Leben

Gute Sicht beim Autofahren: So klappt es!

von Sabrina Lieb

Die Augen sind beim Autofahren das wichtigste Sinnesorgan. Deshalb gibt es strenge Regeln. Doch auch wer gut sieht, sollte einige Punkte dringend beachten.

Frau mit Brille am Steuer eines Autos
Ob mit oder ohne Brille: Wer mit dem Auto fährt, sollte gut sehen können. Dabei gibt es einiges zu beachten. Foto: Shutterstock/Jacob Lund

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Sehstärke Autofahrer nachweisen müssen, um fahren zu dürfen
  • Warum Unfälle ohne Brille schwere Folgen haben können
  • Wie sich die Sicht im Auto verbessern lässt

Rund 80 Prozent aller deutschen Brillenträger fahren auch Auto. Und solange unsere Fahrzeuge noch nicht autonom fahren, müssen wir sie selbst von A nach B steuern. Gute Augen und gutes Sehvermögen sorgen dafür, dass wir auf unserer Strecke nicht im Straßengraben landen. Mit dem Alter verschlechtert sich allerdings die Sehkraft, was meist schleichend geschieht.

Autofahrer merken oft nicht, dass sie schlechter sehen. Viele haben sich an einen Schleier oder an verschwommene Objekte gewöhnt, was insbesondere in der Nacht oder bei schlechteren Straßenbedingungen die Unfallgefahr erhöht. Ein Exkurs zu den Themen Sehstärke, Sehtest und Sehverbesserung beim Autofahren.

Im Auto: Gute Augen, sichere Fahrt

Die besten Bremsen eines Autos nützen nichts, wenn der Autofahrer selbst zu spät in die Pedale tritt, weil er das Stauende nicht richtig wahrnehmen konnte. Einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zufolge, überschätzen Unfallverursacher häufig ihre eigene Sehleistung. So lässt sich nahezu jeder neunte Verkehrsunfall auf schlechtes Sehen zurückführen.

Hier drohen im Zweifelsfall harte Konsequenzen: Wer nachweislich einen Unfall verursacht hat, weil er schlecht sieht, muss ein augenärztliches Gutachten anfertigen lassen. Fällt dieser Sehtest negativ aus, droht der Führerscheinentzug. Um dies zu vermeiden, sollten Autofahrer daher regelmäßig alle zwei bis drei Jahre ihre Sehleistung überprüfen lassen.

Die Sehstärke: Beim Autofahren mindestens 0,5

Die Sehstärke ist die Fähigkeit unserer Augen, Objekte aus der Nähe und in der Ferne scharf zu erkennen. 100 Prozent Sehvermögen hat ein Mensch bei einem Visus (Sehschärfe) von 1,0. Das bedeutet, dass dieser selbst aus einer Entfernung von fünf Metern Details an einem Objekt erkennen kann, die gerade mal 1,5 Millimeter groß sind.

Verschiedene Faktoren beeinflussen unsere Sehschärfe, darunter das Alter, Krankheiten sowie die Beschaffenheit unseres Augapfels und der Netzhaut. Damit jemand überhaupt Auto und Motorrad fahren darf, muss seine Sehschärfe des besseren Auges bei einem Visus-Faktor von mindestens 0,5 liegen, beim schlechteren bei 0,2.

Im Falle der Einäugigkeit, muss der Wert bei 0,6 liegen. Bei 70 Prozent Sehvermögen, also einer Sehschärfe von 0,7, reicht ein üblicher Sehtest beim Optiker. Liegt die Sehschärfe darunter, benötigen Führerscheininhaber ein ärztliches Attest. Diese Werte gelten im übrigen auch für die Sehkraft mit Sehhilfen, also Brillen oder Kontaktlinsen.

Sehtest beim Optiker
Zweifelsfrei lässt sich die Sehstärke nur im Rahmen eines Sehtests feststellen. Der ist für den Führerschein ohnehin Pflicht. Foto: Unsplash/David Travis

Nebel, Schlieren und verschwommene Objekte

Der Landoltring ist das Normsehzeichen für Sehtests, das in der Europäischen Norm EN ISO 8596 (ersetzt früher gültige DIN-Norm DIN 58220) für die Messung der Sehschärfe vorgeschrieben ist. Dieser ist Voraussetzung, um überhaupt einen Führerschein der Klassen A, B, AM, L und T zu erlangen.

