Leben

Grüne Verpackungen: Pakete umweltbewusst verpacken und versenden

von Sabrina Lieb

10 Millionen Pakete verschicken die Deutschen täglich – mit Verpackungen, die Unmengen an Ressourcen verschlingen. aio zeigt fünf nachhaltige Alternativen.

Ein Mann packt ein Paket ein.
Papier und Pappe waren gestern: Mit Stroh und Pilzen lässt sich umweltbewusst verpacken. Foto: Unsplash/Bench Accounting

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Verpackungen aus Papier so schlecht für die Umwelt sind
  • Wo all die versendeten Pakete hierzulande Verwendung finden
  • Wie Unternehmen mit Gras, Pilzen, Zucker oder Milch umweltbewusst verpacken

Rund drei Milliarden Pakete versenden die Deutschen pro Jahr – das entspricht etwa 10 Millionen Paketen pro Tag. Die Verpackungen aus Papier und Karton verschlingen dabei Unmengen an Holz. So fällt fast jeder zweite industriell geschlagene Baum für die Papierproduktion. Laut dem Worldwatch Institut stammen davon etwa 17 Prozent aus Urwäldern.

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Aber warum ist das so problematisch? Weil die Baumplantagen zur Holzgewinnung nicht umweltfreundlich sind. Hierfür gibt es mehrere Gründe:

  • sie verbrauchen große Flächen an Land
  • diese werden oft mit Monokulturen bepflanzt, was die Böden auslaugt
  • dadurch wird der Einsatz von mehr Pestiziden und Dünger notwendig

Aber auch die Papierproduktion selbst verbraucht viel Wasser und Energie – und der Einsatz von Chemikalien ist alles andere als umweltfreundlich.

Um beispielsweise 100 Kilogramm Papier zu produzieren, braucht es:

  • 300 Kilogramm Holz
  • 5000 Liter Wasser,
  • 110 Kilogramm CO2
  • 1000 Kilowattstunden Energie

Wo finden all die Pakete Verwendung?

Der größte Treiber des Pakete-Booms ist der wachsende Onlinehandel mit Elektronikartikeln und Kleidung. Aber auch Lebensmittel, Medikamente und Blumen werden immer häufiger versendet. Mit dem steigenden Liefergeschäft wachsen auch die Anforderungen an die Versandverpackungen.

Statt üblicher Kartons und Pappschachteln bieten immer mehr Versandhändler nachhaltige Verpackungen aus biologisch abbaubaren und ebenfalls umweltfreundlich gewonnenen Materialien. aio gibt fünf Beispiele für nachhaltige Verpackungen.

Umweltbewusst verpacken: Mit Gras und Heu

Stellen Sie sich vor, Sie bestellen neue Kleidung und Sie kommt in einem Päckchen aus Heu. Fein gehäckselt, zerrieben und zu Karton gepresst, wird das mattgelbe Päckchen mit zart-glänzenden Heu-Stückchen seit geraumer Zeit von der Fair-Fashion-Marke Armedangels versendet.

Gras als Verpackungsmaterial hat gleich mehrere Vorteile:

  • Gras wächst ständig und fast überall nach
  • das Material lässt sich mehrmals im Jahr ernten
  • für die "Anpflanzung" wird kein Wald vernichtet

Deshalb versendet das Unternehmen seine Öko-Mode nicht mehr in Papierkartons, sondern hat seit Anfang des Jahres auf Grasboxen umgestellt. Und die Vorteile der Graskartons haben längst auch große Konzerne erkannt. Besonders für die Verpackung von Obst und Gemüse nutzen mittlerweile auch Supermärkten wie Rewe, Penny, Edeka oder Norma die Graskartons. Zu bestellen ist das Material via graspapier.de. Übrigens: Das Unternehmen sucht regelmäßig Heulieferanten.

Ein Landwirt wendet sein Heu.
Heu und Gras: Das nachhaltige Verpackungsmaterial der Zukunft? Foto: picture alliance / Sebastian Gol

Alternative zu Styropor: Verpackung aus Pilzen

Den meisten ist es noch unter dem alten Namen Styropor bekannt – heute vermerkten Hersteller expandiertes Polystyrol (EPS) unter dem Namen Airpop. Als beliebtes Leichtgewicht, ist der aufgeschäumte Kunststoff eines der meist verwendeten Verpackungsmaterialien. Für unsere Umwelt ist dieses Material allerdings alles andere als gut: So braucht es für die Produktion eines einzigen Würfels Styropor rund 1,5 Liter Benzin.

Eine natürliche Alternative aus Bioabfällen und Pilzen soll den Kunststoff in Zukunft ersetzen. Die Idee zu dem innovativen Verfahren kommt von dem US-Amerikanischen Unternehmen Ecovative. Für die Verpackungen zerkleinern sie zunächst biologische Abfälle und reichern sie mit speziellen Pilzkulturen an. Dieses Biomüll-Pilz-Gemisch darf im Anschluss einige Zeit wachsen, bevor die Entwickler das Material im Anschluss erneut zerkleinern und in die endgültige Verpackungsform bringen.

