Elektromobilität

Gütertransport und velosichere Gleise: Die moderne Straßenbahn

von Paul Bandelin

Straßenbahnen erhalten einen neuen, smarteren Anstrich: In Zukunft können sie führerlos fahren, haben sichere Gleise und befördern Güter von A nach B.

Eine Straßenbahn aus der Vogelperspektive.
Die Straßenbahn vervollständigt vielerorts das Stadtbild – mit neuer Technik soll sie sicherer und effizienter werden. Foto: Shutterstock / Kalen Armstrong

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Straßenbahnen als Verkehrsmittel wieder im Kommen sind
  • Wie in Frankfurt Straßenbahnen Güter in die Innenstadt bringen
  • Wie die Schienen Radfahrer und Fußgänger besser schützen sollen

Die Digitalisierung macht auch vor der Straßenbahn nicht halt. In Frankfurt, Potsdam und Zürich wird an der Weiterentwicklung der Straßenbahn getüftelt. Sie sollen vom altmodischen Verkehrsmittel zum integralen Teil der Stadt der Zukunft werden.

Dabei haftet Straßenbahnen bisher ein eher antiquiertes Image an. Die erste ihrer Art wurde am 26. November 1832 in New York in Betrieb genommen. Danach verbreitete sich die Technik zwar rund um den Globus. Doch über die Jahre haben viele Städte das schienengebundene Nahverkehrsmittel auch wieder abgeschafft.

Gütertransport in die Innenstadt

Was wäre, wenn die Straßenbahn den Transport von Gütern übernehmen und so helfen könnte, den Verkehr in der Innenstadt zu entlasten? Das dachten sich die führenden Köpfe der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main. In Zusammenarbeit mit dem Forschungs- und Bildungszentrum House of Logistics & Mobility, Hermes, der Frankfurt University of Applied Sciences und der ortsansässigen IHK haben die Stadtwerke ein Konzept entwickelt, das die Auslieferung von Paketen ermöglicht. Besonders das staugeplagte Zentrum soll so zumindest von Teilen der täglichen Blechlawine bewahrt werden.

Wenn wir auf diese Weise dazu beitragen können, Frankfurts Straßen zu entlasten, haben wir gemeinsam einen wichtigen Schritt hin zu einer verbesserten Verkehrssituation in der Stadt getan.

Klaus Oesterling, Verkehrsdezernat Frankfurt

Seit Mitte September 2018 testen die Verantwortlichen das Pilotprojekt in der Main-Metropole. Außerhalb der Innenstadt beladen Mitarbeiter der Post die Straßenbahn mit Kisten voller Paketsendungen. Von dort werden diese zu verschiedenen Umschlagplätzen im Zentrum geschafft, während Fahrradkuriere im Anschluss den Transport der "letzten Meile" erledigen. Ansgar Roese, Abteilungsleiter Stadtentwicklung der Stadt Frankfurt, spricht von einer „nahezu emissionsfreien Citylogistik“.

Um das Gedränge zur Rush Hour nicht noch zu verstärken, finden die Transporte in der Probephase zu verkehrsarmen Zeiten außerhalb des Berufsverkehrs statt. Beim „Ideenwettbewerb Klimaschutz“ der Stadt erhielt das Konzept vergangenes Jahr zudem eine Auszeichnung.

Gänzlich neu ist die Idee allerdings nicht. Der Transport von Gütern in Straßenbahnen war auch schon früher Thema bei unterschiedlichen Verkehrsbetrieben. In Hannover gab es beispielsweise in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Tram, die Güter ins Umland beförderte. Darüber hinaus fährt seit dem Jahr 2000 der fünfteilige Güterstraßenbahnzug CarGoTram durch Dresden und befördert dreimal täglich Waren vom Logistikzentrum in der Friedrichstadt zur Gläsernen Manufaktur.

Die CarGoTram unterwegs auf den Schienen.
Die CarGoTram transportiert in Dresden Güter statt Menschen. Foto: picture alliance / ZB

Straßenbahnschienen vs. Sicherheit

Straßenbahnschienen können eine gefährliche Falle für Radfahrer sein. Besonders Räder mit dünnen Reifen können leicht in der Spur hängen bleiben, sodass der Fahrer das Gleichgewicht verliert. Das Unternehmen Dätwyler Sealing Technologies aus dem thüringischen Waltershausen hat nun ein Gummiprofil entwickelt, mit dem das verhindert werden soll. Von der „velosicher“ genannten Idee könnten in Zukunft auch Fußgänger profitieren.

Das Gummiprofil ist hohl und lässt sich zusammendrücken, so dass die Straßenbahn hindurchfahren kann. Nachdem die Bahn es passiert hat, federt es wieder zurück und nimmt seine Ausgangsform an. Für Wartungsarbeiten können Straßenarbeiter die gesamte Konstruktion ohne großen Arbeitsaufwand ausbauen. Zudem besitzt sie einen Entwässerungsablauf, der Schutz vor Schmutzpartikeln bietet und sich komplett ausspülen lässt.

Die ersten Tests fanden bereits 2013 in Zürich statt. Nach der Feststellung unterschiedlicher Mängel wurde das System in den folgenden Jahren überarbeitet und ist nun seit September 2017 wieder im Einsatz. Bislang gibt es nach rund 220.000 Überfahrten nahezu keine Anzeichen von Verschleiß. Dätwyler Sealing Technologies erwartet von den Profilen eine Haltbarkeit zwischen zwei und drei Jahren.

Bei der anstehenden Beschaffung neuer Straßenbahnen werden Assistenzsysteme eine wichtige Rolle spielen. In der autonomen Tram kommen auch Komponenten solcher Systeme zur Vermeidung von Unfällen zum Einsatz, die Straßenbahn wird dadurch noch sicherer.

Oliver Glaser, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe

Autonome Straßenbahn auf der InnoTrans 2018

In Brandenburg gab es unterdessen ein Novum. Für die internationale Verkehrsmesse InnoTrans 2018 bauten die Verkehrsbetriebe Potsdam in Kooperation mit Siemens Mobility eine Straßenbahn so um, dass sie autonom durch die Stadt fahren konnte.

Die Resonanz auf die Testfahrten, die zwischen dem 18. und 21. September ohne Passagiere stattfanden, fiel unterschiedlich aus. Laut Oliver Glaser, dem Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe habe „niemand das Projekt komplett abgelehnt, aber auch nicht euphorisch begrüßt“. Zudem fügte er an, dass bis zur Serienreife noch mindestens 20 Jahre ins Land ziehen würden.

Ein Prototyp der autonomen Straßenbahn von Siemens Mobility.
So könnte die autonome Straßenbahn von Siemens Mobility künftig aussehen. Foto: Siemens AG

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