom Job das Leben langfristig verändert? "Die Interviews zeigen, dass die meisten Veränderungen nur unter einer Bedingung auftreten. Die Auszeit muss wirklich als frei und selbstbestimmt wahrgenommen werden", sagt der Sabbatical-Experte.

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Neues Mindset: Wie oft geht der Plan auf?

Ein Drittel der Befragten lief nach der Auszeit in Gefahr, in alte Muster zurückzufallen und gute Vorsätze zu verwerfen. Die Arbeit an der neuen Perspektive ist eben auch nach dem Sabbatical nicht beendet.

Der Forscher rät daher, das erweiterte oder veränderte Mindset behaarlich im Berufsalltag mit Leben zu erfüllen.

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