Ein augenärztliches Gutachten für diese Führerscheinklassen ist erst bei einer Sehschärfe des Auges unter Visus 0,7 nötig. Der Landoltring ist an einer Seite offen und die Aufgabe des Probanden ist es, diese offene Seite zu erkennen und entsprechend zu benennen. Mit Hilfe der schrittweise schrumpfenden Landoltringe, bei denen auch die Ausrichtung bzw. die Position der Öffnung variiert, können Augenärzte die Sehschärfe ermitteln.

Wer einen Landoltring erkennen kann, dessen Aussparung einem Sehwinkel von nur einer Bogenminute entspricht (also etwa 1,45 Millimetern aus fünf Metern Entfernung), hat den Visus 1,0. Die Methode entwickelte der Schweizer Augenarzt Edmund Landolt. Sie ist bis heute weltweit im Einsatz.

Sonnenbrillen zum Autofahren

Erkennt ein Autofahrer andere Fahrzeuge oder Verkehrszeiten nur verschwommen, muss er zum Augenarzt und anschließend zum Optiker. Letzterer passt ihm eine Sehhilfe an. Wenn jedoch die Sonne beim Autofahren blendet, helfen spezielle Brillen.

So schützen polarisierende Gläser beispielsweise vor schräg einfallenden Spiegelungen, entspiegelte Sonnenbrillengläser hingegen vermindern Reflexionen durch gerade einfallendes Licht. Die Durchdringung von Dunst- und Streulicht verringern kontraststeigernde Brillengläser, indem sie den blauen Lichtanteil reduzieren.

Ist ausschließlich das Glas getönt, vermindert dies die Blendung des Fahrers. Zu dunkel sollte eine Sonnenbrille jedoch nicht sein: Ab einer Tönungsstufe 4 eignen sich Sonnenbrillen nicht mehr zum Autofahren.

Bessere Sicht dank moderner Scheinwerfer

Neben Brillen und Kontaktlinsen können aber auch andere Scheinwerfer bessere Sicht bringen. Unlängst kam es durch Kurven-, Autobahn- und Abbiegelicht zu einer so starken Verbesserung der Leuchten, dass sie sich automatisch an verschiedene Fahrsituationen anpassen. Xenon-, Bi-Xenon- und LED-Techniken sind deutlich heller als die herkömmlichen Halogenlampen und verbrauchen obendrein auch noch weniger Energie.

Bringt es beispielsweise ein H7-Scheinwerfer mit 55 Watt Leistung auf einen Lichtstrom von 1.200 bis 1.500 Lumen, lassen sich mit einer Xenon- und LED-Technik bereits Werte von bis zu 3.000 Lumen erreichen. Zum Vergleich ein Beispiel aus dem Alltag: Eine 60-Watt-Glühlampe kommt auf rund 750 Lumen.

Fahrer von Autos mit Halogen-Scheinwerfern können ihre konventionellen Leuchten durch sogenannte Upgrade-Lampen optimieren. Diese sind technisch optimiert und leuchten die Straße besser aus. Leuchtet das Licht hingegen zunehmend schwächer, was vor allem bei älteren Autos oft der Fall ist, kann das auch an Übergangswiderständen in Schaltern, Relais, Kabeln oder Steckern liegen. Diese führen zu einem Abfall der Spannung, was Lichtleistung kostet. Kfz-Werkstätten können die Widerstände überprüfen, aber auch Reflektoren oder Abschlussscheiben des Scheinwerfers auf Abnutzung. Bei blinden Reflektoren hilft auch ein Tausch.

Wer ohnehin den Kauf eines Neuwagens anstrebt, sollte sich den Unterschied zwischen den sogenannten Matrix-, adaptiven bzw. intelligenten Scheinwerfersystemen und konventionellen Scheinwerfern vorführen lassen. Die neuen Lichtsysteme an Fahrzeugen tragen viel zum besseren Sehen im Dunkeln bei und erhöhen so die Fahrsicherheit im Straßenverkehr.

Auch ein Blick auf die Windschutzscheibe kann mit wenigen Handgriffen bessere Sicht bescheren: Bilden sich Schlieren, braucht es manchmal nur eine gut gefüllte Waschwasseranlage mit dem jeweils richtigen Zusatz für die passende Jahreszeit und ggf. neue Wischblätter.