Bis die Mischung in die Verpackung "hineinwächst", vergehen rund fünf Tage. Ein abschließender Hitzeschub stoppt das Wachstum der Pilze und sorgt dafür, dass das Verpackungsmaterial keimfrei wird. Als vollständig abbaubare Verpackung, eignet sich das Bio-Styropor insbesondere als Verpackungsmaterial für den Postversand, aber auch für nachhaltige Verpackungen für das Baugewerbe und die Automobilindustrie.

Nachhaltig beklebt und verpackt: Zuckerrohr statt Polyethylen

Eine umweltfreundliche Alternative für Etiketten kommt aus dem Hause Avery Dennison. Der weltweit führende Hersteller von Selbstklebematerialien hat eine biobasierte PE-Folie (Polyethylen) vorgestellt, die aus Zuckerrohr-Ethanol hergestellt wird. Die physikalischen und mechanischen Eigenschaften des innovativen Materials gleichen dabei jenen des herkömmlichen PE aus Erdöl.

Verarbeitet und recycelt wird die Bio-Folie wie herkömmliche Polyethylen-Folie. Das Unternehmen bietet eine weiße und eine transparente Variante an, um zum Beispiel Produkte im Lebensmittel-, Getränke-, Kosmetik- oder Haushaltsbereich zu etikettieren.

Mittlerweile setzen auch große Konzerne – wie etwa der Schweizer Hersteller von Getränkekartons Tetra Pak – auf die Produktion von biobasierten Zuckerrohr-Verpackungen. Ganze Verpackungen aus Zuckerrohr kommen aus dem Hause Greenbox. Mit unterschiedlichen "Tree-Free"-Boxen, bietet das Bremer Unternehmen insbesondere kompostierbare Einweglösungen für Catering und Foodservices an.

Plastikflaschen ade: Kompostierbare Flasche aus Pflanzen

Plastikflaschen sind ein leidiges Dauerthema. Pro Jahr werden in Deutschland rund 16 Milliarde Einweg-Plastikflaschen verbraucht, das entspricht 450.000 Tonnen Müll. Darüber hinaus warnen viele Experten vor den darin enthaltenen Weichmacher und dem Mikroplastik, wodurch gesundheitsgefährdende Stoffe ans Getränk abgegeben werden.

Eine erste Flasche aus Biokunststoff hat die österreichische Firma "NaKu – Aus Natürlichem Kunststoff" auf den Markt gebracht. Das Material gewinnen sie aus den pflanzlichen Rohstoffen Zucker und Stärke. Auf Weichmacher wie Phthalate, Bisphenol A oder Antimon verzichten sie komplett – im Gegenzug kommt die Bio-Flasche mit reichlich Vorteilen um die Ecke:

  • sie ist unbedenklich im Gebrauch
  • ist sie rund zehn Mal billiger als Plastik
  • 20 Mal leichter als Glas
  • und selbstverständlich biologisch abbaubar
  • da außerdem deutlich weniger Hitze und Energie notwendig sind, spart die Herstellung 50 Prozent CO2 – im Vergleich zu herkömmlichen PET-Flaschen

Das Material eignet sich als umweltfreundliche Verpackung für Smoothies, Fruchtsäfte, Milchprodukte oder feste Lebensmittel, wie beispielsweise Süßigkeiten.

Ersetzt Plastik: Innovative Verpackung aus Milchprotein

Die einen trinken sie, die anderen nutzen sie als innovative Verpackung – Milch. Wissenschaftlern am US-Amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA) ist es gelungen, eine Verpackungsfolie aus Milch herzustellen, die laut den Forschern wesentlich effektiver als eine Folie auf Ölbasis sein soll und zudem essbar ist. An einem ähnlichen Produkt arbeitet hierzulande auch das Fraunhofer Institut: Sie entwickeln Plastikersatz aus Molke.

Basis der neuen Verpackung ist Casein, das Protein der Milch, das als starker Sauerstoffblocker den Verderb von Lebensmitteln verhindert. Das Forscherteam konnte dünne Folien herstellen, die Sauerstoff 500 mal besser blocken als konventionelle Folien. Cornflakes besprüht man beispielsweise oft mit Zucker, damit sie trotz möglicher Feuchtigkeit schön knusprig blieben. Alternativ wäre aber auch ein milchbasierter Film zum Einsprühen denkbar, der den gleichen Effekt hätte.

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Die essbare Eigenschaft der Bio-Folie eröffnet damit gerade für die Lebensmittelindustrie weitere Anwendungsmöglichkeiten. Verpacken Hersteller etwa eine Suppe darin, könnten Konsumenten die Suppe direkt mit der Verpackung im heißen Wasser auflösen. Denkbar ist dabei auch, dass in Zukunft Gewürze und Vitamine direkt in die Milchpackung eingearbeitet und im Wasser freigesetzt werden. Das Produkt soll in den nächsten zwei Jahren zur Marktreife gebracht werden.

Alternative, umweltfreundliche Verpackungen sind sicherlich die beste Möglichkeit, um die Müllproduktion zu reduzieren – damit die Erde und die Ozeane zukünftig nachhaltig von den Abfällen zu reinigen, die wir verursacht haben.

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