Leben

Günstiger Strom: Der Selbstversorger

von Peter Michaely

Carsten Fischer lebt mit seiner Familie praktisch unabhängig vom öffentlichen Stromnetz – ohne dabei in der Lebensqualität eingeschränkt zu sein. Hier erzählt er, wie das geht.

Günstiger Strom: Der Selbstversorger
Der Mann ist sein eigener Stromanbieter: Dr. Carsten Fischer vor seinem Haus, das unter anderem mithilfe von Photovoltaik versorgt wird. Foto: Carsten Fischer

Das erfahren Sie gleich:

  • Ein Arzt aus Dülmen versorgt sich fast komplett selbst mit Energie
  • Nur sechs Prozent bezieht er noch vom Stromanbieter
  • Die beiden Elektroautos der Familie fahren mit Solarenergie

Carsten Fischer ist sein eigener Stromanbieter

Das Einfamilienhaus in Dülmen (Nordrhein-Westfalen) hebt sich auf den ersten Blick nicht sonderlich von denen in der Nachbarschaft ab. Roter Backstein, weiße Türen und Fenster, an der Seite eine Doppelgarage. Okay, die vielen Solarpanel auf dem Dach sind auffällig, aber die haben viele andere Hausbesitzer inzwischen auch. Und doch ist das Haus von Carsten Fischer etwas ganz besonderes – denn der 49-Jährige lebt hier in Dülmen seine ganz persönliche Energiewende.

Carsten Fischer hat sich den Traum vieler Hausbesitzer erfüllt: bei der Stromversorgung so weit wie möglich unabhängig zu sein. Fischer, der eine Praxis für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie betreibt, lebt in diesem Punkt praktisch autark – inklusive der Energie für die Mobilität.

Mit dem Blockheizkraftwerk ist die Stromversorgung auch im Winter gesichert.

Die Kombination von Photovoltaik-Anlage, Solarthermieanlage (zur Warmwassererzeugung), Hauskraftwerk (Stromspeicher), Blockheizkraftwerk und Ladestation fürs Elektroauto macht es möglich. „Auf Erdgas können wir allerdings nicht ganz verzichten“, erklärt Fischer. „Wir brauchen es zum Heizen, genauer gesagt für unser kleines Blockheizkraftwerk im Keller. Auf diese Weise ist die Stromversorgung auch im Winter gesichert – oder wenn die Sonne längere Zeit nicht scheint.“

Das Haus stammt aus den 90er Jahren

„Primäres Ziel war für mich Autarkie, wobei die Versorgungssicherheit als Nebeneffekt mittlerweile auch wichtig geworden ist“, sagt Carsten Fischer. Er lebt mit seiner Frau und seiner viereinhalbjährigen Tochter in einem 200 Quadratmeter großen Einfamilienhaus aus den 1990er-Jahren, das in Holzständerbauweise errichtet worden ist. Kein Passivhaus also, und auch bei Isolierung konnte Fischer aufgrund der Bauweise kaum Verbesserungen durchführen. „Die Solarthermieanlage habe ich schon 2008 angeschafft, die Photovoltaikanlage 2010, aber erst im Februar 2014 war das System komplett“, erklärt er.

Das Haus stammt aus den 90er Jahren
Günstiger Strom aus Sonnenenergie: Die Solarpanels installierte Fischer im Jahr 2010 – inzwischen sind die Preise für solche Anlagen gesunken. Foto: Carsten Fischer

Wenn die Sonne scheint, lassen wir eines der Elektroautos zum Laden zuhause.

Die Solarthermieanlage speist in den gleichen Wärmespeicher (750 l) wie das Blockheizkraftwerk ein. „Probleme oder Schäden gab es seither praktisch nicht. Man muss allerdings ein bisschen mitdenken: Wenn die Sonne permanent scheint, versuchen wir auch die Energie abzugreifen und zumindest eins unserer beiden Elektroautos zum Laden zu Hause zu lassen. Denn dann reicht die Kapazität des Hausspeichers nicht aus, um die komplette erzeugte Energie aufzunehmen, und der überschüssige Strom würde ins öffentliche Stromnetz fließen.“

In vier Stunden auf 400 Kilometer Reichweite

Trotz Blockheizkraftwerk im Keller ist der Gasverbrauch von Carsten Fischers Haushalt im Vergleich zu früher ungefähr gleich geblieben. „2016 haben wir 26.000 kWh Gas verbraucht“, überschlägt Fischer. „Dabei muss man allerdings berücksichtigen, dass wir auch unsere beiden Autos mit Strom aus dem Hausnetz laden, in das bei schlechtem Wetter auch das Blockheizkraftwerk einspeist. Wir fahren immerhin zwischen 30.000 und 40.000 Kilometer pro Jahr. Beide Autos kann ich zu Hause gleichzeitig von komplett leer zu komplett voll in vier Stunden laden.“ Zu beachten sei allerdings, dass die maximale Reichweite von jeweils rund 400 Kilometern nicht jeden Tag erreicht werde, die Autos (ein Tesla Model S und ein Opel Ampera Plug-in-Hybrid) also nicht jeden Tag geladen werden müssten.

In vier Stunden auf 400 Kilometer Reichweite
Ladestation: In der Garage versorgt das Fischer sein Tesla Model S und seinen Opel Ampera mit Strom. Foto: Carsten Fischer

Nur sechs Prozent der Energie kommen aus dem Netz

Die Leistungswerte sind eindrucksvoll – und jederzeit online abrufbar. 2015 lag die Eigenstrom-Quote bei 84,8 Prozent (8983,5 kWh), die Netzeinspeisungs-Quote dementsprechend bei nur 15,2 Prozent (1611 kWh). Das entsprach einem Autarkiewert von 94 Prozent. Nur sechs Prozent (527,9 kWh) des für den Hausverbrauch benötigten Stroms musste Familie Fischer noch zusätzlich aus dem öffentlichen Netz beziehen. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt verbraucht im Schnitt rund 4000 kWh Strom pro Jahr – ohne dass Elektroautos geladen werden müssen.

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Die Preise für Solaranlagen sind gesunken

Die Kosten für eine solche Komplettlösung variieren je nach Haus und den vom Kunden gewünschten technischen Komponenten. In seine Anlage hat Carsten Fischer rund 70.000 Euro investiert. Mittlerweile sind die Preise für einzelne Komponenten wie zum Beispiel die Solarpanels allerdings gesunken.

Man muss immer auch ein bisschen Überzeugungstäter bleiben.

„Wenn man wirklich wissen möchte, wann man Gewinn mit einer solchen Anlage macht, muss man genau nachrechnen. Und da gibt es sehr viele Variablen, auch was die staatliche Unterstützung betrifft. Für mich rechnet es sich auf jeden Fall, auch weil ich noch eine großzügige Förderung von 2010 genieße“, erklärt Fischer. Deshalb rät er Interessenten: „Man muss bei allen Rechenbeispielen immer auch ein bisschen Überzeugungstäter bleiben."

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