Einflussfaktoren auf das Sehen

Viele Faktoren haben Einfluss auf unsere Sehschärfe. Insbesondere im Alter verschlechtert sich das Sehvermögen rapide. So benötigen unsere Augen mit 60 Jahren beispielsweise viermal so viel Licht, um einen Gegenstand genauso gut zu erkennen wie mit 20.

Lässt die Sehkraft allmählich nach, können erste Anzeichen Kopfschmerzen, schnell ermüdende Augen sowie Unkonzentriertheit sein - ganz unabhängig davon, ob mit oder ohne Sehhilfe. Ein erster Hinweis, dass die Sehleistung nachlässt ist auch die Angewohnheit, die Augen beim Sehen zusammenzukneifen. Ob Autofahrer nun merken, dass ihre Sehleistung abnimmt oder nicht: Optiker und Augenärzte empfehlen einen Sehtest alle zwei bis drei Jahre.

Nachtfahrten: Sehen im Dunkeln?

Rund 40 Prozent der tödlichen Unfälle im Straßenverkehr passieren im Dunkeln und das, obwohl die Fahrleistung nachts bei gerade mal 20 Prozent liegt. Dabei ist die Ursache nicht zwingend immer eine verminderte Sehleistung. Auch die Augen von normal sehtüchtige Autofahrern geraten in der Dämmerung und bei Nachtfahrten an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

Hinzu kommt, dass unsere Augen im Dunkeln empfindlicher sind, beispielsweise wenn es zu einer Blendung kommt. Dadurch ist die Netzhaut gereizt, so dass sich Gegenstände schwerer erkennen lassen. Auch wenn unsere Augen noch scharf sehen können, kann es vor allem bei älteren Fahrzeugen zu Seheinschränkungen kommen, nämlich dann, wenn alte, zerkratzte Windschutzscheiben bei Regen und Dunkelheit das Licht anderer Autofahrer falsch brechen und einen Lichtschleier über die Scheibe legen.

Blendender Gegenverkehr bei einer nächtlichen Fahrt.
Nachtfahrten sind für die Augen besonders anstrengend, denn sie sind viel stärker gefordert. Es ist also Vorsicht geboten, auch weil der Gegenverkehr blendet. Foto: Unsplash/Cory Merchant

Sehvermögen: Antworten auf brennende Fragen

Wo kann ich einen Sehtest zum Autofahren machen lassen?

Augenärzte und die meisten Optiker führen einen Sehtest durch. Sofern die Sehkraft unter Visus 0,7 liegt, benötigen Führerschein-Neulinge ein ärztliches Attest, das nur ein entsprechender Augenarzt ausstellen darf.

Muss ich als Autofahrer immer eine Sehhilfe tragen?

Sofern eine Sehhilfe im Führerschein vermerkt ist, müssen Fahrer sie auch tragen. Macht man das nicht, so geht das zu Lasten der Verkehrssicherheit. Wer sich ohne Sehhilfe im Straßenverkehr erwischen lässt, riskiert eine Verwarnung von 25 Euro. Bei einem verschuldeten Unfall und nachgewiesenem Nichttragen einer benötigten Sehhilfe, drohen bis zu drei Punkte in Flensburg sowie Fahrverbot.

Ist eine regelmäßige Prüfung der Sehstärke vorgeschrieben?

In anderen Ländern ja, zum Beispiel in Italien und Spanien. In Deutschland hingegen nicht. Dies gilt jedoch nur für übliche Autofahrer und Motorradfahrer, wer jedoch zu den Fahrern im Berufskraftverkehr oder Personentransport zählt, muss seine Augen alle fünf Jahre ärztlich kontrollieren lassen.

Darf ich mit einer Rot-Grün-Schwäche Auto fahren?

Bei einer Rot-Grün-Schwäche sind die Betroffenen entweder sehschwach für Rot oder Grün. Zwar dürfen Autofahrer auch bei einer Rot-Grün-Schwäche im Straßenverkehr unterwegs sein, jedoch kommt dies darauf an, wie stark die Schwäche ausgeprägt ist.

Bei einer Rot-Grün-Schwäche ist es nicht nur die Ampelfarbe, die Probleme macht. So sind es insbesondere auch Bremslichter, die rotschwache oder rotblinde Menschen nicht zuverlässig wahrnehmen können.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen